Gerstetten Pizzeria geschlossen - nach 22 Jahren sagt Giovanni Ciao

Nach 48 Jahren in Deutschland geht Giovanni Barresi zurück in seine Heimat Sizilien.
Nach 48 Jahren in Deutschland geht Giovanni Barresi zurück in seine Heimat Sizilien. © Foto: Christian Thumm
Gerstetten / Christine Weinschenk 22.06.2018
Nach 22 Jahren in Gerstetten hängt Giovanni Barresi die Küchenschürze an den Nagel und geht zurück in seine Heimat Sizilien.

„Der Nachfolger wird es schwer haben“, ist in der letzten Google-Bewertung für die Pizzeria da Giovanni zu lesen. Mit Lob für die Küche wird nicht gespart. Trotzdem: 22 Jahre nach der Eröffnung hat Inhaber Giovanni Barresi sein Ristorante in der Charlottenstraße geschlossen und verkauft.

1,12 Mark Stundenlohn

In Deutschland lebt Barresi seit 48 Jahren – Pizzen hat er nicht immer gebacken. Nach seiner Ankunft in Deutschland arbeitete er 17 Jahre lang bei der WMF in Geislingen. Das Datum seines ersten Arbeitstages hat er noch genau im Kopf: der 9. Juli 1970. Damals war er erst 14. Damit er überhaupt arbeiten durfte, hatte man seine Geburt kurzerhand etwas rückdatiert. „Man durfte ja erst ab 15 arbeiten“, erklärt er. Als Glaseinträger in der Fabrik habe er eine Mark und zwölf Pfennige pro Stunde verdient. „Das waren 500 bis 600 Mark pro Monat – ein guter Verdienst und damals ist noch mehr hängengeblieben als heute“, sagt er lachend. Seine Aufgabe war es, frisch geformte Gläser auf das Kühlband zu bringen. Später arbeite er als Glasbläser.

Von einem Kulturschock kann Barresi nicht berichten. „Ich habe mich vom ersten Tag an in Deutschland wohlgefühlt“, sagt er. Seine Eltern waren schon drei Jahre vor ihm nach Deutschland gekommen, als er noch eine Klosterschule auf Sizilien besuchte. Eltern und Geschwister arbeiteten ebenfalls bei der WMF. Die Sprache habe er sich selbst innerhalb von drei Monaten beigebracht. „Ich hatte nie einen Sprachkurs und bin stattdessen ständig mit einem deutsch-italienischen Wirtschaftslexikon in der Hosentasche herumgelaufen.“

Glasbläser bei der WMF

Obwohl ihm die Arbeit in der Glasbläserei gefiel, begann er 1985 einen Nebenjob in der Gastronomie. „Da habe ich schnell gemerkt, dass mir das Spaß macht und vor allem, dass ich das kann.“ Zwei Jahre später eröffnete er eine Pizzeria in Böhmenkirch. Vier Jahre darauf übernahm er einen Imbiss in Heidenheim. 1996 zog er dann mit Frau und Sohn nach Gerstetten und eröffnete die Pizzeria da Giovanni.

Es sei ein Senkrechtstart gewesen. „Die Gerstetter kannten meine Küche schon aus Böhmenkirch“, erklärt der 62-Jährige. Er habe immer nach eigener Rezeptur und nicht nach Kochbüchern gearbeitet. „Ich habe gekocht, was mir schmeckt und das ist gut angekommen.“ Manches italienische Gericht musste er etwas eindeutschen. War seinen Gästen zu Beginn etwa die Saltimbocca-Sauce aufgrund der Menge an Weißwein zu sauer, verfeinerte er sie schlicht mit reichlich Sahne und traf damit den Geschmack.

Nicht ohne Stolz berichtet er, dass man bereits vor zehn Jahren glutenfreie Pizza und Pasta in die Speisekarte aufgenommen habe. „Dafür sind sogar Gäste von Stuttgart nach Gerstetten gefahren.“ Gelebt habe er jedoch überwiegend von seiner Stammkundschaft. Ein heikles Publikum? „Man sagt ja, die Schwaben seien schwierige Menschen, aber ich hatte in 48 Jahren nie Differenzen. Ich liebe die Deutschen – ich habe ja sogar eine geheiratet“, sagt er lachend.

Die Liebe für die alte Heimat

Aber warum dann nach so vielen Jahren die Rückkehr nach Italien? Abgerissen sei der Kontakt nach Sizilien nie ganz. „Und mein Herz hat immer für die alte Heimat geschlagen“, sagt Barresi. Vor drei Jahren, während eines längeren Urlaubs auf Sizilien, sei die Entscheidung dann gefallen. Und inzwischen wurden Nägel mit Köpfen gemacht. Die Pizzeria ist geschlossen, das Haus verkauft, nur die Schlüsselübergabe und ein paar Behördengänge stehen noch aus.

Zur Ruhe wird sich Giovanni Barresi im sizilianischen Barrafranca übrigens nicht setzen. Die Küchenschürze wolle er zwar nur noch für Freunde anlegen, aber er habe schon vor Jahren eine Orangen- und Gemüseplantage geerbt, die er nun bewirtschaften will. Und was sagt seine Frau zu den Plänen? „Sie war schon immer von Sizilien fasziniert und ist richtig happy.“

Nachfolger gefunden

Einen Käufer und damit Nachfolger hat Giovanni Barresi für seine Pizzeria bereits gefunden. Er stammt ebenfalls aus Sizilien und möchte die Gaststätte mit italienischer Küche weiterführen. „Ich wünsche ihm, dass er Fuß fassen kann und so gut aufgenommen wird wie ich“, sagt Barresi. Nach einigen Renovierungsarbeiten soll die Pizzeria in der Charlottenstraße im August oder September wieder geöffnet werden.

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