Sturm I Rattenfänger vom Buigen

Herbrechtingen / YASMIN FISCHER 27.02.2014
Mit dem Sturm der Wasserratza-Hexa auf das Rathaus kam es am Donnerstagnachmittag zu chaotischen Szenen im Herbrechtinger Machtzentrum ein. Erst recht als die Hexen den Goldenen Schlüssel in ihren Besitz brachten.
Da hätte sich Thomas Diem lieber mal etwas besser versteckt. Schadenfroh verkündete eine der Hexen: „Sie ist uns in die Falle gegangen! Eine dicke, fette Ratte!“ und präsentierte den Bürgern den Beigeordneten, der als Ratte verkleidet mit einer Halsgeige um den Kopf und beide Arme in den Bürgersaal geführt wurde. „Früher waren sie eine regelrechte Plage, jetzt sitzen die Ratten schon im Rathaus“, ließ die Hexe wissen.

Und so musste sich Diem nach dem Tanz der Kinderhexengruppe einiges anhören. Die Hexe freute sich tierisch, als sie verkünden konnte, wie die Herbrechtinger zu ihrem Spitznamen kamen. Die pelzigen Tiere, die einst die „Rüsselpest“ und den „Flotten Otto“ brachten, seien eine arge Plage gewesen. Deshalb habe der kluge Stadtkämmerer eine Prämie auf die Rattenschwänze ausgesetzt gehabt, diese aber am Abend auf den Misthaufen geworfen. Die klugen Bürger holten sich die Schwänze vom Misthaufen zurück und wurden so zu reichen Leuten. Diem, selbst gelernter Finanzexperte, zeigte sich einsichtig: „ Die Herbrechtinger waren nicht dumm. Die führten sogar den Kämmerer an der Nase herum.“

Diem und ein langer Rattenschwanz

Weil Diem einen so schönen und langen Rattenschwanz trug, trachteten die Hexen natürlich nach diesem Prachtexemplar. Aber Diem konterte: „So eine dicke, schlaue Ratte im Rathaus die braucht es heut, sonst wär es schlecht bestellt, ihr lieben Leut. Meinen schönsten Schwanz, den gebe ich nicht her. Das fällt mir außerordentlich schwer.“

Aber es sollte noch schlimmer kommen, als die Hexe ihn mit dem Vormarsch der Füchse in der Ortschaft konfrontierte. „Die Füchse sind nicht mehr im Wald zuhaus€ - sie gehen in der Mühlgass€ ein und aus.“ Diem konterte: „Mir scheint, dass es da einfach genug zu Fressen gibt. Jeder Kompost ist prall gefüllt, mit Dingen die man sonst in Müllsäcke hüllt.“ Zudem führte er an, dass früher jeder Haushalt einen Hund gehabt habe, heute werde aber auch daran zu Lasten der Stadt gespart.

Gescholten wurde Diem auch wegen der andauernden Arbeiten im Eselburger Tal und dem Eisweiher am Fuße der Steinernen Jungfrauen, auf dem die Seerosen entfernt wurden. „Im Tal fühlte sich der Ochsenfrosch heimisch und wohl. Jetzt habt ihr ihm sein Feuchtgebiet entzogen. Es gibt jetzt nur noch Matsch und Dreck und auch der Frosch ist weg.“ Diem wies die Schuld von sich: „Da haben wir nicht mitgesprochen, das wurde an höherer Stelle verbrochen.“

Hexen zeigen sich gnädig

Zum Schluss zeigte sich die Hexe gnädig und ließ Diem selbst entscheiden, was er den Hexen lieber geben wolle: Seinen Rattenschwanz oder den Rathausschlüssel. Diem überlegte nicht lange: „Meinen schönsten Schwanz geb€ ich nicht her, drum lieber den Rathausschlüssel. Bitte sehr!“

Fröhlich kreischend und jubelnd nahmen die Wasserratza-Hexa den Schlüssel entgegen und krönten ihren Auftritt mit ihrem Hexentanz. „Und wieder haben wir es geschafft, die Wasserratza-Hexa sind an der Macht.“
Um der Feierstimmung keinen Abbruch zu tun, zeigten die Tänzmäuse vom SV Mergelstetten ihr Können. Anschließend sorgten die Schwabbelbäuche für Stimmung. Traditionelle Guggenmusik gab es von der Gruppe Los Blechos.
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