Königsbronn SHW in Königsbronn ist verkauft

Das Gießerei-Unternehmen SHW in Könisgbronn ist verkauft.
Das Gießerei-Unternehmen SHW in Könisgbronn ist verkauft. © Foto: gst
Königsbronn / Klaus Dammann 08.05.2018
Die Rheinische Mittelstandsbeteiligungs GmbH aus Meerbusch erwirbt das zuletzt in Eigenverwaltung geführte Gießerei-Unternehmen. Alle 163 Mitarbeiter des Werks werden übernommen.

Es war der zweite schwere Schlag für die Beschäftigten der SHW CT in Königsbronn und Wasseralfingen innerhalb weniger Jahre: Nach der Insolvenz 2013 mit zwei schweren Jahren bis zur Übernahme durch einen neuen Investor 2015 geriet das Gießerei-Unternehmen Mitte 2017 erneut in finanzielle Schwierigkeiten. Wieder musste Insolvenz beantragt werden, wieder gab es Verunsicherung. Und das obwohl die Auftragsbücher bei SHW CT gut gefüllt waren.

Der Antrag lautete auf Sanierung in Eigenverwaltung und bezog sich neben den beiden Werken der Casting Technologies (CT) auch auf die zur Gruppe gehörende Holding CT Beteiligung GmbH & Co. KG und die Machining Technologies GmbH&Co.  KG in Königsbronn. Entsprechend wurden die Betriebe bislang geführt – mit Unterstützung der Restrukturierungsgesellschaft Pluta. Als Sanierungsgeschäftsführer wurde Marcus Katholing von der Pluta Management GmbH eingesetzt.

Jetzt hat die vom Pluta-Team geleitete Suche nach einem neuen Investor zum Erfolg geführt. Heute war zu erfahren, dass die Rheinische Mittelstandsbeteiligungs GmbH (RMB) aus Meerbusch in Nordrhein-Westfalen den Geschäftsbetrieb und die Immobilie des Unternehmens erwirbt. Allerdings betrifft diese Lösung ausschließlich das Königsbronner CT-Werk. Für das SHW-Werk in Wasseralfingen und die Machining Technologies in Königsbronn, die technologisch eng zusammenarbeiten würden, gebe es Gespräche mit mehreren Interessenten, so die eingeschaltete PR-Agentur.

Die positive Nachricht für die in der Brenztopfgemeinde Beschäftigten bei SHW CT: Alle 163 Mitarbeiter werden vom Investor übernommen. Auch der Markenname SHW soll erhalten bleiben. Die neue Gesellschaft erhält den Namen SHW High Precision Casting Technologies GmbH. Über den Kaufpreis wird nichts mitgeteilt.

Pluta-Restrukturierungsexperte Katholing: „Wir haben für die SHW CT in Königsbronn die bestmögliche Lösung erzielt. Angesichts der Spezialisierung der Werke haben wir uns für einen einzelnen Verkauf der Gesellschaften entschieden. Ich freue mich für die Mitarbeiter, die in den vergangenen Monaten sehr großen Einsatz gezeigt haben. Unser Ziel ist es, dass wir nun auch eine optimale Lösung für die SHW CT in Wasseralfingen und die Machining Technologies in Königsbronn finden.“

Ein strategischer Investor

Übernehmer RMB gilt als strategischer Investor mit großen Erfahrungen in der Gießerei-Industrie. So wurde laut Agentur zuletzt die Mehrheit an der Hubo Hulvershorn Eisengießerei in Bocholt übernommen und auch das Aluminium-Druckgussunternehmen Eisenmann Druckguss GmbH gehört zur RMB. Angestrebt würden Synergieeffekte zwischen diesen Betrieben und SHW, vor allem im Vertrieb und bei der Administration.

Rainer J. Langnickel, geschäftsführender Gesellschafter der RMB, erklärt zur Übernahme: „Wir freuen uns über den erfolgreichen Erwerb dieses Traditionsunternehmens. In der Kombination der SHW CT mit der Hubo sind wir bestens aufgestellt, um unseren Wachstumskurs fortzusetzen. Wir schauen uns außerdem bereits anderweitig im Markt um und sind zuversichtlich, bald einen weiteren Zukauf realisieren zu können. Dies ist Teil unserer Strategie.“

Bei der SHW in Königsbronn werden Teile im Gewichtsbereich von 100 Kilogramm bis zu 120 Tonnen gegossen und bearbeitet. Das Unternehmen zählt zu den Weltmarktführern für den Guss großer Papierkalanderwalzen. Der als hoch bewertete Auftragsbestand beläuft sich auf rund 15 Millionen Euro. Außerdem habe das Unternehmen auch wieder die Gewinnzone erreicht und arbeite profitabel. Für 2018 wird mit einem Umsatz von rund 28 Millionen Euro gerechnet im Vergleich zu 25 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2017.

Die Lage bei der SHW CT in der Brenztopfgemeinde sei eine „ungute Schwebesituation“ gewesen, sagt Bürgermeister Michael Stütz. Auf der menschlichen Ebene sei es nicht leicht gewesen, doch der Auftragsstand sei gut und die Kunden würden zum Unternehmen stehen. „Wenn jetzt ein erfahrener Käufer gefunden ist, dann denke ich – wenn es so gut weitergeführt wird –, ist es erstmal positiv zu bewerten.“ Auch für die Gemeinde sei es ein gutes Ergebnis, besonders für die vielen Bürger, die bei SHW in Arbeit seien. Jetzt sei es wichtig, dass Ruhe und Zuversicht in die Zukunft einkehren.

Der Kaufvertrag sei bereits im April unterschrieben worden, so die Agentur gestern. Die Übernahme unterliege aber noch Bedingungen. Eine sei ein Haustarifvertrag, über den mit der Gewerkschaft IG Metall bereits verhandelt werde.

Zurückhaltung bei der IG Metall

Der erste Bevollmächtigte der IG Metall Heidenheim, Ralf Willeck, sieht die Angelegenheit etwas zurückhaltender. Er betont, dass nicht über einen Haustarifvertrag, sondern über einen Sanierungstarifvertrag verhandelt werde. Die Bedingungen, die der Investor stellt, seien noch nicht bekannt. „Er darf den Bogen aber nicht überspannen. Was in Andeutungen zu hören war, halte ich nicht für akzeptabel.“ Als Verhandlungsthemen seien hier Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie eine 40-Stunden-Woche genannt worden. Willeck: „So geht das nicht. Dann wird die Mannschaft ,Nein Danke‘ sagen.“ Egal, was gefordert werde, müssten die IG-Metall-Mitglieder im Betrieb dem Tarifvertrag erst zustimmen. Und das sei bei SHW in Königsbronn ein hoher Prozentsatz an Mitgliedern von etwa 95.

„Eine Übernahme zu jeder Bedingung wird es nicht geben“, machte Willeck deutlich. „Wenn der Investor auf seinen Forderungen besteht, wird die Sache kritisch. Dass die Beschäftigten den Kaufpreis bezahlen sollen – das kann es nicht sein.“

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