Kreis Heidenheim Prior Albert Knebel weitere sechs Jahre in der Pflicht

Kreis Heidenheim / Klaus-Dieter Kirschner 12.03.2018
Die Benediktiner-Abtei wählte am Freitag keinen neuen Abt. Stattdessen wurde erstmals ein Konventualprior ernannt.

Volle zehn Minuten verkündeten die sieben Glocken vom Turm der Neresheimer Benediktiner-Abtei am Freitag kurz vor 11 Uhr: „Wir haben einen neuen Oberen.“ Die wahlberechtigten sieben Mönche gaben dem bisherigen Prior-Administrator Albert Knebel (60) erneut das Vertrauen. Der Titel hat sich nach einer Wahlrechtsreform allerdings geändert: Pater Albert, der auch den Knabenchor der Abtei leitet, wird künftig Konventualprior genannt. Seine Amtszeit beträgt sechs Jahre. Ganz im Gegensatz zum Abt, der für zwölf Jahre gewählt wird.

Warum wurde kein Abt gewählt? Begründet wird dies damit, dass Albert Knebel zwar schöne, feierliche Gottesdienst mag, aber großen Prunk verabscheut. Diese Auffassung teilen auch seine Mitbrüder (derzeit umfasst die Abtei acht Mönche und einen Novizen zwischen 25 und 88 Jahren). Daher war sich der Konvent einig, dass kein Abt an der Spitze stehen müsse. Dieser nämlich trüge bei besonderen Anlässen eine Mitra, also ein prächtiges Messgewand mit Bischofsmütze und einen Abtsstab (vergleichbar einem Bischofsstab). Schon allein aus praktischen Gründen hätte Knebel damit Probleme: Er ist der letzte Kantor der Abtei und daher zwischen Chor, Altar, Ambo und Abtsstuhl unterwegs.

Der Wahltag selbst begann in der Turmkapelle mit einer Votivmesse zur Anrufung des Heiligen Geistes. Zelebriert wurde die Messe von Abtpräses Albert Schmidt, der von Beuron aus (dort sind es 40 Benediktiner-Mönche) 17 Klöster zu betreuen hat. Der Würdenträger erinnerte an den heiligen Benedikt, der in den Ordensregeln die Suche nach Gott festgeschrieben habe.

Kurz nach 11 Uhr wurde dann in der eiskalten Abteikirche nach dem Einzug des Konvents die Wahl Albert Knebels zum Konventualprior bekanntgegeben und der Gewählte feierlich für die neuen Aufgaben eingesegnet. Unter den Besuchern der Kirche war auch Neresheims neuer Bürgermeister Thomas Häfele, der die Wahl eines neuen Klostervorstehers „als wirklich großes Ereignis für Neresheim“ bezeichnete.

Zur Wahlrechtsreform erläuterte Albert Schmidt, dass das Generalkapitel der Benediktiner die Statuten für die Wahl eines Klosteroberen im vergangenen Herbst neu gefasst hat. Im Februar kam das „Go“ aus Rom. Danach liegt es weiter im Ermessen eines Konvents festzulegen, ob ein Abt (zwölf Jahre), ein Abt-Administrator (drei Jahre) oder ein Konventualprior (sechs Jahre) einem Kloster vorsteht. Albert Knebel ist demnach einer der Ersten, der diesen neuen Titel trägt.

Neuen Novizen eingekleidet

Am Freitag wirkte der Gewählte entspannt und sehr froh, darüber, dass man keine riesige Feier, die es bei der Abt-Benediktion zwangsläufig gegeben hätte, habe feiern müssen. „Wir sind doch ein kleiner Konvent“, sagte Knebel. Die Verlängerung der Amtszeit von drei auf sechs Jahre findet er ebenfalls gut. Das Kloster Neresheim sei mit einer Altersspanne von 25 bis 88 Jahren ein richtiges Mehrgenerationenhaus. Erst vor zwei Wochen konnte ein Novize eingekleidet werden.

Ungewöhnlich sei der Verzicht auf einen Abt übrigens nicht: Weltweit gibt es 6500 Benediktiner-Mönche und 14 000 Benediktiner-Nonnen. Auch da würden vielfach Priore oder Priorinnen anstelle eines Abtes oder einer Äbtissin an die Spitze eines Klosters gewählt.

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