Fußball-Fan Timo Dufloth und sein VfB-Haus in Bolheim

Bolheim / Manuela Wolf 16.08.2018
Das Herz des Bolheimers schlägt für den VfB Stuttgart, deshalb hat er sich das Vereinswappen als Grafitti in Übergröße an seine Hauswand sprühen lassen.

Timo Dufloth lacht. Die Frage haben ihm schon so viele Kumpels gestellt, seit ein riesiges VfB-Wappen die Hauswand seines kleinen Häuschens an der Heidenheimer Straße in Bolheim ziert. Die Antwort ist, ganz klar: nein. „Ich habe keine Freundin und damit auch niemanden, der mir irgendetwas verbieten könnte. Deshalb kann ich hier ja auch alles so machen, wie ich mir das vorstelle. Und ich muss sagen: Das Wappen ist super geworden.“

Als FC-Bayernfan angefangen

Schon fast sein ganzes Leben lang ist der 28-Jährige großer Fan der Profi-Kicker aus dem Schwabenländle. Die ersten paar Jahre musste er sich zwangsläufig für die große Konkurrenz aus München begeistern: Das Herz seines Vaters schlug für den FC Bayern.

Doch irgendwann verlor der Sohnemann die Lust am ewigen Siegen. Er wollte Dramatik, Sieg und Niederlage und die Spannung einer Partie miterleben, deren Ausgang ungewiss ist bis zum Schlusspfiff. Die Mannschaft aus Stuttgart war ihm sympathisch. Also zog der Vater zähneknirschend los und kaufte fortan Trikots und Schals in rot und weiß – und lief irgendwann selbst zum VfB über.

Grafitti-Kunst aus Stuttgart

Ursprünglich hatte Dufloth nur eine simple rote Front zur Straße hin geplant, um ein bisschen Farbe ins Neubaugebiet zu bringen. Doch die erschien ihm nach Fertigstellung zu mächtig. Auflockerung musste her, und zwar eine mit höchstpersönlicher Note. Die Wahl fiel aufs Wappen des Lieblingsvereins. Im Internet wurde ein Graffiti-Künstler aus der Landeshauptstadt ausfindig gemacht, der ebenfalls ein großer Fußball-Fan ist, und nach Bolheim bestellt. Er sollte auch die Hausnummer passend zum VfB-Wappen gestalten. Sieben Stunden und 600 Euro später war das Werk vollbracht.

Der Zeiss-Monteur hat bis zur B-Jugend aktiv im Verein gekickt. Doch dann startete er mit der Schicht-Arbeit, schaffte es nicht mehr regelmäßig ins Training. Der Begeisterung für Fußball hat das keinen Abbruch getan. Ab und an kickt er in seiner Freizeit mit seinen Freunden, und wann immer er Zeit hat, schaut er sich Fußballspiele im Fernsehen an. Auch aus diesem Grund lebt der junge Mann in den eigenen vier Wänden: „Ob gerade Fußball kommt oder ob ich Musik höre, ich mag es laut. In einer Mietwohnung hätte ich Rücksicht nehmen müssen, das wollte ich nicht.“

Was er auch nicht wollte: Ein geräumiges Eigenheim bauen für eine einzige Person. Und so entschied sich Timo Dufloth für eine Mini-Lösung. 80 Quadratmeter Wohnfläche auf einer Ebene, kein Keller, kleiner Garten, offene Wohnküche, Schlafzimmer, Zocker-Zimmer. Dass das Haus ganz bewusst für einen Bewohner im Seniorenalter konzipiert ist, hängt mit der Familienplanung des Besitzers zusammen. Sollten sich irgendwann mal Enkelkinder ankündigen, ist Mama Dufloth, die nur einen Steinwurf entfernt in einem deutlich größeren Haus lebt, zum Tausch bereit.

Nicht das letzte Wandbild

Weil bis dahin noch viel Wasser die Brenz runterfließen kann, wie man so schön sagt, macht es sich Hausherr Timo jetzt aber erstmal richtig schön in seinem neuen Zuhause. Im Zocker-Zimmer beispielsweise darf sich eine Freundin an einer Wand verewigen und einen gigantischen Seeadler mit dem Schriftzug des amerikanischen Football-Teams „Seahawks“ aufmalen. Auch die Außenfassade soll noch ein bisschen bunter werden, vielleicht aber erst dann, wenn Amors Pfeil das Fußballerherz trifft. „Kann ja sein, dass die Frau, die hier mal einzieht, mit dem VfB nichts am Hut hat. Als Kompromiss würde ich anbieten, dass sie dann das Bild für die Garage aussuchen darf.“

Ein Graffiti – kein Problem

Der Bebauungsplan schreibt laut einer Mitarbeiterin der Stadt Herbrechtingen keinerlei Dach- oder Fassadenfarbe vor: „Die Zeiten sind vorbei.“ Wenn ein Gebäude öffentliches Ärgernis erregen würde, komme es irgendwann auf den Tisch. Im Fall von Timo Dufloths VfB-Haus habe es aber zu keiner Zeit Beschwerden gegeben, also sei das Graffiti auch völlig in Ordnung.

Das Baugebiet, in das der Bolheimer sein 80-Quadratmeter-Haus gebaut hat, heißt übrigens Baugebiet Zoeppritz. Es wurde im Jahr 2000 privat erschlossen und im Jahr 2002 an die Stadt Herbrechtingen übertragen. Mittlerweile befinden sich 58 Einfamilien- und Doppelhäuser sowie das Altenzentrum auf dem 42 000 Quadratmeter großen Areal.

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