Hermaringen Schäfer: ein Beruf für Idealisten?

Ernst Zeiner ist bereits seit 60 Jahren als Schäfer tätig. Im Alter von 77 Jahren ist er noch immer jeden Tag auf der Weide rund um Hermaringen – mit rund 400 Tieren.
Ernst Zeiner ist bereits seit 60 Jahren als Schäfer tätig. Im Alter von 77 Jahren ist er noch immer jeden Tag auf der Weide rund um Hermaringen – mit rund 400 Tieren. © Foto: Sabrina Balzer
Hermaringen / Laura Strahl 12.05.2018
Für die Hüteschäfer im Kreis Heidenheim hat die Weidesaison begonnen: Auf den Heiden rund um Hermaringen ist auch Familie Stricker wieder mit ihren 400 Tieren unterwegs.

Einst hat es in Hermaringen vier Schäfereien gegeben. Geblieben ist davon heute nur noch eine einzige: die der Strickers. Mit rund 400 Schafen zählt der Familienbetrieb mit seinen bei Allewind gelegenen Hallen zu den kleinsten Schäfereien im Landkreis Heidenheim. Arbeit haben die Eheleute Andrea und Stefan Stricker trotzdem genug. Mehr als genug sogar. Denn: Die beiden Bergenweiler arbeiten nicht nur in der Schäferei. Sie sind zusätzlich noch berufstätig. Er beim Landesbetrieb Gewässer, sie im Schichtdienst bei der BSH in Giengen.

Funktionieren kann die Schäferei unter diesen doch eher besonderen Voraussetzungen nur deswegen, weil sich Andrea Strickers Vater Ernst Zeiner tagsüber um die 400 Schafe kümmert. Und das mit viel Leidenschaft: Der 77-jährige Hermaringer hat den Familienbetrieb einst gegründet, ist inzwischen seit 60 Jahren mit Herz und Seele Schäfer. „Mit 18 habe ich angefangen“, sagt Zeiner, auf die Heide geht er bis heute noch immer gern.

Viel Geld investiert

Auch jetzt, zu Beginn der Weidesaison, ist der 77-Jährige wieder tagtäglich im Einsatz. Nach Dienstschluss stecken Andrea und Stefan Stricker dann ebenfalls jede freie Minute in die Familienschäferei – zudem ihr Gehalt. „Was wir verdienen, fließt eins zu eins in den Betrieb“, sagt Stefan Stricker. Auch beim Bau der beiden Hallen 2007 und 2013 sei das der Fall gewesen. „Man muss Idealist sein“, sagt der 42-Jährige, und weiß: Die anderen hauptberuflichen Schäfereien im Landkreis Heidenheim haben es mitunter noch schwerer. Ihnen fehlt die finanzielle Sicherheit, derer sich die Strickers durch ihre „normalen“ Berufe gewiss sein können.

Mit einem Vorurteil räumt der 42-Jährige jedenfalls sehr schnell auf: Dass Schäfer den ganzen lieben Tag lang nicht arg viel mehr tun, als sich entspannt auf ihren Stock zu lehnen und ihren Schafen beim Fressen zuzusehen. Da ist der Hütehund, der angewiesen werden muss. Hinzu kommt die Überlegung, wann wo geweidet werden kann bzw. muss, der Gedanke an Hitze, Schnee, Regen, Futter, Pferchflächen und die Schur. „Man hat viel Arbeit für wenig Geld“, fasst Stefan Stricker zusammen. Und: Man muss gut kalkulieren können, Fördergeld gibt es nur einmal zum Jahresende.

„Wir stehen immer voll unter Strom“, bestätigt auch Andrea Stricker. „Ich kenne keinen Sonntag, an dem ich nichts tue.“ Darüber beklagen will sich die 43-Jährige allerdings nicht. Die vor 17 Jahren getroffene Entscheidung, die Schäferei des Vaters zu übernehmen, war vor eine gut überlegte.

Wie sieht die Zukunft aus?

Und auch der 17-jährige Sohn des Ehepaars hat in seiner Freizeit Gefallen an der Schäferei gefunden, hilft mit, wenn er kann. Ob er beruflich in die Schäferei einsteigen wird? Ungewiss. Zunächst einmal, sagt Stefan Stricker, solle sein Sohn eine Ausbildung machen, sich ein zweites berufliches Standbein aufbauen. Und wie sieht der 42-Jährige seine eigene Zukunft als Schäfer? „Solange ich gesundheitlich kann, werde ich sicher nicht aufhören“, sagt er. „Man hängt an den Schafen.“

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