Empfang Positives Signal für die Hüttenwerke

Königsbronn / HOLGER SCHEERER 16.02.2014
Voll besetzt war die Hammerschmiede beim Neujahrsempfang der Gemeinde am Samstagabend. Höhepunkt der Veranstaltung war ein brillanter Vortrag des ehemaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel.

Man soll sein Licht nicht unter den Scheffel stellen – schon gar nicht in Wahlkampfzeiten. Dies war die Maxime, der Bürgermeister Stütz, der sich am 9. März zur Wiederwahl stellt, in seiner Begrüßungsansprache folgte. Und in der Tat lässt sich ja über Königsbronn einiges Positive berichten, was in den vergangenen Jahren alles auf die Beine gestellt worden ist. Beneidet wird Stütz von seinen Amtskollegen immer wieder vor allem wegen des hohen ehrenamtlichen Engagements der Bürger in der Gemeinde, die ohne Entgelt ihre Freizeit opfern, um alte Gebäude wieder in Stand zu setzen, Volksfeste wie das Itzelberger Lichtermeer zu organisieren oder den Bürgerbus durchs Dorf zu steuern.

Fresh Money von den Investoren

Aber Stütz hatte noch einen weiteren Trumpf im Ärmel. Bei einem Gespräch mit dem Insolvenzverwalter der Schwäbischen Hüttenwerke, Deutschlands ältestem Industriebetrieb, sei Zuversicht aufgekeimt. „Es gibt Fresh Money von den Investoren“, hatte Stütz zu verkünden, eingegangene Aufträge könnten bearbeitet werden. Es bestünde inzwischen eine berechtigte Hoffnung, dass das drohende Unheil einer Schließung der Gießerei abgewendet werden könne.

Gastredner Erwin Teufel zeigte sich bereits bei seinem Besuch der Königsbronner Georg-Elser-Gedenkstätte Ende vorigen Jahres begeistert davon, was in der Gemeinde am Brenztopf durch bürgerschaftliches Engagement auf die Beine gestellt worden ist. Besonders angetan hatten es ihm der Bürgerbus als Bewegungsmöglichkeit für nicht motorisierte ältere Mitbürger und die Sanierung der alten Gebäude wie dem Langen Haus, der alten Pfisterei oder der Feilenschleiferei, weil sich nicht zuletzt anhand dieser Liegenschaften die Verbundenheit mit der langen industriellen Tradition am Brenzursprung besonders gut dokumentieren lasse.

In vielen Bereichen singulär

Nicht zuletzt wegen dieses bürgerschaftlichen Engagements befand Teufel am Samstagabend: „Diese Gemeinde ist nicht gewöhnlich. In vielen Bereichen steht Königsbronn singulär da.“

Neben den ehrenamtlichen Aktivitäten hatte den ehemaligen Ministerpräsidenten vor allem auch der Umgang der Gemeinde mit ihrer Geschichte beeindruckt. Teufel fand es beachtenswert, dass es Königsbronn nach anfänglichen Schwierigkeiten, die der Redner gar nicht kritisieren wollte, doch geschafft habe, sich der Vergangenheit zu stellen, die für immer mit dem Namen des Widerstandskämpfers Georg Elser verbunden sein werde. „Erst gab es nichts, jetzt gibt es ein Denkmal, eine Schule und eine Gedenkstätte.“

Den Widerstand nicht nachholen

Man merkte es dem Redner an, dass das Thema Elser ihn persönlich beschäftigt hat. Biographisch betrachtet ist dies nur allzu verständlich. Teufel war im Jahr 1939, drei Tage nach Beginn jenes Kriegs, den Elser durch sein Attentat hatte verhindern wollen, zur Welt gekommen. Und es ist wohl nicht zu viel gesagt, dass einer der Gründe, warum Teufel überhaupt in der Politik gelandet ist, unmittelbar mit den Kriegserfahrungen zu tun hat, die er als Kind gemacht hatte. So lautete Teufels Credo an diesem Abend: „Wir können den Widerstand nicht nachholen. Wir können aber alles dafür tun, dass es eine totale Herrschaft nicht mehr gibt.“

Auf das bürgerschaftliche Engagement jedes Einzelnen komme es dabei nicht zuletzt entscheidend an. Aber noch ein weiterer Punkt lag Teufel am Herzen, nämlich die Idee von Europa – nicht so sehr als Wirtschafts- und Währungsunion, sondern als eine wichtige Rahmenbedingung zum Zusammenwachsen der Völker. Die Verantwortung der Älteren sei es, die jüngeren Generationen mit den Lektionen aus der Geschichte nicht zu verschonen, damit in Europa das Verständigungswerk, das einst Robert Schumann und Konrad Adenauer in Gang gesetzt hatten, nicht zum Stillstand komme, damit auf dem europäischen Kontinent „aus einer Nachkriegszeit niemals mehr eine Vorkriegszeit werden kann“.

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