Zang / CHRISTINA BAUMGARTNER  Uhr
Die nördlichen Regionen Alaskas, Kanadas oder Grönlands sind ihre eigentliche Heimat, doch offensichtlich scheinen sich Schnee-Eulen auch auf der rauen Ostalb recht wohl zu fühlen. Bei Jörg Kniele leben neben zwei ausgewachsenen Exemplaren seit Ende Juni auch zwei Jungtiere der anmutigen Greifvögel.

Eines ist ganz klar: Haustiere sind die schönen Greifvögel keinesfalls. „Schnee-Eulen sind und bleiben Wildtiere“, sagt Jörg Kniele, der sich mit den beiden Eulen Paul und Lisa vor fünf Jahren einen langgehegten Traum erfüllte. Ende Juni gab es nun zum ersten Mal Eulen-Nachwuchs in Zang. Drei Jungtiere schlüpften im Abstand von fünf Tagen Ende Juni aus den Eiern, überlebt haben letztendlich nur zwei der kleinen Eulen. So hat Jörg Kniele nun vier Eulen, die gewaltigen Hunger haben: 22 Eintagsküken verfüttert er derzeit täglich, die Eulen haben inzwischen eine eigene Tiefkühltruhe, in der ihre Nahrung tiefgefroren lagert.

Gefüttert wird immer abends in der Dämmerung, ausschließlich Küken, um das Einschleppen von Krankheiten zu verhindern. Verirrt sich aber ein Spatz ins Gehege der Greifvögel, wird auch dieser nicht verschmäht: „Dann bleiben nur noch einzelne Federn übrig“, so Kniele. Die Faszination für die schönen Eulen hat ihn bereits in der Kindheit ergriffen, vor fünf Jahren holte er die Tiere von einem Eulenhof in der Nähe von Neumarkt in der Oberpfalz nach Zang.

Dabei hätten die beiden Vögel beinahe eine deutlich längere Reise angetreten: „Paul und Lisa waren eigentlich für einen Scheich in Dubai vorgesehen“, erzählt Kniele, letztendlich führte die Einsicht des Eulenhof-Betreibers die Tiere dann zu Jörg Kniele. Denn: „Im Wüstenklima werden Schnee-Eulen auch in klimatisierten Räumen selten älter als fünf bis sechs Jahre“, so Kniele. In Gefangenschaft können die Vögel bis zu 30 Jahre alt werden, in freier Wildbahn erreichen sie ein Alter von zwölf bis fünfzehn Jahren.

Seit fünf Jahren leben die Knieles nun mit den Eulen. Von der Intelligenz und dem äußerst feinen Gehör der Eulen ist inzwischen die ganze Familie begeistert. So reagieren die Vögel laut Jörg Kniele auf ihre Namen, wenn diese bei geschlossenen Fenstern im rund 50 Meter entfernten Wohnhaus genannt werden. Auch das alljährliche Silvesterfeuerwerk löst bei den Vögeln Begeisterung aus und wird interessiert begutachtet. Spielen die Kinder im Garten Ball, sitzen die Eulen aufgereiht am Rand des Geheges und verfolgen das Spiel. „Eulen-Fernsehen“ ist aber nicht nur auf Seiten der Tiere angesagt – auch die Knieles sitzen im Sommer oft stundenlang vor dem Gehege und schauen den Eulen bei ihrem Treiben zu.

Bei dem Eulenpaar ist dann auch deutlich zu erkennen, warum die Schnee-Eule Hedwig in der Harry Potter-Verfilmung entgegen ihrem Namen kein weibliches, sondern ein männliches Tier ist. Der Eulenmann hebt sich nämlich nicht nur durch seine geringere Größe sondern auch durch sein strahlend weißes Gefieder von der weiblichen Eule ab. Deren Federkleid ist auch im Erwachsenenalter noch von etlichen dunklen Federn durchzogen. Das Geschlecht der Jungtiere ist derzeit noch unbekannt: Ist die anstehende Mauser, so wird der „Fellwechsel“ bei den Vögeln genannt, beendet, zeigt sich dann an der Anzahl der Linien auf den Schwanzfedern der Tiere, ob es sich um ein weibliches oder um ein männliches Tier handelt.

Der heiße Sommer in diesem Jahr behagt den Eulen nicht so recht, weiß Kniele: „Die Eulen lieben den Schnee ebenso wie stürmisches und regnerisches Wetter“. Deshalb will er in Kürze einen Bachlauf als Bademöglichkeit in das Gehege der Vögel integrieren. Derzeit ist das Betreten des Eulengeheges für Freunde und Klassenkameraden der Kinder im Knielschen Garten noch strikt verboten, denn Paul verteidigt seine Eulenfamilie notfalls auch mit spitzem Schnabel und messerscharfen Krallen. Auch während der Balz der Vögel im April hat Jörg Kniele das Gehege der Eulen zum Füttern möglichst nicht betreten, um Störungen zur Paarungszeit möglichst zu vermeiden.

Wie bei anderen Vögeln ist auch bei den weißen Eulen üblich, dass sich das männliche Tier um den Nestbau kümmert. Gar nicht einfach, wenn die Henne äußerst anspruchsvoll ist und erst die vierte gegrabene Erdkuhle als angemessene Nistmöglichkeit akzeptiert, wie Kniele erzählt. Nach dreißig Tagen sind dann die Jungtiere geschlüpft. Die sind inzwischen nahezu so groß wie die Eltern und verbringen den Sommer bis in den September hinein noch in Zang. Dann verlassen die beiden Jungtiere den Knielschen Garten, denn bleiben können sie dort nicht: „Spätestens bei der Geschlechtsreife bräuchten die beiden ein eigenes Gehege“, so Jörg Kniele. Wohin die Reise die Jungvögel führen wird, ist noch nicht sicher, eventuell in eine Falknerei oder auch zu privaten Haltern.

Info Die Schnee-Eule gilt mit einem geschätzten Bestand von rund 300 000 Exemplaren in freier Wildbahn als nicht gefährdet. Mit einer Flügelspannweite von 145 bis 155 Zentimetern und einem Gewicht von 1,5 bis 2,5 Kilo erreicht sie annähernd die Größe eines Uhus. Der Handel ist nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen (Anhang Cites II) geregelt, die Haltung unterliegt strengen Vorschriften und Kontrollen.