Itzelberg Pläne für „Groß-Gastronomie“ am Itzelberger See

Der Itzelberger See: Im Bereich links oben im Bild befindet sich der Minigolfplatz, dessen Betreiber hier künftig gerne ganzjährig Gastronomie anbieten möchten.
Der Itzelberger See: Im Bereich links oben im Bild befindet sich der Minigolfplatz, dessen Betreiber hier künftig gerne ganzjährig Gastronomie anbieten möchten. © Foto: Geyer Luftbild, Archiv
Itzelberg / Gerhard Stock 13.10.2018
Die Betreiber des Itzelberger Minigolfplatzes wollen künftig saisonunabhängig wirtschaften. Von manchen Bewohnern des Teilorts wird das Vorhaben aber kritisch gesehen.

Im Königsbronner Teilort Itzelberg pfiffen bereits die Spatzen von den Dächern, dass am Standort des Minigolfplatzes eine „Groß-Gastronomie“ geplant sei. So bekundete es am Donnerstagabend im Sitzungssaal des Rathauses Ulrich Eberhardt in der Bürgerfragestunde des Gemeinderats. Angeblich sei das Projekt bereits in trockenen Tüchern und die Realisierung stehe kurz bevor. Ob und wenn ja was an diesen Behauptungen dran sei, bat Eberhardt nun offiziell um Stellungnahme der Entscheidungsträger. Ratsmitglied Michael Bruch (Unabhängiger Wählerblock) ergänzte, ihm sei zu Ohren gekommen, der Betreiber wolle heuer gar schon anfangen zu bauen.

Bürgermeister Michael Stütz bestätigte entsprechende Planungen. Allerdings befinde sich alles noch in einem Vorstadium, basierend auf einer nichtöffentlich an den Gemeinderat gerichteten formlosen Anfrage des Bauwilligen. Voraussetzung dafür, dass überhaupt erweitert werden kann, sei ein bisher nicht existierender Bebauungsplan für das Gelände. Im Rahmen dieses Verfahrens bekämen dann alle Beteiligten die Chance, sich zu äußern sowie eventuelle Bedenken und Anregungen geltend zu machen – die dann auch auf Herz und Nieren geprüft würden.

Ob das Vorhaben der Minigolfplatz-Betreiber, der Familie Oelkuch, überhaupt genehmigungsfähig sei, habe man seitens der Verwaltung vorab mal mit dem Landratsamt Heidenheim als zuständiger Baurechtsbehörde und dort insbesondere auch mit dem Naturschutz abgeklärt. Dies sei bejaht worden, allerdings unter der Voraussetzung eines rechtskräftigen Bebauungsplans. Daraufhin habe die Gemeinde bzw. der Gemeinderat dem Bauinteressenten mehrheitlich signalisiert, sein Vorhaben unterstützen zu wollen.

Bei den Betreibern des Minigolfplatzes stehe ein Generationenwechsel an, künftig wolle der Junior die Geschäfte führen. Allerdings im gastronomischen Teil nicht mehr wie gehabt saisonabhängig, sondern mit Hilfe eines überdachten Gaststättenbereichs ganzjährig. Dies sei Voraussetzung für ein Einkommen, mit dem eine Familie ernährt werden könne. Bekanntlich hielten sich die Gewinnmargen in der Gastronomie in überschaubaren Grenzen, so Stütz weiter.

Bemühungen um EU-Förderung

Doch so sehr man den Idealismus der Bauwilligen anerkennen müsse, so sehr sei es auch angebracht, die nachhaltige Finanzierbarkeit des Vorhabens auszuloten. Da es sich um einen „nicht unerheblichen Invest“ handele, habe man dem Bauwilligen nicht nur dringend geraten, die Finanzierung sorgfältig zu prüfen. Darüber hinaus sei die Verwaltung dabei behilflich gewesen, eventuell an EU-Fördergelder aus dem Leader-Plus-Programm zu gelangen. Ob solche tatsächlich gewährt werden, sei angesichts der komplizierten Materie und enormen Auflagen zur Stunde aber noch offen.

Das Bebauungsplanverfahren werde Zeit brauchen und der Plan aus heutiger Sicht kaum vor einem Dreivierteljahr rechtskräftig sein. Im besten Fall, wenn alles reibungslos verlaufe, könne der Baubeginn „nicht vor 2020“ erfolgen, schätzte der Bürgermeister. Wobei sich Michael Stütz leicht irritiert davon zeigte, was in dieser Sache bereits öffentlich sei bzw. an den Stammtischen die Runde mache.

Im Blick auf die mittlerweile stark ausgedünnte Gastronomie in Königsbronn – die Wirtshäuser Hecht, Rössle und Adler gehören längst, in Kürze oder seit kurzem der Vergangenheit an – begrüße der Gemeinderat mehrheitlich die Bestrebungen, das Angebot wenigstens in einem Teilort auszubauen. Zumal mit dem „Hirsch“ in Königsbronn auch ein weiteres renommiertes Gasthaus in absehbarer Zeit wohl schließen werde.

Nichtsdestotrotz, so bekräftigte Bürgermeister Stütz, werde man im anstehenden Bebauungsplanverfahren insbesondere die Verkehrssituation in Itzelberg beachten, nicht nur im Nahbereich des Minigolfplatzes, sondern im Blick auf den ganzen Straßenzug. Er selbst wohne ja auch direkt am See und erlebe hier die Schattenseiten des Tourismus täglich mit. Vor allem die Parkprobleme seien nur schwer in den Griff zu bekommen und mit hohem Aufwand seitens der Verwaltung verbunden. Ganz abgesehen von dem Ärger, den Anlieger mit oft dreisten Falschparkern hätten. Ratsmitglied Wolfgang Lutz (SPD) versicherte, das Gremium sei sich der angespannten Situation bewusst und werde vorsichtig damit umgehen.

Verständnis für Befürchtungen

Arnim Bledow (Grüne und Unabhängige) zeigte Verständnis für die Beunruhigung der Itzelberger. Schließlich habe man „zum Beispiel beim Pavillon entsprechende Erfahrungen gemacht mit der Vorgehensweise der Familie Oelkuch“. Dazu passten auch Äußerungen, dass alles schon in trockenen Tüchern sei. Ob die so gefallen seien oder nicht, könne man nicht beurteilen, distanzierte sich der Bürgermeister und hielt Bledow vor, sich mit Vergangenem aufzuhalten. Fakt sei, dass in der aktuellen Sache noch alles offen sei.

Fragesteller Ulrich Eberhardt bat abschließend das Gremium eindringlich, die Sorgen der Itzelberger und deren Wir-Gefühl ernst zu nehmen. Rund um den See werde immer mehr platziert, was die ganze schöne Atmosphäre zunehmend verderbe. Itzelberg müsse liebens- und lebenswert bleiben.

Seit 1978 auf Expansionskurs am Itzelberger See

Die Familie Oelkuch hat den 1973 von der Heidenheimer Familie Vinzenz Schneider angelegten Minigolfplatz am Itzelberger See im Jahr 1978 erworben und seitdem das Angebot sukzessive ausgebaut.

Der Biergarten ging zehn Jahre später in Betrieb, im Jahr darauf die Pit-Pat-Anlage. Dann wurden die WCs erweitert, 1995 folgten Zelt und Bar als „Regenunterstand“ für die Gäste.

Große Aufregung verursachte im Vorfeld der Bootsverleih, der schließlich 2012 in Betrieb gehen konnte. Seitdem trennt eine schwimmende Absperrung den Tourismusteil des Sees von der Vogelinsel und schützt diese vor allzu neugierigen Ausflüglern.

Ein Floß ergänzt seit 2012 des Angebot und seit 2016 gibt es die von der Gemeinde auch im Blick auf den großen Spielplatz nebenan erbaute moderne WC-Anlage inklusive Behinderten-WC.

Die Besucherzahlen wuchsen mit dem erweiterten Angebot, der Andrang nahm Jahr für Jahr zu und damit auch die Parkprobleme in der Uferstraße.

Bisher beschränken diese sich jedoch weitgehend auf die von März bis Oktober währende Saison.

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