Porträt Sarah-Lorraine Riek: Erst Model, dann Anwältin für Menschenrechte?

Die Srygensteinerin Sarah-Lorraine Riek trat bei mehreren Schönheitswettbewerben an, will nun aber Anwältin werden.
Die Srygensteinerin Sarah-Lorraine Riek trat bei mehreren Schönheitswettbewerben an, will nun aber Anwältin werden. © Foto: Foto: Tetty.net
Syrgenstein / Stefanie Kirsamer 11.04.2016
Als Model hat sich die Syrgensteinerin Sarah-Lorraine Riek bereits einen Namen gemacht. Nun will sich die 23-Jährige als Anwältin für Menschenrechte einsetzen.

Momentan lebt Sarah-Lorraine Riek in Barcelona. Modeljobs hat die Syrgensteinerin aber auf der ganzen Welt. Vor kurzem war die 23-Jährige für Aufnahmen in den Staaten, danach ging es weiter nach Köln für einen Werbespot und anschließend flog sie nach Istanbul für ein Fotoshooting. Vor allem außerhalb Deutschlands wird das Model oft gebucht. Deshalb ist Riek viel unterwegs.

Doch der hübschen Brünetten war ihre Ausbildung immer wichtig. Trotz Model-Business studiert sie seit 2012 Wirtschaft mit Schwerpunkt auf Recht. Ab Herbst wird sie in London ihren Master für internationales Recht beginnen und sich auf Menschenrechte spezialisieren. „Ich möchte mich für andere einsetzen, helfen, wo Menschen in ihren Ländern Unterdrückung und soziale Ungleichheit erfahren“, sagt sie. Lange hat die gebürtige Heidenheimerin auf dieses Ziel hingearbeitet. Sie engagierte sich bereits für humanitäre Projekte unter anderem arbeitete sie für einen renommierten Londoner Anwalt, dessen Frau sie auf einer Charity-Gala kennengelernt hatte.

Als Kind in Südkorea und Schweden

Als Kind lebte Sarah-Lorraine Riek mit ihrer Familie in vielen verschiedenen Ländern unter anderem in Südkorea, Malaysia, den USA und Schweden. Daher auch ihr großes Interesse an anderen Kulturen. Aber auch ihre Schulzeit trug zu ihrem heutigen Berufswunsch bei, ein Erlebnis blieb dem jungen Model dabei besonders in Erinnerung. 2010, da war die heute 23-Jährige in der 11. Klasse im Schiller-Gymnasium in Heidenheim, begann sie sich zum ersten Mal ernsthaft für Menschenrechte zu interessieren.

Damals reiste Sarah-Lorraine Riek im Frühling mit dem Chor des SG nach Armenien. In Jerewan, der Hauptstadt des Landes, schauten sich die Schüler auch das Denkmal Zizernakaberd an. „Es war eine große offene Halle mit vielen Blumen um ein brennendes Feuer – total beeindruckend“, erzählt sie. Das Denkmal soll an den Völkermord an den Armeniern Anfang des 20. Jahrhunderts erinnern.

Während des ersten Weltkriegs wurden durch die türkische Regierung des damaligen Osmanischen Reichs Tausende Armenier systematisch umgebracht. Die türkischen Geschichtsbücher bestreiten bis heute, dass es diesen Völkermord je gegeben habe. Die Armenier fordern dagegen endlich einen Gedenktag – auch in der Türkei.

Bis heute belastet der Streit um die Anerkennung des Völkermords die Beziehungen beider Länder. Schon seit über 100 Jahren ist dieser Konflikt ungelöst. „Es hat mich fasziniert, wie gefasst die Armenier mit diesem Teil ihrer Geschichte umgehen“, sagt Sarah. Und es sei unfassbar berührend, wie die Armenier, die sie kennen lernen durfte, davon berichten. Da Riek auch häufig wegen Modeljobs in der Türkei ist, kennt sie beide Seiten. Mittlerweile spricht sie auch türkisch und hat dort viele Freunde – vor allem in Istanbul. Die 23-Jährige weiß, wie verfahren die Situation ist. Doch genau deshalb fühlt sie sich verantwortlich und will etwas tun. „Ich möchte helfen Konflikte zwischen Ländern und Völkergruppen zu lösen“, sagt Riek. Als Anwältin für Menschenrechte sah sie die größte Chance, das zu tun. „Ich hatte schon immer einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.“

Die Oma ist ihr größter Fan

Ihre Modelkarriere muss dann wohl ein wenig zurückstecken. Ob das wohl ihrer Oma in Syrgenstein gefallen wird? Die ist nämlich Sarahs größter Fan. Jedes Zeitungsbild von ihrer Enkelin hat die 76-Jährige ausgeschnitten, eingerahmt und an die Wand im Wohnzimmer gehängt. „Mir ist das schon fast unangenehm, aber ich freue mich auch total, dass ich so eine Unterstützung erfahre“, sagt Sarah. Und besonders stolz war ihre Oma sicherlich, als Sarah Deutschland vergangenen Dezember, in Las Vegas beim Schönheitswettbewerb zur Wahl der Miss Universe vertrat.

Dort musste Riek allerdings auch die Tücken und Schattenseiten der Branche kennen lernen. Denn ein Interview der Syrgensteinerin machte Schlagzeilen. Sie hatte einem Lateinamerikanischen TV-Sender gesagt, wie Leid ihr die Sache für die Kolumbianerin täte. Denn am Abend der Entscheidung wurde zuerst fälschlicherweise die Kandidatin aus Kolumbien zur Siegerin gekürt, bevor die Krone an die Anwärterin von den Philippinen gegeben wurde.

Im Heimatland der Siegerin wurde Sarahs Interview als Angriff gegenüber der nun amtierenden Miss Universe verstanden. Dazu kam, dass viele Kandidatinnen, nachdem die Live-Übertragung zu Ende war, zunächst zu Miss Kolumbien liefen und sich Videos von den Geschehnissen im Internet verbreiteten. „Der Skandal war perfekt“, berichtet Sarah-Lorraine und kann inzwischen schon darüber schmunzeln.

Einige Kandidatinnen wurden darauf mit Hasskommentaren auf allen sozialen Kanälen überhäuft. Auf ihrem Instagram-Account antwortete das Model schließlich auf viele Aussagen. „Ich wollte ihnen zeigen, dass ich auch ein Mensch bin, so wie sie“, erklärt sie. Die meisten Kommentatoren waren danach wie ausgewechselt und total erstaunt, dass sie von eine Schönheitskönigin überhaupt eine Nachricht bekommen und viele entschuldigten sich danach bei ihr.

Große Verantwortung als Miss Universe

Erst dadurch wurde Sarah-Lorraine Riek bewusst, was für einen hohen Stellenwert die Wahl zur Miss Universe in anderen Ländern tatsächlich hat und wie die Fans dort reagieren. „Die ganze Sache tat mir für meine Familie sehr leid“, betont die Syrgensteinerin. Vor allem für ihre Mutter sei es sehr schwer gewesen, solche Dinge über ihre 'kleine Sarah' zu lesen aber inzwischen dürften sie die durchweg freundlichen Kommentare etwas beruhigen. „Sie nennen mich Ate, was so viel heißt wie große Schwester“, erzählt Riek.

Schönheitswettbewerbe waren für die 23-Jährige eigentlich schon vor der Miss-Universe-Wahl abgehackt. Doch die ehemalige Miss Bayern hatte insgeheim schon lange eine Schwäche für die Wahl der schönsten Frau des Universums. Auch weil Sarah dachte, dass diese für mehr steht, als gutes Aussehen.

Selbst wenn das Chaos nach der Wahl einen bitteren Beigeschmack hatte, wird Sarah die Miss-Wahl in guter Erinnerung behalten. „Ich hatte dort eine schöne Zeit und letztlich bin ich unglaublich dankbar für die Erfahrungen und die wundervollen Freundschaften“, sagt sie. Mit den anderen Kandidatinnen hat sie noch Kontakt. „Wir schreiben uns täglich in einer Whatsapp-Gruppe, sagt sie. Im Sommer werden sich die ganzen Mädels in Griechenland wiedersehen. Bis dahin wird die 23-Jährige weiter modeln und an ihren beruflichen Ambitionen arbeiten.

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