Heidenheim/Aalen Die Elektrifizierung der Brenzbahn erregt die Gemüter

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Heidenheim/Aalen / Klaus-Dieter Kirschner 24.05.2018
Der Regionalverband verlangt Höchste Priorität bei der Elektrifizierung der Brenzbahn.

Keine Sitzung im Regionalverband Ostwürttemberg, bei der nicht der Schienenverkehr die Gemüter erregt. Das Parlament des Ostalbkreises habe den Schulterschluss mit dem Landkreis Heidenheim praktiziert und in einer Resolution eine höhere Priorität für die (durchgehende) Elektrifizierung der Brenzbahn gefordert, so Aalens Landrat Klaus Pavel am Mittwoch.

Etwas ratlos wirkte Heidenheims Oberbürgermeister Bernhard Ilg, der nicht sagen konnte, wann im Kreistag ein ähnlicher Beschluss gefasst werden könne: „Bei der Sitzung am Montag war das kein Thema.“

Bahnsteighöhe sorgt für Kopfschütteln

Viel Kopfschütteln war im Planungsausschuss des Regionalverbands zu erleben, als Klaus Pavel auf die Bahnsteighöhen zu sprechen kam. Für Bummelzüge sind es 38, für Regionalzüge 55 und für den Fernverkehr (mit ICE und anderen schnellen Zügen) 76 Zentimeter. Für die Weststadt Aalen habe man einen Haltepunkt zugesagt bekommen. Die Bahn habe 76 Zentimeter Bahnsteighöhe gefordert, obwohl dort weder ICE, noch andere Fernbahnen halten.

Höhere Bahnsteige kosten mehr

Laut Pavel kosten diese Bahnsteige im Vergleich zu den 55ern doppelt so viel. Geeinigt hat man sich schließlich auf folgendes: Die beiden Bahnsteige werden nicht 150 sondern 270 Meter lang und 55 Zentimeter hoch. Und das sei insofern gut, weil sämtliche Bahnhöfe zwischen Aalen und Stuttgart mit 55 Zentimeter Bahnsteighöhe gewissermaßen barrierefrei seien, betonte Klaus Pavel.

Alt-Bürgermeister Herbert Witzany (Westhausen) freute sich: „Da hat doch wirklich mal der Verstand gesiegt. Eine Planung dieser Art seitens der Bahn lässt ja wirklich Schlimmstes befürchten.“ Die Verdoppelung der Baukosten und den Umstand, dass es verschiedene Bahnsteighöhen in der Republik gibt, gab Karl Maier (SPD) Anlass zu spöttischen Bemerkungen.

Einig waren sich in der nachfolgenden Sitzung des Regionalverbandes alle, dass die Elektrifizierung der Brenzbahn in die höchste Priorität gehört. Karl Maier goss bei dem Thema Wasser in den Wein: „Die Brenzbahn mit teils zweigleisigem Ausbau und die Elektrifizierung sind nicht im bis 2030 geltenden Bundeswegeplan verzeichnet: Da werden wir wohl noch lange warten müssen.“ „Das hoffe ich doch nicht“, entgegnete Verbandspräsident Gerhard Kieninger. Die Versammlung beschloss einmütig den Wunsch der höchsten Priorität.

Bei der Sitzung wurde übrigens der Einsatz von Hybridfahrzeugen (Schienenfahrzeuge mit alternativem Antrieb) für nicht besonders sinnvoll erachtet. Sie seien im Anfahren zu langsam und zudem im Bremsverhalten weniger effektiv als bisher gebräuchliche Traktionsmittel.

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