Königsbronn / Carolin Wöhrle Es hat tatsächlich geklappt. Die SHW HPCT hat einen neuen Eigentümer: die neu gegründete Hüttenwerke Königsbronn GmbH. So schnell wie möglich soll mit 78 Mitarbeitern weiterproduziert werden.

Tot Geglaubte leben länger: Für kein Unternehmen im Umkreis dürfte dieses Sprichwort besser zutreffen als für die SHW HPCT in Königsbronn.

Sieben Wochen, nachdem die Stilllegung des Werks beschlossen wurde und 80 Prozent der 160 Mitarbeiter ihre Freistellung bekommen haben, kommt die Kehrtwende: Sowohl das Münchner Restrukturierungsunternehmen One Square Advisors als auch Insolvenzverwalter Martin Mucha bestätigten am Dienstag auf HZ-Nachfrage, dass die Kaufverträge tatsächlich unterschrieben wurden.

Neuer Eigentümer der SHW HPCT soll die neu gegründete Avir Walze Holding GmbH mit ihrer Beteiligungsgesellschaft Hüttenwerke Königsbronn GmbH sein. Der Name Avir ist dabei in der Gießerei-Branche mittlerweile nicht mehr unbekannt: Im vergangenen Jahr wurde die große Gießerei Halberg Guss mit ihren Werken in Saarbrücken und Leipzig von der Avir Guss Holding übernommen. Auch hier war One Square Advisors mit im Boot - im Vordergrund als Berater, im Hintergrund als Gesellschafter.

Mitarbeiterzahl halbiert

Die neuen Hüttenwerke sollen sich künftig auf die Bereiche Herstellung von (Druckguss-)Walzen bzw. Servicedienstleistung für die Walzen konzentrieren. Im Zuge der Übernahme wird nun 78 der vormals 162 Mitarbeiter der SHW angeboten, in die Hüttenwerke Königsbronn zu wechseln.

Und mehr noch: An der Holding soll die Belegschaft mit einem Drittel der Anteile beteiligt werden. „Mit dieser Struktur kann nicht nur der Großteil der Arbeitsplätze erhalten werden, sondern die Mitarbeiter sind in Zukunft auch an der Wertentwicklung des Unternehmens beteiligt“, heißt es von Seiten der One Square Advisors.

Bereits vor drei Wochen war bekannt geworden, dass die Restrukturierungsexperten Gespräche mit den größten Kunden der SHW führen.

„Sind bei 80 Prozent“

Der Kaufvertrag steht nun noch unter bestimmten Vollzugsbedingungen, unter anderem den Eintritt in die bestehenden Leasing- und Mietverträge bis zum Ende des Monats. Funktioniert hier alles, dann, so heißt es von Seiten von One Square Advisors, könnte der Geschäftsbetrieb zum 1. Mai wieder aufgenommen werden.

Der Betriebsratsvorsitzende Fred Behr verbrachte den Dienstag damit, Gespräche mit den Mitarbeitern zu führen: „Ich möchte mit jedem einzelnen persönlich sprechen - über Perspektiven, aber auch über Ängste und Sorgen.“ Behr hofft, dass die Mannschaft, mit der man den Betrieb fortführen will, solange an Bord bleibt bis die letzten „Stolpersteine“ aus dem Weg geräumt sind. 80 Prozent, so Behr, habe man bereits geschafft. „Von Null auf Achzig geht es manchmal schnell“, sagt der Betriebsratsvorsitzende. Ich hoffe, dass uns bei 95 nicht noch das Gas wegbleibt.“ Im Moment allerdings sehe es sehr gut aus.

 Weitere Unterstützung dabei, den Standort in Königsbronn zu sichern, hat offenbar auch das Land Baden-Württemberg zugesagt - im Rahmen seiner Möglichkeiten.

Ein Kommentar von Carolin Wöhrle zum Verkauf der SHW HPCT in Königsbronn.

Der Investor One Square Advisors führt offenbar Gespräche mit den größten Kunden. Könnte das doch noch die Rettung für das Traditionsunternehmen bedeuten?