Gerstetten / Ulrich Bischoff 32 Millionen Euro müsste Gerstetten für den flächendeckenden Ausbau bezahlen. Förderung würde es derzeit kaum geben.

Extrem ernüchternd“: Zu diesem Urteil kam Gerstettens Bürgermeister Roland Polaschek nach dem Vortrag zweier Fachleute vom Planungsbüro Geo-Data (Westhausen), die in der Sitzung des Gemeinderats zu prüfen hatten, welche Optionen auf der Gerstetter Alb für den Breitbandausbau mit Glasfaser bis in jedes Haus bestünden.

Ernüchternd deshalb, weil die Fachleute Manuel Hommel und Nathalie Hess Geldbeträge auftischten, die manchem Gemeinderat den Atem verschlug. In den meisten Gebieten, so die Feststellung der beiden Experten, würden Fördergelder nur noch dann bewilligt, wenn die verfügbaren Bandbreiten 30 Mbit/s unterschreiten.

Durch den schrittweisen Netzausbau von std.net in den Ortseilen, der Telekom in Gerstetten und das komfortable Glasfasernetz, das die Energiegenossenschaft Gussenstadt ihren Kunden bietet, können die meisten Haushalte mit über 30 Mbit/s, manche sogar bis zu 100 Mbit/s, im Internet surfen. Dennoch reiche die bislang durch die Netzbetreiber aufgebaute Versorgung nicht aus, zumal die Bundesregierung langfristig in Gigabit-Bereiche vorstoßen wolle. Dringend, so die Empfehlung von Geo-Data, müsse daher in ein flächendeckendes Glasfasernetz investiert werden, wenngleich für einen geförderten Ausbau nur noch Sontbergen, die Aussiedlerhöfe und der südliche Teil Dettingens infrage komme.

Allein der Ausbau dieser unterversorgten Gebiete würde Kosten von 14,67 Millionen Euro verursachen, dies bei einer Fördersumme von 5,55 Millionen Euro. Um die gesamte Gerstetter Alb mit Glasfaser zu erschließen, wären weitere 23 Millionen Euro fällig. 32,27 Mio Euro müsste die Gemeinde dann auf den Tisch legen, wollte sie jedem Haus Glasfaser bescheren.

Bürgermeister Roland Polaschek bemängelte die für seine Begriffe „viel zu niedrige Förderschwelle“. So ließen sich die hochgesteckten Ziele der Bundesrepublik - Glasfaser bis in jedes Haus - nicht verwirklichen. Die Aufgreifschwelle von 30 Mbit/s müsse unabhängig von Bandbreiten auf das Ausbauziel Glasfaser ausgerichtet werden. Momentan, so Polaschek, bleibe bei Tiefbauarbeiten nur das schrittweise Mitverlegen von Leerohren und das Hoffen auf eine Anpassung der Aufgreifschwelle.

Ein Problem für fast alle Landkreis-Kommunen

Gerstetten ist nicht die einzige Gemeinde, für die der Glasfaserausbau bis ans Gebäude derzeit in weite Ferne gerückt ist.

In jeder Gemeinde, ausgenommen Niederstotzingen, haben Anbieter mit der Vectoring-Technik ausgebaut. Die Geschwindigkeiten sind damit großflächig über die Förder-Aufgreifschwelle von 30 Mbit/s gestiegen.

Michael Setzen, Wirtschaftsförderer im Landratsamt Heidenheim, forderte deshalb schon im Frühjahr im Gespräch mit der HZ ebenfalls ein Anheben der Förderschwelle auf „mindestens 100 Mbit/s“.