Akw Schnellabschaltung: Block C nach Zwischenfall vom Netz

So sehen sie aus, wenn sie ihren Dienst getan haben: die Brennstäbe im Atomkraftwerk Gundremmingen. Am Mittwoch musste die nukleare Kettenreaktion in Block B schnellagbeschaltet werden. Ein bislang ungeklärter Defekt führte zum automatischen Stopp der Anlage. Die Ursachenforschung dauert an.
So sehen sie aus, wenn sie ihren Dienst getan haben: die Brennstäbe im Atomkraftwerk Gundremmingen. Am Mittwoch musste die nukleare Kettenreaktion in Block B schnellagbeschaltet werden. Ein bislang ungeklärter Defekt führte zum automatischen Stopp der Anlage. Die Ursachenforschung dauert an. © Foto: kkw
Gundremmingen / Catrin Weykopf 25.03.2015
Block C des Atomkraftwerks Gundremmingen ist am Mittwochvormittag nach einer Reaktorschnellabschaltung vom Netz gegangen. Die Ursache wird noch gesucht. Sicher ist aber: Der Zwischenfall steht in Zusammenhang mit der Revision im Nachbarblock. Und die ausgefallene Anlage soll bald wieder ans Netz.
Eine Schnellabschaltung geht in Sekunden vor sich: So genannte Steuerstäbe fahren in den Reakor ein – die nukleare Ketteneaktion stoppt. Diese "Notbremse", sie wurde am Mittwochvormittag im Kraftwerk Gundremmingen ausgelöst.

Die Ursache werde nach Angaben von Kraftwerkssprecher Tobias Schmidt noch gesucht. Klar ist bereits, dass es zu einem Abriss der Versorgung des Reaktors mit Druckluft kam. Dies wiederum stehe in Zusammenhang mit den Arbeiten, die derzeit am Nachbarblock B stattfinden. Dieser befindet sich seit vergangenem Samstag in einer geplanten Revision.

Die Druckluftversorgung der Reaktoren in Gundremmingen ist Teil der Sicherheitstechnik. Reißt die Luftversorgung ab, sei dies das Signal für die Anlage, sich automatisch abzuschalten, so Schmidt. Warum die Arbeiten an Block B dazu führten, dass Block C nicht mehr mit Druckluft versorgt wurde, sei bislang unklar. Beide Reaktoren verfügen über getrennt voneinander arbeitende Systeme. „Den Zusammenhang werden wir untersuchen“, so Schmidt.

Beide Blöcke liefern keinen Strom

Mit der Schnellabschaltung des Blocks war das AKW am Mittwoch vollständig vom Netz getrennt. Dass beide Blöcke keinen Strom liefern, war zuletzt 2009 der Fall, so Schmidt. Nach dem aktuellen Zwischenfall soll Block C jedoch so bald wie möglich wieder Strom liefern. Nachdem alle Tests abgeschlossen seien, sollte die Anlage am Mittwochabend, spätestens im Lauf des Donnerstags wieder ans Netz, so Schmidt.

Bei der Schnellabschaltung am Mittwoch handelte es sich nicht um die erste im AKW. Neben regelmäßigen Tests, bei denen der reibungslose Ablauf des Szenarios geprobt wird, sei es in der Vergangenheit auch schon mehrfach zu ungeplanten Abschaltungen gekommen, so Schmidt. An der heutigen Abschaltung sei nichts Dramatisches gewesen. „Das Überraschende an ihr war allerdings, dass sie ungeplant war“, so der Sprecher.

Nach derzeitigem Erkenntnisstand sei das Ereignis nach dem deutschen Meldesystem der Kategorie N (normal) zuzuordnen bzw. nach der internationalen Bewertungsskala INES eine Meldung der niedrigsten Stufe 0 (keine oder geringe sicherheitstechnische Bedeutung). Die zuständige Meldebehörde sei informiert worden, so Schmidt. Eine Gefährdung des Personals, der Anlage oder der Umgebung sei mit dem Ereignis nicht verbunden gewesen.

Heftige Kritik vom "Forum gegend as Zwischenlager"

Heftige Kritik am Kraftwerksbetreiber kommt unterdessen von Raimund Kamm, dem Vorsitzenden des Forums "Gemeinsam gegen das Zwischenlager".   „Die beiden letzten Siedewasserreaktoren Deutschlands sind alt und anfällig“, reagierte er in einer Mitteilung auf das Ereignis.

Nirgendwo sonst in Deutschland seien noch die gefährlichen alten Siedewasserreaktoren in Betrieb, erklärte Kamm. Und nirgendwo sonst in Deutschland würden noch zwei Reaktoren an einem Standort betrieben. „Zwei Lehren von Fukushima, wo auch Siedewasserreaktoren betrieben wurden, sind: Unfälle in einem Reaktor können auch benachbarte Reaktoren in Mitleidenschaft ziehen. Und Siedewasserreaktoren, die nur einen Hauptkreislauf haben und deren Abklingbecken nicht durch den Sicherheitsbehälter geschützt werden, sind besonders riskant.“

Dieser Zwischenfall im Atomkraftwerk Gundremmingen widerlege auch eine peinliche Studie „Stromdatenerhebung“, mit der jüngst vier schwäbische IHK den Eindruck erwecken hätten wollen, Gundremmingen garantiere im Gegensatz zu den erneuerbaren Energien Versorgungssicherheit. Kamm: „Wir Gesundheits- und Umweltschützer fordern: das AKW Gundremmingen abgeschaltet lassen.“ 

Anmerkung der Redaktion: Die Entwicklungen am Folgetag lesen Sie hier.



 
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