Sontheim/Brenz Rekord in Brenz: Störche bilden Klein-Kolonie

Sontheim/Brenz / Laura Strahl 18.06.2018
Beim Storchenfest wurde am Freitag der Nachwuchs auf Schloss Brenz mit Erkennungsringen ausgestattet.

Es ist noch gar nicht so lange her, da waren Störche im süddeutschen Raum noch eine Seltenheit. In Zahlen ausgedrückt: 1975 zählte man in ganz Baden-Württemberg gerade einmal 15 Tiere. Heute ist die Situation anders. Verteilt auf fünf Nester gibt es dieses Jahr allein in Sontheim/Brenz 15 Storchen-Babys. „Es bildet sich eine Klein-Kolonie“, sagt Ute Reinhard von der Vogelwarte in Radolfzell. Und: „Es können durchaus noch mehr werden.“ Denn ein Ort, an dem sich gleich mehrere Paare in Nestern niedergelassen haben, ziehe auch andere Störche magisch an.

Ob bei diesen Rekordzahlen weiterhin alle Sontheimer Störche mit einem Erkennungsring samt Nummer ausgestattet werden können? Zumindest fraglich. Mit ihren Kollegen komme sie schon jetzt kaum noch hinterher, sagt Reinhard. Denn insgesamt zähle man in Baden-Württemberg dieses Jahr rund 140 Nester.

30 bis 40 Störche pro Tag

Und das bedeutet für die Expertin: Jeden Tag müssen derzeit 30 bis 40 Störche beringt werden. Das Zeitfenster nämlich ist ziemlich eng. Sind die Storchen-Babys bereits zu alt, ist die Gefahr groß, dass die wenig flugerprobten Tiere beim Fluchtversuch aus dem Nest stürzen und sterben. Sind die Tiere hingegen noch zu jung, bedeutet die Aktion für sie „furchtbaren Stress“. Außerdem, sagt Reinhard, seien die Beine dann noch zu kurz für den Plastikring.

Aus diesem Grund wurde beim Storchenfest am Freitagabend auch in Sontheim eines der insgesamt vier Nester auf dem Brenzer Schloss außen vor gelassen. Bei den anderen drei Nestern sowie bei einem weiteren Nest auf dem Kamin des nahegelegenen Restaurants Kult aber konnte Ute Reinhard wie gewohnt tätig werden: Mit dem Kran ging's in die Höhe, dort wurde der Storchen-Nachwuchs routiniert untersucht, gewogen und schließlich mit einem Ring ausgestattet. Ihren Geburtsort Sontheim/Brenz tragen die Störche nun also in die weite Welt hinaus – im weitesten Fall bis nach Afrika.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel