Herbrechtingen Pflanzen-Tipps aus Herbrechtingen für Südamerika

Kräuter-Crashkurs für den Besuch aus Argentinien: Apotheker Ulrich Trittler (links) führte Pfarrer Alwin Nagy und dessen Begleiterin Ana Carolina Castillo durch den Kräutergarten an der Langen Straße. Für das Berufsprojekt, das sie planen, machten sie sich eifrig Notizen.
Kräuter-Crashkurs für den Besuch aus Argentinien: Apotheker Ulrich Trittler (links) führte Pfarrer Alwin Nagy und dessen Begleiterin Ana Carolina Castillo durch den Kräutergarten an der Langen Straße. Für das Berufsprojekt, das sie planen, machten sie sich eifrig Notizen. © Foto: Christian Thumm
Herbrechtingen / Manuela Wolf 21.08.2018
Um ein Berufsprojekt in Argentinien zu unterstützen, führte der Herbrechtinger Apotheker Ulrich Trittler den eigens angereisten Besuch auf Spanisch durch seinen Heilkräutergarten.

Santiago del Estero ist eine landwirtschaftlich geprägte Provinz im Nordwesten Argentiniens. Wie in großen Teilen des Landes, leiden die Menschen auch hier unter vielfältigen strukturellen Problemen. Und trotzdem ist Santiago ein Ausnahmefall: Als Partnerdiözese der katholischen Christkönigkirche Ravensburg bekommt es Hilfe aus Deutschland – Hilfe zur Selbsthilfe.

In dieser Mission besuchte Pfarrer Alwin Nagy, der selbst viele Jahre in Argentinien gelebt hat und sich dort seit drei Jahren für das Franziskus-Projekt „Laudato Si“ engagiert, seinen früheren Wirkungskreis Herbrechtingen. Gemeinsam mit Ana Carolina Castillo ließ er sich den Heilkräutergarten der Apothekerfamilie Trittler zeigen. Welche Pflanze hilft gegen Blasenentzündung? Was kann man tun gegen Kopfweh?

Empfehlungen aus erster Hand

Der Inhaber der Adler-Apotheke empfahl bei der auf Spanisch gehaltenen Führung ausschließlich Kräuter, die er bei einem Besuch in Santiago del Estero in Gemüsegärten, entlang von Bahngleisen oder gar in gepflasterten Hinterhöfen zahlreich entdeckt hatte. Heilkraut statt Unkraut, kostenlos und trotzdem hochwirksam, nahezu immer verfügbar – der Schwerpunkt lag auf praktischen, einfach umzusetzenden Alltagstipps.

Wichtig war Trittler auch, Alternativen anzubieten: Wasser mit Zitronenmelisse und Stevia als Ersatz für Eistee, eine Paste aus Leinsamen als Heilsalbe bei Entzündungen, geriebener Apfel gegen Durchfall, Topinambur statt Kartoffel. Denn noch viel schneller und häufiger als hier, so der Eindruck der deutschen Helfer, werden in Argentinien teure Medikamente verabreicht – selbst bei Schnupfen greife man dort zu Antibiotika. Der immense Zuckerkonsum ist das zweite große Problem. Kaum ein anderes Nahrungsmittel ist so günstig und wird deshalb reichlich und ständig konsumiert. Diabetes, Übergewicht und Karies sind die Folge.

Die Besucherin aus Argentinien machte sich zu allem, was der Apotheker zu sagen hatte, eifrig Notizen – natürlich nicht ohne Grund. Denn die 36-Jährige koordiniert die ökologischen Jugendprojekte in der Region nahe der Großstadt Fernández. Junge Menschen in Lohn und Brot zu bringen, ist Ziel ihrer Arbeit.

In einem viermonatigen Kurs werden Grundkenntnisse unter anderem zu Solarenergie, alternativem Wohnungsbau und gesunder Ernährung vermittelt. Dank der fachkundigen Unterweisung durch den Herbrechtinger Apotheker kann Ana Carolina Castillo nun auch Wissen über die heilende Kraft der Pflanzen weitergeben. Trittler: „Leider bin ich zu weit entfernt, um vor Ort anzuleiten. Ich sehe mich nur in der Rolle des Ideengebers. Aber ich hoffe, dass ich einen kleinen Teil dazu beitragen kann, dass Arzneipflanzen wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung rücken.“

Fachwissen bringt Veränderung

Schon mehrfach haben Anreize aus Deutschland in den letzten Jahren vor Ort Gutes bewirkt – wo Fachwissen vermittelt wird, wird Veränderung möglich. So können sich einige entlegene Viertel inzwischen mit Hilfe von Solaranlagen und Warmwasserspeicher selbst mit Energie versorgen. Der Bau von Stromleitungen ist nicht mehr nötig. Ähnliche Beispiele gibt es für den Ackerbau. Manche Familien haben ihr Land für Spottpreise an die Agrarindustrie verkauft. Auf diesen Flächen wird nun im großen Stil Soja für die Produktion von Speiseöl angebaut. Die „Laudato Si“-Mitstreiter um Pfarrer Nagy arbeiten auf ein Umdenken hin. Nicht der Profit soll im Vordergrund stehen, sondern ein gesundes, naturverbundenes Umfeld, das die Gesundheit fördert: „Daraus kann eine Lebensaufgabe, eine Berufung werden.“

Die grüne Oase an der Langen Straße – Jeder kann sie sich ansehen

Ulrich Trittler hat den Kräutergarten an der Langen Straße gemeinsam mit seinem fachkundigen Vater schon im Jahr 2001 angelegt. Motto: ein Kräutergarten für Santiago. Seitdem besteht reger Kontakt zwischen Herbrechtingens Kräuter-Experten und der argentinischen Provinz.

So reiste Ulrich Trittler beispielsweise im Jahr 2007 nach Santiago del Estero, um Vorträge über Arzneipflanzen zu halten. In seiner Adler-Apotheke empfiehlt er Kunden auf Nachfrage gerne Alternativen zur medikamentösen Behandlung und greift dabei auf jahrelange Erfahrung auf diesem Gebiet zurück.

In seinem Garten wachsen über 400 Pflanzen, die er mit Schildern versehen hat, um deren Bedeutung als Heilpflanzen und auch als Ursprung und Ergänzung der synthetisch hergestellten Medikamente zu verdeutlichen.

Von April bis Oktober bietet er Gruppenführungen für Ärzte und Patienten, für Schüler und Vereine an. Wer möchte, kann diese grüne Oase auch auf eigene Faust besichtigen: Montag bis Freitag von 8 bis 13 Uhr und von 14 bis 18.30 Uhr, Samstag von 8 bis 13 Uhr.

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