Gerstetten/Herbrechtingen Schulbus fährt falsch – Kinder müssen laufen

Aufgrund eines Busfahrerfehlers waren die Schüler gestern 40 Minuten zu Fuß von Bolheim nach Herbrechtingen zu ihren Schulen unterwegs.
Aufgrund eines Busfahrerfehlers waren die Schüler gestern 40 Minuten zu Fuß von Bolheim nach Herbrechtingen zu ihren Schulen unterwegs. © Foto: nmann77/stock.adobe.com
Gerstetten/Herbrechtingen / Christine Weinschenk 04.05.2018
30 Schüler mussten am Freitag von Bolheim nach Herbrechtingen zu Fuß zur Schule gehen. Die HVG entschuldigt sich und räumt Fehler ein.

„Es ist wirklich ein Drama. Ich bin auf 180“, schimpft Kerstin Leest. Die Gerstetter Mutter ist sauer – und besorgt. Der Grund: Ihre zwölfjährige Tochter war Freitag Vormittag in Bolheim aus dem Bus der Linie 70 ausgestiegen und zu Fuß nach Herbrechtingen zur Schule gelaufen. Und sie war nicht allein.

Etwa 30 Schüler aus Gerstetten, Dettingen, Heldenfingen und Heuchlingen ging es genauso. Sie waren offenbar vom Busfahrer dazu aufgefordert worden, den Bus in Bolheim zu verlassen. Mehr als 40 Minuten war der Schüler-Tross dann nach Herbrechtingen unterwegs zur Bibrisschule, ins Buigen-Gymnasium und an die Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik.

22 Minuten Verspätung

Der Betriebsleiter der Heidenheimer Verkehrsgesellschaft (HVG), Ralf Kuschel, bestätigt den Vorfall. Als Begründung führt er menschliches Versagen an. Durch den Unfall in Gerstetten auf der Ulmer Straße sei der Weg des Busses von der Fahrdienstleistung umgeleitet worden. 22 Minuten hatte die Linie 70 deshalb Verspätung in Dettingen.

„Das klingt vielleicht lapidar, aber der Fahrer ist durch dadurch in Hektik geraten, hat den Dienstplan nicht richtig gelesen und ist in Anhausen nicht nach Herbrechtingen abgebogen, sondern direkt nach Bolheim gefahren.“

Laut Fritzi Leest, Tochter von Kerstin Leest, sei der Busfahrer sogar von einer Schülerin auf den Fehler angesprochen worden. „Er hat gesagt, dass wir in Bolheim aussteigen müssen, wenn wir nach Herbrechtingen wollen, weil er gleich nach Heidenheim zurück fährt.“

Laut Kuschel sei der Busfahrer zu diesem Zeitpunkt noch der Meinung gewesen, er sei richtig gefahren. „Er hat den Fehler erst in Heidenheim erkannt, als wir ihn angefunkt haben, weil sich Eltern beschwert hatten.“ Man habe sofort ein Gespräch mit dem Fahrer geführt. „So etwas darf nicht vorkommen und es tut uns sehr leid.“ Man sei froh, dass die Schüler wohlbehalten in Herbrechtingen angekommen sind.

Eltern sind verärgert

Wohlbehalten kamen die Schüler an, aber die Eltern sind sehr verärgert. Denn laut Kerstin Leest soll es nicht der erste Vorfall dieser Art gewesen sein. Und der letzte liege noch gar nicht lange zurück: Als die Straße zwischen Gerstetten und Heldenfingen am Montag vergangene Woche nach einem Unfall gesperrt war, habe der Bus Heldenfingen einfach nicht angefahren. „Dann waren wir Eltern in Zugzwang und mussten einspringen.“ Auch diesen Vorfall kann Kuschel bestätigen. Hier sei der Fahrer der Meinung gewesen, dass keine Fahrgäste mehr in Heldenfingen aussteigen wollten – ebenfalls ein Fehler.

„Es ist nicht gewährleistet, dass die Kinder sicher von A nach B kommen“, resümiert Kerstin Leest. „Und wenn man sich beschwert, heißt es immer, es sei ein neuer Busfahrer gewesen.“ Inzwischen hat ein Gespräch zwischen Kerstin Leest und dem Betriebsleiter der HVG stattgefunden.

„Ich habe ihm gesagt, dass die Dienstleistung im Moment mangelhaft ist“, berichtet Leest. „Wir schauen jetzt, wie es weitergeht.“ Kuschel will die Vorfälle zusammen mit den Fahrern und der Leitstelle aufarbeiten. „Wir versuchen unseren Auftrag auf allen Linien zu erfüllen, aber man kann nicht ausschließen, dass Menschen Fehler machen.“