Königsbronn / gerhard stock Große Erleichterung in Königsbronn: nach zwei Jahren Insolvenz inklusive einer zunächst vielversprechenden, aber doch nicht zustande gekommenen Übernahme durch die Essener Dihag ist die nervenaufreibende Hängepartie nun beendet. Den Standort Königsbronn der SHW-CT übernimmt zum 1. Juli Markus Hüter aus Bad Kreuznach, der den Betrieb mit seinen noch rund 130 Beschäftigten weiterführt.

Das komplexe Übernahmeprozedere durch Hüters Restart GmbH zog sich über Monate hin, bis dann endlich auch die letzte Unterschrift unter das umfangreiche Vertragswerk geleistet war. Bei den Festlichkeiten in Aalen anlässlich des Jubiläums „650 Jahre SHW“ ließ man jetzt die Katze aus dem Sack und feierte die Übernahme als „das größte Geschenk zum Firmengeburtstag“. Die nunmehr zwei Jahre währende Leidenszeit der insolventen SHW Casting Technologies GmbH geht also zu Ende – eine Tatsache, die insbesondere die verbliebenen 270 Beschäftigten (von früher etwa 800 an vier Standorten) sehr freuen wird. In den zwei CT-Werken Königsbronn und Wasseralfingen haben sie in dieser Zeit einiges mitgemacht und viele Kollegen verloren. Jetzt sieht die Zukunft wieder freundlicher aus, und wenn's gut läuft, soll es sogar wieder Einstellungen geben.

Zum 1. Juli startet die SHW Beteiligung GmbH & Co. KG. Geschäftsführender Gesellschafter ist Dipl.-Ing. & Dipl.-Betriebswirt Markus Hüter. Hüter, der in Bad Kreuznach die Restart GmbH etabliert hat – eine Gruppe erfahrener Berater und Führungskräfte –, will die Hüttenwerke wieder finanziell auf tragfähige Basis stellen. Hierfür kann er auf eine über 15-jährige Erfahrung im Umgang mit Sanierungsfällen im Mittelstand zurückgreifen.

Handelseinig, so IG Metall-Bevollmächtigter Ralf Willeck, war man sich mit dem neuen Investor bereits Anfang Februar 2015. In der Folgezeit standen die Finanzierung des Erwerbs und der Businessplan auf dem Prüfstand, der Geschäftsführer des übernehmenden Unternehmens wusste Insolvenzverwaltung und Arbeitnehmervertretung mit seinem Fortführungskonzept zu überzeugen. Die Ziele „weiterhin Tarifbindung“ und „keine betriebsbedingten Kündigungen“, so Willeck, konnten erreicht werden. Zeitraubend und mühsam gestaltete sich die Überzeugungsarbeit, die im Gläubigerausschuss gegenüber der Vertretung des Banken-Pools geleistet werden musste. Letztlich fiel die Entscheidung gegen eine Zerschlagung und für die Fortführung als der bessere Weg. Motto: Lieber ein niedrigerer Kaufpreis als nichts.

Mit dem Auftragsvolumen, das im ältesten Industriebetrieb Deutschlands mittlerweile anstehe, könne man leben, meint Willeck. Nach dem kostspieligen und gründlich schief gegangenen „unternehmerischen Abenteuer“ Bearbeitung von Großmotoren und Windrad-Bestandteilen stünden in Königsbronn wieder die klassischen Betätigungsfelder Walzen und Verschleissguss im Vordergrund. Hierfür habe man mit den jetzt noch rund 130 Beschäftigten auch eine Untergrenze erreicht, die gerade noch Sinn mache: „Weniger geht nicht mehr“.

Hoffen und Bangen waren die vorherrschenden Gefühlslagen bei den von lange Zeit durch Ungewissheit und Zukunftsängste geplagten Beschäftigten. An vorderster Front hatte hier vor allem Betriebsratsvorsitzender Fred Behr eine Menge zu tun, um die Mannschaft bei der Stange zu halten. Den Leuten vor Ort sitzt nämlich der Schock durchaus noch in den Knochen, den die Entlassung von über 80 meist langjährig Beschäftigten zum Ende Juli 2014 verursacht hat. Nun aber ist man erleichtert und zuversichtlich, “wieder eine Heimat zu haben und den Makel der Insolvenz los zu werden“. Die Arbeitnehmervertretung hoffe auf eine gute Zusammenarbeit.

Wie schon in der Vergangenheit waren nun auch für die nunmehr geglückte Übernahme wieder Opfer der Arbeitnehmer nötig, fixiert im Sanierungstarifvertrag. Zum Beispiel: zwei Jahre lang bekommen die in Königsbronn verbliebenen Hüttenwerker kein Urlaubs- und kein Weihnachtsgeld, im Gegenzug wird für diesen Zeitraum Weiterbeschäftigung garantiert.

Von einer guten Zukunft der neuen SHW CT überzeugt ist Ulrich Knöller, Vorsitzender des Kulturvereins und mit der Geschichte der Hüttenwerke in Königsbronn vertraut wie kein Zweiter. „Das mit der Übernahme ist eine unheimlich erfreuliche und positive Sache. Was kaputt gegangen ist, kann auch wieder auf- und weiter ausgebaut werden. Ist doch klar, wer gibt einer insolventen Firma schon gerne einen Auftrag“.

„Ein sehr schönes Ergebnis“ konstatiert Bürgermeister Michael Stütz, der im engen Kontakt mit dem Insolvenzverwalter sich stets über den aktuellen Stand bei SHW CT auf dem Laufenden halten ließ. „Wenn das jetzt unter Dach und Fach ist, können wir auch viel unbeschwerter im September unser Jubiläum 650 Jahre Eisenverhüttung feiern“, freut sich Stütz. Die persönlichen Schicksale der entlassenen Arbeitnehmer seien der Gemeinde nicht egal gewesen, durch flankierende Maßnahmen habe man versucht, zu helfen. Mit dem neuen Geschäftsführer wolle die Gemeinde guten Kontakt pflegen und zusammenarbeiten.