Firma Schlaadt: Aus für 22 Mitarbeiter

Königsbronn / Gerhard Stock 04.02.2014
Während hinter den Kulissen weiter zuversichtlich um den Fortbestand der insolventen Hüttenwerke gerungen wird, steht das Aus eines anderen Königsbronner Betriebes jetzt fest: Die Firma Schlaadt-KVG macht ihren Produktionsstandort an der Paul-Reusch-Straße zum Ende des Quartals dicht – „nach neun schweren Jahren“.

Von der Schließung des Betriebes, der sich mit der Herstellung von Styropor-Formteilen befasst, sind 22, auch langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen. Für die Beschäftigten habe man, so beteuert Geschäftsführer Stefan Schlaadt in einer Pressemitteilung, eine sozialverträgliche Regelung gefunden, gar über das gesetzliche Maß hinaus. Was bedeutet, dass Abfindungen gezahlt werden. Firmengelände und betriebliche Anlagen sollen veräußert werden werden.

Vor exakt zehn Jahren, im Februar 2004, hatte die Unternehmensgruppe Schlaadt mit Sitz in Lorch am Rhein den Geschäftsbetrieb der insolventen Königsbronner Verpackungsgesellschaft (KVG) übernommen und mit großem Eifer einen Neuanfang gewagt. Über drei Millionen Euro investierte Schlaadt in den zwei folgenden Jahren, um die betrieblichen Anlagen zu modernisieren – mit Erfolg. 2008, so Geschäftsführer Stefan Schlaadt, sei es nämlich gelungen, erstmalig wieder Gewinne zu machen, „die Sanierung schien geglückt“. Ende 2008 aber sei Schlaadt-KVG Opfer eines Rückschlages geworden. Im Zuge der weltweiten Finanzkrise habe das Unternehmen 20 Prozent seiner Umsätze verloren, was schwer zu schaffen machte.

2010 kam wieder Leben ins Geschäft

Doch der kleine Betrieb am östlichen Ortsrand von Königsbronn ließ sich nicht unterkriegen und zu Beginn des Jahres 2010 kam wieder Leben in das Geschäft, schildert rückblickend der Geschäftsführer weiter. Allerdings: Rohstoff- und Energiepreise seien in den drei Folgejahren um 62 Prozent geklettert. Und: Der Wegfall eines Hauptkunden Anfang des vergangenen Jahres und hauptsächlich der hohe Anteil von Kleinkunden – „mehr als 100 mit 250 Artikeln bei geringen Umsätzen“ – hätten dann 2013 nochmals zu einer weiteren Verschlechterung der geschäftlichen Situation geführt.

Vor diesem Hintergrund, so der Geschäftsführer, sei dann in einem nach wie vor schwierigen Marktumfeld letztlich auch der Versuch gescheitert, gemeinsam mit einer Unternehmensberatung ein belastbares Zukunftskonzept auf die Beine zu stellen. Und so habe sich nun die Unternehmensgruppe Schlaadt nach neun schweren Jahren in Königsbronn dazu entschlossen, den Standort hier zum Ende des Monats März zu schließen. Vorbei dann also die Zeiten, zu denen noch 50 Prozent der bei Bosch-Siemens verwendeten Styropor-Verpackungen aus dem Schlaadt-Werk Königsbronn kamen und pro Tag zwischen sechs und zehn Lkw über die Paul-Reusch-Straße zu- und abfuhren.

300 Mitarbeiter an fünf weiteren Standorten

Zwar war die logistische Anbindung des Betriebes aus Sicht des Geschäftsführers nicht optimal, doch habe die Situation vor Ort nichts mit der jetzt beschlossenen Schließung zu tun, die rein wirtschaftlich begründet sei. Rund 300 Mitarbeiter beschäftigt die Unternehmensgruppe Schlaadt noch an fünf weiteren Standorten in Deutschland.

Dass sich Schlaadt rühmen konnte, mit den (insgesamt 4500 verschiedenen) Styropor-Verpackungen auf dem Weltmarkt in eine Spitzenposition einzunehmen, hat das Unternehmen auch der professionellen Mannschaft in Königsbronn zu verdanken. Und, wie noch Mitte 2010 anlässlich eines Besuches des Landtagsabgeordneten Bernd Hitzler betont wurde, auch dem „zuvorkommenden Verhältnis der Gemeinde zu den Unternehmen am Ort“.

Nun wird das alles bald Vergangenheit sein und bei den Mitarbeitern sind Frust und Traurigkeit natürlich groß. Im Zweischichtbetrieb wird derzeit noch voll produziert, manche haben schon eine neue Stelle, manche nicht, die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt sind nicht rosig.

Derweil macht man sich in den Reihen des Gemeinderates bereits Gedanken über eine neue Nutzung des Areals. Nach dem Rückzug von Schlaadt sieht die CDU-Fraktion das Gewerbegebiet in der Paul-Reusch-Straße vor grundlegender Veränderung und forderte die Verwaltung auf, zu prüfen, ob am östlichen Ende „eine Wohnbebauung machbar ist“. Das ist auch im Sinne der SPD-Fraktion. Sollte Wohnbebauung möglich sein, würden ihrer Ansicht nach auch die Bewohner der Brenzquell-, Herwart-, Brenz- und Paul-Reusch-Straße profitieren. „Der Schwerlastverkehr würde deutlich zurückgehen und auch die Ortsmitte mit Rathaus, Hammerschmiede und Brenzursprung würde entlastet“, ist Fraktionschef Wolfgang Lutz überzeugt.

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