Gerstetten Preis der Gerstetter Wirtschaft verliehen

Gerstetten / Ulrich Bischoff 10.02.2019
Vier junge Talente wurden am Freitag im Bahnhotel für ihre Leistungen ausgezeichnet. Der erste Preis ging an Johannes Schmidt.

Der Stucksaal im Bahnhotel hatte am Freitag „Rouge“ aufgelegt. Zum 28. Mal würdigte die Stiftung Preis der Gerstetter Wirtschaft junge Gerstetter für ihre Leistungen auf den Gebieten Bildung, Ausbildung oder Weiterbildung. Mit Johannes Schmidt, Dr. Ruth Maria Truter, Dr. Timo Seitz und Beatrice Petzold stellte der Vorsitzende der Stiftung, Jürgen Truckenmüller, vier junge Menschen vor, die sich ihrer Heimatgemeinde nach wie vor aufs Engste verbunden fühlen.

Den ersten Preis in Höhe von 1000 Euro sprach der Stiftungsausschuss dem 29-jährigen Master of Science, Johannes Schmidt, zu. Über eine Ausbildung zum Industriemechaniker kam der kirchlich engagierte und musikalisch begabte junge Mann zum Studium der Ingenieurwissenschaften, landete seinen Bachelor mit der Note 1,1 und ließ diesem den Master of Science mit einer 1,3 folgen. Als passionierter Fotograf gehört er inzwischen dem einschlägigen Berufsverband an und sieht darin ein weiteres berufliches Standbein.

Tierärztin in Südafrika

Den zweiten Preis (750 Euro) sprach die Jury Dr. Ruth Maria Truter zu, die in Afrika zu Hause ist. Sie ist dem Vorbild ihres Vaters, Dr. Hans-Georg Ströhle gefolgt und Tierärztin geworden. Nach dem Abitur am Schiller-Gymnasium in Heidenheim studierte Truter in München Tiermedizin, schloss ihr Studium im südafrikanischen Pretoria ab und promovierte mit der Note 1,5 magna. Von 2014 bis 2016 arbeitete die junge Tierärztin im Heatherlands Animal Hospital in Südafrika. Inzwischen forscht die junge Mutter zusammen mit ihrem Ehemann und betreibt in Südafrika eine Praxis – vorwiegend für Kleintiere.

Einen weiteren zweiten Preis (750 Euro) erhielt Timo Seitz, der in Heuchlingen aufgewachsen ist. Am Buigen-Gymnasium in Herbrechtingen erhielt er für sein Abitur die Note 1,1, auf deren Grundlage er an der Universität Stuttgart Ingenieurwissenschaften studierte. Der Master of Science gelang ihm mit der Traumnote von 1,2. Seine Masterarbeit wurde dann mit einer glatten Eins bewertet. Derzeit arbeitet Timo Seitz an seiner Doktorarbeit, in der er sich unter anderem mit Strömungstechnik und Raketenbrennkammern auseinandersetzt.

Digitale Bildung fördern

Beatrice Petzold erhielt den dritten Preis (500 Euro). In Heidenheim besuchte sie das Schiller-Gymnasium, nahm in Mosbach ein BWL-Studium auf und schloss dieses mit dem Bachelor of Arts ab. Wie einen Traum erlebte sie dann nach eigener Aussage ihr Auslandssemester in Kalifornien, das obendrein mit der Note 1,0 gekrönt wurde. Ihm ließ sie den Master of Arts folgen. Mit Leidenschaft betreibt sie Sport, trainiert die Dettinger Handballmannschaft und genießt ihre Freizeit – unter anderem in der neuen Lindenhalle.

Herausragende Leistungen im Fach Musik präsentierte in den Pausen und am Ende der Veranstaltung Michelle Gabel. Als Schülerin der Gerstetter Musikschule erhielt sie für ihr Geigenspiel im Wettbewerb „Jugend musiziert“ einen ersten Preis. Mit großer Stilsicherheit ließ die junge Geigerin, begleitet von Larissa Miller am Flügel, mit dem Violinkonzert in G-Dur Mozart'sche Süße in den Raum strömen. Ihr Können zeigte sie zudem mit „Scène de ballet“ von Charles Bériot.

Gerstettens Bürgermeister Roland Polaschek hob bereits vor der Preisverleihung hervor, dass es weiterhin wichtig sei, mit Krippen, Kindergärten und Schulen für die Bildung junger Menschen „eine zeitgemäße Infrastruktur zu schaffen, bereitzustellen und zu unterhalten“. Hier, so Polascheks Eindruck, habe man zusammen mit dem Gemeinderat „guten Gewissens unsere Hausaufgaben gemacht“. In der Zukunft gelte es, den Weg von der analogen hin zur digitalen Bildung zu entwickeln, sonst gerate Deutschland ins Hintertreffen. Ähnlich sah dies auch Landrat Thomas Reinhard, dem es darum ging, junge Talente zu entdecken und diese in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaft nach Kräften zu fördern. Bereits jetzt spüre man den Fachkräftemangel. Wichtig sei es daher, auch vor Ort Perspektiven anbieten zu können.

Jürgen Truckenmüller äußerte seinen Unmut über den Handelsstreit der USA, den Brexit und die Einkaufstouren Chinas, die deutsche Hightechfirmen im Visier hätten. Als Geschäftsführer der Firma T & H Metallwarenfabrik, die die Automobil- und die Flugzeugindustrie beliefert, nutzte er zudem die Anwesenheit der Bundestagsabgeordneten Margit Stumpp (Grüne) und dem Landtagsabgeordneten Heiner Merz (AfD), um für ein gemeinsames Europa „richtig Werbung zu machen“. Nur ein geeintes Europa mit einer gemeinsamen Strategie sei in der Lage, mitbestimmen zu können.

Seine Kritik bezog sich zudem auf Dieselfahrzeuge: Hier, so Truckenmüller, würde er mit der hohen Politik gerne ein Hühnchen rupfen. Dieselabgase seien im Verhältnis zu denen des Benziners mechanisch einfach zu reinigen. Benziner, für die es keine Fahrverbote gibt, würden deutlich schädlichere Klimagase ausstoßen. Truckenmüllers Bedenken: Wenn der Wertezerfall von Dieselfahrzeugen in Deutschland solche Ausnahme annehme, dass sie nur noch im Ausland verkauft werden können, klatsche man sich dort vor Freude auf die Schenkel. Elektroautos haben für ihn nur auf Kurzstrecken eine Chance.

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