Königsbronn SHW HPCT in Königsbronn soll geschlossen werden

Es ist vorbei: Die SHW HPCT in Königsbronn soll endgültig geschlossen werden.
Es ist vorbei: Die SHW HPCT in Königsbronn soll endgültig geschlossen werden. © Foto: Archiv, Christian Thumm
Königsbronn / Carolin Wöhrle 08.02.2019
Bis zum Schluss haben die Beschäftigten auf eine Lösung gehofft. Am Freitag aber verkündete der Insolvenzverwalter das voraussichtliche Aus.

Schluss, aus, vorbei: Die SHW HPCT in Königsbronn wird aller Voraussicht nach geschlossen. Diese Hiobsbotschaft erhielten die 162 Beschäftigten am Freitagvormittag im Rahmen einer Mitarbeiterversammlung. Überbringer der Nachricht war der vorläufige Insolvenzverwalter Martin Mucha, der seit dem erneuten Insolvenzantrag im Dezember versucht hatte, die Kunden bei der Stange zu halten und einen neuen Investor zu finden. Schon damals hatte Mucha allerdings die Befürchtung geäußert, dass sich diese Suche als schwierig und vor allem langwierig erweisen könnte.

Nun steht fest: Sie ist nach derzeitigem Stand gänzlich gescheitert. Noch steht der offizielle Beschluss des Gläubigerausschusses über die Betriebsstilllegung aus. Dieser soll am Montag fallen.

Mucha wollte dennoch bereits am Freitag die Mitarbeiter informieren. „Ich wollte den Beschäftigten reinen Wein einschenken – vorbehaltlich des Beschlusses.“ Dass an der Schließung allerdings noch gerüttelt werden könnte, hält der Insolvenzverwalter für so gut wie ausgeschlossen: „Da müsste schon ein Wunder geschehen.“

Verantwortlich für die gescheiterte Rettung des Unternehmens ist aus Muchas Sicht der „völlige Vertrauensverlust“ der Kunden. Erhebliche Probleme hatten sich vor Ort bereits im Herbst abgezeichnet, seitens des Investors habe man noch versucht, selbst nach einer Lösung zu finden – vergeblich. Im Dezember dann folgte der dritte Insolvenzantrag. Zu spät? „Das wäre reine Mutmaßung“, sagt Mucha. „Hinterher ist man immer schlauer und hätte es funktioniert, dann hätte davon keiner gesprochen.“

Die Kunden allerdings haben laut Mucha zuletzt ihre Aufträge zurückgenommen – obwohl man intensiv an Übergangsmöglichkeiten gearbeitet habe.

Vorwürfe an Insolvenzverwalter

Für den Betriebsratsvorsitzenden Fred Behr, wie auch für seine Kollegen, ist die nun angekündigte Schließung eine „Katastrophe“: Alle Mitarbeiter seien völlig geschockt gewesen. „Die meisten Beschäftigten sind über 50 Jahre alt. Finden Sie in diesem Alter, noch dazu in dieser Berufssparte, eine neue Stelle.“ Mit zur Belegschaft gehören außerdem zwölf Auszubildende, die sich jetzt wohl nach einem neuen Ausbildungsplatz umsehen müssen.

Behr ist erschüttert – aber auch verärgert: Er wirft dem Insolvenzverwalter Mucha vor, sich nicht ausreichend um eine Lösung bemüht zu haben. „Wir haben den Eindruck, dass Herr Mucha nie wirklich Interesse daran hatte, das Unternehmen zu retten. Er kam, um es abzuwickeln.“

Mucha wiederum wehrt sich in aller Deutlichkeit gegen diese Vorwürfe: „Wir haben alles versucht, aber wir können nicht zaubern“, sagt der Jurist. „Man muss sehen: Bei einer dritten Insolvenz steht man näher vor der Schließung als vor sonst etwas.“

Was bedeutet das bevorstehende Aus nun akut für die Mitarbeiter? Insolvenzgeld wird noch bis Ende des Monats bezahlt. „Sollte es über den Februar hinaus noch Arbeit geben, die kostendeckend geleistet werden kann, dann wird das auch geschehen“, sagt Mucha. „Natürlich nach Absprache mit den Mitarbeitern.“ Darüber hinaus müsse nun gemeinsam mit dem Betriebsrat ein Sozialplan ausgearbeitet werden. Wann genau das Werk dann endgültig geschlossen werden soll, ist also noch nicht sicher.

Mitarbeiter kämpften selbst

Erst kurz vor Weihnachten hatte die Königsbronner SHW HPCT Insolvenz anmelden müssen – zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre. Einige Wochen zuvor war bekannt geworden, dass der neue Investor, die Rheinische Mittelstandsbeteiligungs GmbH (RMB), in finanzielle Schwierigkeiten geraten war.

Die mit der Sanierung der SHW CT beauftragte Geschäftsführung war daraufhin vom Kaufvertrag mit der RMB für die Machining Technologies in Königsbronn und für das Werk in Wasseralfingen zurückgetreten. Für die Wasseralfinger hatte das voraussichtlich das Aus bedeutet: Es soll noch im ersten Quartal 2019 geschlossen werden. 150 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. Der Betrieb bei der SHW Machining Technologies mit acht Mitarbeitern läuft weiter.

Für die 162 Mitarbeiter der SHW HPCT begann Ende des Jahres aber erneut der Kampf um ihren Standort, den sie auch selbst mit bestreiten wollten. Der Betriebsratsvorsitzende Fred Behr hatte mit seinen Kollegen einen eigenen Plan zur Rettung der SHW entwickelt: Die Mitarbeiter sollten das Unternehmen in Teilen quasi selbst kaufen. Unterstützung erhoffte er sich zudem von Spenden und von einer Bürgschaft des Landes Baden-Württemberg. Auch die Gemeinde Königsbronn hatte sich in einem Schreiben an das Land und an Ministerpräsident Winfried Kretschmann gewandt, um Unterstützung gebeten. Eine Rückmeldung blieb bislang offenbar aus. Bürgermeister Michael Stütz war zunächst für eine Stellungnahme zur Schließung der SHW nicht zu erreichen.

SHW CT: vom Traditionsbetrieb zur Insolvenzwelle

So viele Jahre gibt es in Deutschland keinen anderen Industriebetrieb. Die Schwäbischen Hüttenwerke (SHW) reichen mit ihren Anfängen bis ins Jahr 1365 zurück, als Mönche sich um die Verhüttung von Bohnerz zur Eisengewinnung bemühten.

1832 dann wurde in der Gießerei die erste Kalanderwalze gegossen, 1921 die SHW GmbH gegründet. Das Königsbronner Werk entwickelte sich zum Weltmarktführer für Papierkalanderwalzen.

Das Land Baden-Württemberg beendete sein Engagement im Hüttenwesen 2005. Nach der Abspaltung der Automobilzulieferung wurde aus den Gießereien in Königsbronn und Wasseralfingen die SHW Casting Technologies.

Die Welle der Insolvenzen begann 2013, im Jahr darauf wurden in Königsbronn 85 Beschäftigte entlassen. Zwei Jahre später sah die Situation wieder besser aus: Investor Markus Hüter übernahm die SHW CT. Aber schon 2017 folgte als schwerer Schlag für die Mitarbeiter die zweite Insolvenz.

Ein Jahr später war mit der Rheinischen Mittelstandsbeteiligungs GmbH ein neuer Investor für Königsbronn gefunden. Der Betrieb heißt seitdem SHW HPCT. Ende 2018 kam es jedoch zur erneuten Insolvenz.

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