Gundremmingen Auf einen Blick: So funktioniert der Rückbau im AKW

Bis mindestens 2040 wird es dauern, bis das AKW Gundremmingen vollständig abgerissen werden kann. Und was passiert in der Zwischenzeit mit dem Atommüll?
Bis mindestens 2040 wird es dauern, bis das AKW Gundremmingen vollständig abgerissen werden kann. Und was passiert in der Zwischenzeit mit dem Atommüll? © Foto: Catrin Weykopf
Gundremmingen / Catrin Weykopf 13.09.2018
Seit 1. Januar läuft im AKW Gundremmingen der Rückbau. Doch was bedeutet das? Und was passiert mit dem Atommüll?

Wie lange wird es dauern? Was wird es kosten und wer wird es bezahlen? Und wohin mit dem Atommüll? Das Erbe der Atomkraft in Deutschland wiegt schwer und zieht viele offene Fragen nach sich.

Ausgerechnet das größte deutsche Atomkraftwerk steht nur wenige Kilometer von der Landkreisgrenze entfernt. Der Rückbau wird ein Mammut-Vorhaben, das Jahrzehnte dauern wird. Dieses Vorhaben hat am 1. Januar 2018 begonnen.

Es fallen drei Arten von Müll an

Doch einfach mit der Abrissbirne drauflosgehen, funktioniert nicht. Denn bevor in einem abgeschalteten Atomkraftwerk mit dem eigentlichen Rückbau begonnen werden kann, muss erst einmal der radioaktive Brennstoff, also die abgebrannten Brennelemente, entfernt werden.

Dies ist jedoch erst fünf Jahre nach der Abschaltung möglich, denn so lange müssen die Brennelemente mindestens abklingen, bevor sie in Castoren verladen werden können.

Grundsätzlich fallen in einem Atomkraftwerk drei Arten von Müll an. Zum einen die hochradioaktiven Brennelemente, die in Castoren verpackt und erst einmal ins Zwischenlager in Gundremmingen gehen. Zum Zweiten werden rund 12.000 Tonnen schwach- und mittelschwach radioaktiver Abfall entstehen. Dieser wird ebenfalls in Strahlenschutzbehälter verpackt und zwischengelagert, bis er Mitte der 2020er Jahre in den Schach „Konrad“ kommt. Den dritten Teil - mengenmäßig ist es der größte - macht der nicht strahlende Abraum und Schutt, wie er beim Abbruch jedes Gebäudes anfällt, also Beton, Metall, Kunststoffe etc.

Rückbau, während nebenan der Reaktor weiterläuft

Die Herausforderung beim Rückbau in Gundremmingen besteht dabei darin, Block B schon rückzubauen, während in ihm noch Brennelemente abklingen und während neben an Block C noch fünf Jahre weiter Strom produziert.

Deswegen dürfen zunächst dort keine Rückbauarbeiten stattfinden, wo Sicherheitssysteme noch in Betrieb sind. Es ist also ein Projekt in Etappen, das in Block C ab Januar 2022 zeitversetzt ebenfalls beginnt. Und es ist eines, das dauert.

Erst gegen 2040 werden aus beiden Blöcken die letzten radioaktiven Teile ausgebaut sein, darunter der bzw. die Reaktordruckbehälter. Und erst ab dann kann das Kraftwerk als normale Abrissbaustelle gelten. Oder besser: Als fast normale Abrissbaustelle. Denn nur wenige Meter entfernt wird auch dann noch das Zwischenlager stehen. Darin: Etwa 180 Castoren mit hochstrahlender Fracht.

Wer bezahlt die Endlagerung?

Wie lange sie dort bleiben werden, weiß derzeit niemand. Genehmigt ist das Lager bis 2046. Doch klar ist schon jetzt: Bis dahin wird es noch kein deutsches Endlager geben.

Und das Thema Kosten? Den Rückbau ihrer Kraftwerke bezahlen die Energiekonzerne selbst. Auch werden sie rund 23 Milliarden Euro in einen Fonds für den Atommüll einbezahlen. Alle übrigen Kosten aber trägt der Bund., und zwar bis der Müll sicher endgelagert ist - und dies über Jahrtausende bleibt. Dies ist das nächste Mammut-Vorhaben. Es hat längst begonnen. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

Eine Übersicht über die Entsorgung des Mülls sowie über die zeitlichen Abläufe des Rückbaus zeigt diese Infografik:

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