Herbrechtingen Patenschule in Kamerun: Ein Besuch steht an

Herbrechtingen / Elena Kretschmer 10.10.2018
Zum zweiten Mal reist eine Gruppe der Herbrechtinger Bibrisschule nach Kamerun, um sich vor Ort anzusehen, was die Spenden ihres Fördervereins bewirken. Initiatorin Petra Zeiner ging schon die erste Reise unter die Haut.

Dass in Kamerun viele arme Menschen leben, war Lehrerin Petra Zeiner durchaus bewusst, „aber dass es so viele sind...“. Über diese Erkenntnis unterhielt sich die 60-Jährige bei ihrem ersten Besuch Anfang 2017 dort auch mit einem Einheimischen. Der hatte sie zu sich nach Hause in ein Elendsviertel eingeladen, weil seine Kinder noch nie Weiße gesehen hatten. Was er ihr dann antwortete, beeindruckte die Hermaringerin zutiefst: „Wir sind nicht arm. Der Dschungel gibt uns Essen und Trinken, ihr baut uns eine Schule, und wir hatten seit vielen Jahren keinen Krieg mehr.“ Diese Bescheidenheit konnte Zeiner kaum fassen.

Patenschule statt Patenkind

Der Grund für ihre Reise nach Afrika war das Projekt Patenschule, das sie und ihre Tochter Lea Gräß an der Herbrechtinger Bibrisschule ins Leben gerufen hatten. „Ich hab' schon immer gedacht, wir brauchen ein Patenkind oder irgendwas für unsere Schule. Sieben Jahre später haben wir statt einem Kind gleich zwei Schulen“, sagt Zeiner freudig. Und alles nur, weil sie vor Jahren durch Zufall im Italien-Urlaub eine Frau namens Antonea kennenlernte, die in Kamerun gelebt und unterrichtet hat. Nach deren Schilderungen stand für Zeiner fest, dass sie sie unterstützen möchte.

Ab 2011 waren es Zeiner und ihre Tochter, die die Schule in Nguinda zunächst privat mit Lernmaterialien unterstützten. Im Laufe der Zeit spendeten immer mehr Außenstehende. „Wir haben relativ schnell viel Geld zusammenbekommen und haben dann vor fünf Jahren den Förderverein gegründet“, erklärt Zeiner und fügt schmunzelnd hinzu: „Mittlerweile bekommen wir manchmal 1000Euro und wissen gar nicht, woher sie kommen.“ Dafür sei meist der Banker ihres Vertrauens verantwortlich. „Alle wissen, dass das Geld zu 100 Prozent dort ankommt und nichts abgezweigt wird“, betont Ursula Röschl, die Vorsitzende des Fördervereins. „Auch die Besuche vor Ort werden von den Reisenden selber bezahlt.“

Der zweite Besuch in Kamerun steht kurz bevor. In den Herbstferien reist Zeiner mit ihrer Tochter und drei Unterstützern auf Einladung des Bürgermeisters dorthin – diesmal nach Leboudi, zur zweiten Patenschule. Zeiner erklärt: „Die erste Schule in Nguinda ist seit 2017 komplett saniert. Da sollte für die kommenden 50 Jahre alles gesichert sein.“ Man habe eine Toilette gebaut, den Brunnen repariert, zwei gemauerte Schulhäuser mit Dächern errichtet und die baulichen Voraussetzungen geschaffen, um den 220 Schülern gutes Lernen zu ermöglichen. „Man hat uns auch gesagt, wir sollen nicht zu viel in einem Dorf machen, weil sonst andere neidisch werden könnten“, so Zeiner. Beim ersten Besuch lernten sie schließlich einen jungen Mann kennen, der sie auf die zweite Schule aufmerksam machte. „Da haben wir jetzt schon eine kleine Solaranlage auf einem Dach finanziert.“ Außerdem sei ein von ihnen engagierter Maurer gerade dabei, die „Bretterverschläge“, wie Zeiner sie nennt, in denen ein Teil der rund 520 Schüler momentan unterrichtet wird, in Häuser mit gemauertem Fundament und richtigen Dächern zu verwandeln.

Ein Hühnerherz zum Dank

Im Gegensatz zur ersten Schule, bei der Zeiners Freundin Antonea stets das Geld von Italien nach Kamerun gebracht hatte, ist es in Leboudi etwas schwieriger. „Geld zu transferieren ist nicht so einfach wegen dem Geldwäschegesetz“, weiß Zeiner. Dennoch habe man eine Vertrauensperson vor Ort, die dafür sorge, dass es ankomme. Über 40.000 Euro wurden bisher nach Kamerun geschickt – „alles Spenden oder Geld, das durch Schüleraktionen zusammengekommen ist“. Denn auch die engagieren sich für ihre Patenschule, so Zeiner. „Ein Schüler, der selber nicht so viel hat, kam neulich zu mir, hatte die Hälfte seiner Spielzeugautos dabei und meinte, die soll ich mitnehmen.“

Ein Hühnerherz als Delikatesse

Zum Dank für die Spenden habe man beim Besuch 2017 ein großes Fest veranstaltet, mit Gottesdienst und Festessen. „Ich hoffe, ich muss nicht wieder ein Hühnerherz essen“, sagt Zeiner. Wer wichtig sei, bekomme das nämlich serviert. „Auf einem Thron musste ich auch sitzen. Das war mir so peinlich.“

Die Dankbarkeit habe man den Kindern angemerkt: „Für die ist es eine Ehre, überhaupt zur Schule gehen zu dürfen. Die haben noch Träume wie ein eigenes Haus mit Strom und fließendem Wasser.“ Eben das will sie auch ihren Schülern vermitteln: „Es ist wichtig, dass die Kinder hier verstehen, dass es nicht jedem so gut geht wie uns, und dass das größte Problem in Kamerun bestimmt nicht ist, was für ein neues Handy man bekommt.“

Mehr Fotos aus Kamerun gibt es auf der Facebook-Seite der Patenschule Kamerun. „Unsere Hilfe zählt“ unterstützt das Projekt mit der Nummer 23498 ebenfalls.

Spenden und Schüleraktionen

Unterstützt wird der Förderverein Patenschule Kamerun vor allem von den Schülern, die sich Aktionen ausdenken, wie zum Beispiel die Gestaltung eines Notizbuchs, das dann verkauft wurde. Beim Schulfest gibt es immer eine große Tombola mit Preisen, die örtliche Betriebe stiften. Es wird an Laufveranstaltungen teilgenommen und auch andere Schulen wie das Giengener Gymnasium spenden regelmäßig.

Außerdem gibt es seit vier Jahren die Veranstaltung „Metal4Africa“ in Ulm, bei der der komplette Reinerlös an den Förderverein geht. Zusätzlich findet dieses Jahr zum zweiten Mal ein Benefizkonzert in der Bibrisschule statt. Am Freitag, 19. Oktober, ab 18 Uhr stehen der Schulchor und drei weitere Acts auf der Bühne.

Der TSV Herbrechtingen hat für den Besuch in den Herbstferien drei Sätze alte Trikots, Springseile und Fußbälle gestiftet. Der Dank einer Mutter beim letzten Mal: „Es ist schön zu wissen, dass in Deutschland jemand an unsere Kinder denkt.“

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