Bissingen Straßenwärterhaus: Eines der letzten seiner Art

Bissingen / Günter Trittner 01.08.2018
Im idyllischen Lonetal findet sich ein schmuckes Gebäude, das bis 1965 Unterkunft und Geräteschuppen für den Straßenwärter war.

Wie alt das Gebäude ist? Diese Frage kann Herbert Leutner nicht beantworten. Eins weiß der Dienststellenleiter der Straßenmeisterei aber sicher. „Es ist vor 1965 gebaut worden.“ Denn 1965 ist das Jahr einer Zäsur im Straßenbauwesen. Waren bis dato im Landkreis die Kreisstraßen abschnittsweise von Straßenwärtern in Schuss gehalten worden, wurden diese Mitarbeiter nun in Betriebshöfen zentriert und mit Fahrzeugen an ihre Einsatzstellen gebracht.

Das kleine Häuschen im Lonetal mit der markanten Birke an seiner Seite ist einer der letzten Zeugen dieser Zeit und es ist ein ganz besonderer noch dazu. Es ist ein Fachwerkgebäude. „Vergleichbares findet sich im Landkreis nur noch zwischen Groß- und Kleinkuchen, weiß Leutner. Standard für die Straßenwärter sei ein Holzschuppen gewesen.

Im Schutz der Buchenhecke

Wer auf der Kreisstraße aus Richtung Lontal kommt und beim Abzweig hoch nach Reuendorf die scharfe Linkskurve fährt, könnte das kleine Gebäude sogar übersehen. Eine übermannshohe Buchenecke schützt es vor neugierigen Blicken. Gesetzt wurde diese aber als Wetterschutz. Das Moos an den Dachziegeln verrät: Hier ist die Wetterseite

Nur drei auf vier Meter misst der Grundriss, des auf einem Betonfundament errichteten Hauses.

Es gibt nur ein Erdgeschoss. Unter dem Satteldach könnte früher ein Lager gewesen sein. Für die extra breite Tür weiß Leutner die Erklärung. So passte der zweirädrige Schubkarren durch, mit das wichtigste Handwerkszeug des Straßenwärters. Sieben Kilometer Straße waren sein Revier. Diese galt es sauber und in Schuss zu halten. Was viel Arbeit bedeuten konnte.

Sechs Tonnen und nicht mehr

Denn vor 1965 war noch die Zeit der Schotterstraßen. 4,5 Meter dürfte die damals im Lonetal breit gewesen sein, vermutet Leutner. Heute ist sie auf fünf Meter aufgeweitet. Durchaus ausreichend für die wenigen Fahrzeuge, die zwischen Lontal und dem Archäopark unterwegs sind, findet der Dienststellenleiter. Maximal darf heute ein Fahrzeug hier sechs Tonnen wiegen.

Damals hatte der Straßenwärter alle 100 bis 200 Meter ein Schotterdepot, um Löcher in der Straße auszufüllen und Unebenheiten ausgleichen zu können. Der Straßenwärter war auch für das Mähen der Straßenränder zuständig und musste schauen, dass keine Äste in den Straßenraum wuchsen. Bei der Lontalstraße kein unerheblicher Aufwand, denn die Straße führt immer am Waldrand entlang. „Nur hier hatte man einigermaßen festen Boden für den Straßenbau“, weiß Leutner.

Gebäude gut im Schuss

Die eine Hälfte des Häuschens für die Gerätschaften, die andere für den Straßenwärter. Ein Tisch, zwei Stühle und ein Ofen für die kalte Jahreszeit. So rustikal war die Einrichtung. In den letzten Jahren hat die Straßenmeisterei nachgebessert. Vor dem Ofen wurde der Boden gefliest, eine Holzdecke eingezogen und an den Wänden ein Strukturputz aufgetragen. „Wir halten das Gebäude in Schuss“, sagt Leitner.

Auch wenn die Momente, bei denen es tatsächlich noch benötigt wird, selten geworden sind, möchte es die Straßenmeisterei noch viele Jahre erhalten. Gepflegt wird auch die Außenanlage und die Buchenhecke mit ihrem armdicken Stämmen, welche perfekt geschnitten ist. An der wetterabgewandten Seite des Gebäudes wurde das Dach eigens tiefer gezogen. Damit dort das Holz für den Ofen trocken gelagert werden konnte, vermutet Leutner.

Rechtlich gilt die Unterkunft als Nebenanlage der Straße. Deswegen darf es auch so knapp am Straßenrand stehen. Der Vorplatz langt exakt für ein Fahrzeug. „Auch daran erkennt man die gute Planung.“

60 Prozent der Kreisstraßen in gutem Zustand

34 Kreisstraßen gibt es im Landkreis Heidenheim. Zusammen sind sie 134 Kilometer lang. Durch das zunehmende Alter der Straßen häufen sich auch die Schäden. Bereits im Jahr 2005 wurde die erste systematische Zustandserfassung vorgenommen und in dessen Folge ein mittelfristiges Sanierungsprogramm beschlossen. Damals hatte man sich bei der Ermittlung der Schäden auf den Augenschein verlassen.

Im Jahr 2009 folgte eine erste maschinelle Untersuchung der Kreisstraßen. Unebenheiten, Spurrinnen, Netzrisse, Flickstellen und Griffigkeit wurden elektronisch gemessen. Im vergangenen Jahr wurde diese maschinelle Untersuchung wiederholt, um das Sanierungsprogramm fortschreiben zu können.

31 Prozent des Netzes von Kreisstraßen sind nach dieser Erhebungen in einem sehr guten Zustand. Zudem werden 29 Prozent als gut eingestuft, 21 Prozent gelten als schlecht und 19 Prozent sogar als sehr schlecht.

Bei der Straßensanierung geht man im Landratsamt von Durchschnittskosten von 250 000 Euro je Kilometer aus.

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