Streit Rotec-Belegschaft verlässt IG Metall

Dicke Luft bei der Firma Rotec: Dutzende Firmenangehörige haben ihren Austritt aus der IG Metall unterzeichnet. Sie fühlen sich von der Gewerkschaft im Stich gelassen.
Dicke Luft bei der Firma Rotec: Dutzende Firmenangehörige haben ihren Austritt aus der IG Metall unterzeichnet. Sie fühlen sich von der Gewerkschaft im Stich gelassen. © Foto: Foto: Oliver Vogel
Brigitte Malisi 05.08.2015
Die Belegschaft der Firma Rotec kommt nicht zur Ruhe. Jetzt hat der Betriebsrat der IG Metall sein Vertrauen entzogen: 48 Betriebsangehörige sollen ihren Austritt aus der Gewerkschaft unterzeichnet haben. Der Vorwurf: schlechte Betreuung und mangelndes Vertrauen.

Bei der Firma Rotec rumort es schon lange. Im Dezember vorigen Jahres traten Betriebsrat und Mitarbeiter deshalb an die Öffentlichkeit. Die Vorwürfe gegen die Firmenleitung von Rotec lauteten: Bezahlung weit unter Tarif und nach Gutdünken sowie ein miserables Betriebsklima bis hin zu Mobbing und Beleidigung.

Für die IG Metall war die Hermaringer Firma schon immer ein Thema. Bedingt durch verängstigte Mitarbeiter, aber auch durch Sprachprobleme, war es laut dem ersten Bevollmächtigten, Ralf Willeck, schwierig, gewerkschaftliche Strukturen in der Firma aufzubauen. Vom neuen Betriebsrat mit Michael Protzen an der Spitze erhoffte man sich, die Probleme bei Rotec verstärkt angehen zu können.

Zunächst schien die Zusammenarbeit mit Gewerkschaftssekretär Willi Wolf auch gut zu funktionieren. Wolf war selbst fast 20 Jahre lang Betriebsratsvorsitzender bis zur Insolvenz der Heidenheimer Gießerei. Er habe immer mit offenen Karten gespielt und den Mitarbeitern erklärt, dass es keine Lösungen von heute auf morgen geben werde. Stattdessen habe man einen Stufenplan, angelegt auf zwei Jahre, erarbeitet.

Letztendlich könne die Gewerkschaft dem Betriebsrat zwar zur Seite stehen und beraten, handeln jedoch müsse der Betriebsrat selbst, erklärt Ralf Willeck. Er lässt durchblicken, dass der Rotec-Betriebsrat da nicht immer seine Hausaufgaben gemacht habe. Ganz anders sieht das Betriebsratsvorsitzender Michael Protzen und erhebt heftige Vorwürfe. Man habe sich von der IG Metall wesentlich mehr Unterstützung erhofft, stattdessen sei der Betriebsrat mehrfach ausgebremst worden. Bereits seit einiger Zeit habe man das Gefühl gehabt, dass Willi Wolf nicht das Interesse der Belegschaft vertrete und habe deshalb das Vertrauen in ihn verloren. In den vergangenen eineinhalb Jahren habe sich praktisch nichts verändert. Das habe nun dazu geführt, dass bei den Kollegen der Frust so groß gewesen sei, dass es zu einer Austrittswelle gekommen sei. Protzen spricht von 48 Betriebsangehörigen, die ihren Austritt aus der Gewerkschaft unterzeichnet haben. „Es geht darum, ein Zeichen zu setzen“, sagt der Betriebsrat-Vorsitzende. Willi Wolf selbst hatte im Mai den Betriebsrat auf das mangelnde Vertrauen angesprochen. Die Vorwürfe hätten ihn tief getroffen, und er habe keine Basis mehr für eine gute Zusammenarbeit gesehen. Er habe deshalb von sich aus vorgeschlagen, dass Kollegin Maja Reusch seine Aufgaben übernimmt.

Dies war dann auch geschehen, und Michael Protzen berichtet von einer konstruktiven Zusammenarbeit mit der Gewerkschaftssekretärin. Umso überraschender kam für die IG Metall nun die Austrittswelle. Im Gegensatz zu Protzen spricht man hier jedoch nur von 38 Mitgliedern, die eine Liste unterschrieben hätten.

Ralf Willeck sagt: „Das hat uns erstmal schockiert.“ Damit seien der Gewerkschaft die Hände gebunden und die Basis betrieblicher Arbeit entzogen. Die Rotec-Geschäftsleitung reibe sich vermutlich die Hände. Einen derartigen Fall habe die IG Metall in Heidenheim noch nicht erlebt. Man werde nun die einzelnen Mitglieder anschreiben und ausloten, ob Interesse an einem gemeinsamen Gesprächstermin bestehe.

Der Betriebsrat werde den eingeschlagenen Weg weitergehen und an der Verbesserung der Arbeitsbedingungen arbeiten, so Protzen. Am Ende könnte ein Haustarifvertrag stehen, sagt er und gibt sich kämpferisch: „Wir brauchen die Gewerkschaft nicht, wenn sie gegen uns arbeitet und uns bremst.“