Rotes Kreuz schreibt dicke schwarze Zahlen

Albert Tränkle bleibt an der Spitze des Rotkreuz-Verbandes. Durch eine erforderlich gewordene Satzungsänderung ist Tränkle nun nicht mehr Vorsitzender, sondern Präsident.
Albert Tränkle bleibt an der Spitze des Rotkreuz-Verbandes. Durch eine erforderlich gewordene Satzungsänderung ist Tränkle nun nicht mehr Vorsitzender, sondern Präsident. © Foto: Foto: kdk
Klaus-Dieter Kirschner 06.05.2012
Aus der Vorstandschaft wird ein Präsidium. Dieses wiederum wird weiterhin ehrenamtlich sein. Das beschlossen die Delegierten des Rotkreuz-Kreisverbandes Heidenheim mit der neuen Satzung am Freitagabend einstimmig.

In der von der Jugendkapelle des Musikvereins Söhnstetten unter Tobias Maurer umrahmten Hauptversammlung wurde Bilanz für das Jahr 2011 vorgelegt, die sich durch tiefschwarze Zahlen auszeichnet und sogar Überweisungen an die Rücklagen (in Höhe von 120 000 Euro) erlaubte. Geschäftsführerin Karen Warnecke-Gerhardt konnte für verschiedene Geschäftsbereiche bei einem Gesamtumsatz von 15 Millionen Euro Gewinne vermelden. Das Eigenkapital wurde auf 2,608 Millionen beziffert; die Verbindlichkeiten auf 584 000 Euro.

Der Vize-Präsident des DRK-Landesverbandes Dr. Eberhard Schwerdtner konnte in seinem Grußwort daher zufrieden feststellen: „Der Kreisverband ist hervorragend aufgestellt.“

Dass dafür sehr hart gearbeitet werden musste, ging aus dem Jahresbericht von Albert Tränkle hervor. Er konnte allerdings nicht umhin zu klagen: Altersbedingt nimmt die Zahl der fördernden Mitglieder ab. Neue zu gewinnen, sei ein recht schwieriges Unterfangen. Aber: Man wolle am Ball bleiben. Auch von der Zahl der fördernden Mitglieder hänge die Zukunft des Roten Kreuzes ab. Dass der Kreisverband Heidenheim hier wenig erfreuliche Erfahrungen macht, konnte Dr. Schwerdtner für den Ostalbkreis mit einer Zahl unterstreichen: „Wir verlieren im Kreisverband derzeit pro Jahr etwa 1000 Mitglieder.“

Es war noch ein anderes, das Albert Tränkle unter der Rubrik „äußerst ärgerlich“ thematisierte. Vor Jahresfrist waren für die Rettungswache Giengen Pläne zur baulichen Erweiterung vorgestellt worden. Die Erweiterung soll die Raum-Enge beseitigen. Die Rettungswache ist nicht nur rund um die Uhr besetzt. Von dort startet auch ein Notarzt zur schnellen Hilfe ins Untere Brenztal. Bei der Einhaltung der Hilfsfristen habe man gewaltige Fortschritte gemacht und liege nun hinter Karlsruhe und Stuttgart auf Rang drei.

Vor Weihnachten hatte Tränkle den Landrat und die Kreisräte um Unterstützung für die Erweiterung der Rettungswache Giengen angeschrieben. Die Reaktion sei gleich Null gewesen. Tränkle: „Wie auch immer: Wir ziehen die Geschichte durch, auch wenn sie finanziell für uns ein Kraftakt wird. Das sind wir der Bevölkerung schuldig!“

Die Stiftung Warentest hatte dem Rotkreuz-Kreisverband beim Hausnotruf auf den Zahn gefühlt. Unter zwölf Konkurrenten kam ein erster Platz heraus, freute sich Tränkle. Grund zur Freude hatte er auch im Blick auf die drei Pflegeheim mit 240 vollstationären Betten und 30 Plätzen in der Tagespflege. Im Grunde seien die Heime ausgelastet und bei der Zertifizierung bestens beurteilt worden. In Abwesenheit galt der Dank Kreisbrandmeister Rainer Spahr für alle Unterstützung bei der Nachrüstung des Karl-Kaipf-Heims in brandschutztechnischer Hinsicht.

Auf die verschiedenen Leistungswettkämpfe sowie auf die Arbeitsbilanz der Bereitschaften kam Kreisbereitschaftsleiter Frieder Fucker zu sprechen. Die 617 ehrenamtlichen Mitarbeiter kamen auf 73 820 Einsatzstunden. An den Kursen nahmen 6651 Personen teil. 7879 Blutkonserven wurden bei Blutspendeterminen gefüllt. Die 22 Helfer-vor-Ortgruppen kamen letztes Jahr auf 488 lebensrettende Einsätze. Große Ereignisse im Jahr 2013 werfen ihre Schatten voraus: Der Kreisverband feiert das 125-Jährige. Der DRK-Landesverband blickt auf 150 Jahre erfolgreiche Arbeit zurück.

Im Kreis Heidenheim sind mehr als 200 Frühdefibrillatoren vorhanden, freute sich Kreisverbandsarzt Dr. Bernhard Konyen in seinem Jahresbericht und würdigte in dem Zusammenhang Helmut Turba, der hier ganz entscheidende Arbeit leiste und sich trotz Ruhestand unermüdlich fürs DRK einbringe: „Die Helfer-vor-Ort-Gruppen sind das Flaggschiff unserer Rotkreuzarbeit. Daran denken die HVO-Kräfte nicht, wenn sie urplötzlich in den Einsatz müssen und lebensrettende Maßnahmen ergreifen, bis Notarzt und Rettungsdienst vor Ort sein können. Diese Arbeit ist ein wesentlicher Teil der Notfallversorgung.“ Konyen bedauerte, dass er keine Statistik zur Hand habe, die deutlich mache, wie viele der Herz-Lungen-Wiederbelebung erfolgreich waren.

Längere Ausführungen galten der engen Zusammenarbeit zwischen den Rettungsdiensten aus Heidenheim und Ulm. Aus formalen Gründen, so der Arzt, habe man bis jetzt nicht fusionieren können. Der Rettungsdienst im Kreis Heidenheim sei wirklich vorbildlich.

Hohe Anerkennung zollte Dr. Konyen unter dem starken Beifall der Zuhörer dem Kreisvorsitzenden Tränkle: „Enormes hat er bislang geleistet. Ihn als Kapitän auf der Brücke des Rotkreuz-Schiffes zu wissen, ist das Beste, was dem DRK je passieren konnte.“

Albert Tränkle äußerte sich ebenfalls zu der auf Eis liegenden Fusion der Rettungsdienste: „Es geht hier um sehr viel Geld. Die kommunalen Verbände zur Altersversorgung stellen hohe Forderungen und legen uns als Versorgungskasse Steine in den Weg.“

Einblicke in die Jugendarbeit und den Schulsanitätsdienst gab Kreisjugendleiter Jan Stumpf. Dem Jugendrotkreuz gehören 121 Mitglieder an. Nach dem Weggang von Thomas Fernandez waren manche Vorhaben im Schulsanitätsdienst nicht mehr zu schultern. Man stehe vor einem Neustart und sei froh über die Unterstützung seitens des Landesverbandes.

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