Kinder Oma und Opa zum Ausleihen - bald auch in Herbrechtingen?

Eine Verbindung, die allen Beteiligten etwas bringt: In Herbrechtingen sollen nun Leihomas und -opas und interessierte Familien gefunden werden.
Eine Verbindung, die allen Beteiligten etwas bringt: In Herbrechtingen sollen nun Leihomas und -opas und interessierte Familien gefunden werden. © Foto: Ana Blasic-Pavlovic
Herbrechtingen / Günter Trittner 16.05.2013
Es spricht vieles dafür und nichts dagegen. Alle diejenigen, die sich bisher darauf eingelassen haben, berichten von guten Erfahrungen. Nun soll es auch in Herbrechtingen darum gehen, Leihomas und -opas zu finden.

Bislang ist in Heidenheim das Haus der Familie die Drehscheibe für das Vermitteln von Leihgroßeltern. Joachim Feldmeyer hat sich dieser Aufgabe verschrieben. Als „vorbildlich und beispielhaft“ bezeichnet Feldmeyer die Herbrechtinger Initiative, am Ort selbst um Leihgroßeltern zur werben und Familien anzusprechen. Ausgehend von einer Ideenwerkstatt in der Begegnungsstätte hat sich bereits ein Kreis formiert, der den Gedanken weiter verbreiten will. Zu diesem gehören die Stadtverwaltung, beide großen Kirchen, das Familienzentrum im Kloster und die Begegnungsstätte. Auf den 5. Juni um 15 Uhr ist wieder in der Begegnungsstätte eine Informationsveranstaltung terminiert, in der interessierte Familien und potenzielle Patengroßeltern Auskünfte über das Vermittlungsverfahren erhalten und auch bereits miteinander in Kontakt kommen können.

Leihgroßeltern ersetzten weder Kindergarten, noch Tagesmütter, erläutert Feldmeyer, noch seien sie billige Babysitter. Vielmehr seien Leihgroßeltern Vertrauenspersonen, die sich für eine begrenzte Zeit der Kinder annähmen, die Verständnis und Geduld mitbrächten und auch die Erfahrung einer älteren Generation.

Zu den drei Herbrechtinger Familien, die bereits ihr Leben um Leihgroßeltern bereichert haben, gehört die von Diakon Martin Schmidt. Zu den drei Kindern im Kindergartenalter kommt einmal die Woche nachmittags ein Leihgroßelternpaar. Es sei ein sehr guter Kontakt gewachsen, erzählt Schmidt, und ein gutes vertrauensvolles Verhältnis zwischen Oma, Opa und den Kindern. Warum Leiheltern? Die eigenen Eltern wohnten 200 Kilometer entfernt und damit zu weit weg, um stets mit ihren Enkeln in Kontakt stehen zu können. Schmidt weiß auch, dass seine Familie nicht allein ohne Großeltern dasteht. Drei-Generationen-Häuser würden im Wandeln der Gesellschaft immer seltener, meint auch Kirstin Bosch, die Leiterin des Fachbereichs Bürgerservice der Stadtverwaltung. Die Vermittlung von Leihgroßeltern sieht Bosch als eine wichtige Initiative an, um die Stadt familienfreundlich zu gestalten. „Es gibt einen Bedarf an Leihgroßeltern.“ Diese Aussage kann Joachim Feldmeyer aus seinen Unterlagen schnell bestätigen. Zwei Familien aus Herbrechtingen stünden auf der Warteliste.

Diakon Schmidt für die evangelische Kirche und Klara Stampf für die katholische Kirche wollen besonders in ihren Senioren-, aber auch Familienkreisen für die Idee der Patengroßeltern werden. Silvia Bauer wird dies im Bereich des Familienzentrums tun. Dieses bleibt am 5. Juni nachmittags geschlossen. Die Gruppen, die sonst am Mittwoch im Haus sind, will Bauer zur Leihgroßeltern-Information in die Begegnungsstätte mitnehmen.

Grundsätzlich geht die Gruppe davon aus, dass es genügend Bereitschaft bei der älteren Generation gibt, sich auf diese Weise ehrenamtlich zu engagieren. Aber, „man muss eben anklopfen und einen Anstoß geben“, weiß Klara Stampf. „Es wäre eine tolle Sache, wenn es klappen würde“, ist Silvia Bauer vom generationenverbindenden Wert der Leihgroßeltern überzeugt. Heiner Schießl, der das Werden der Begegnungsstätte von Beginn an verfolgt und mitgestaltet hat, rät zu einem geduldigen, aber nachdrücklichem Einsatz. „Es dauert immer etwas, bis der Stein ins Rollen kommt.“

Joachim Feldmeyer wird auch für interessierte Familien und Großeltern aus Herbrechtingen Ansprechpartner bleiben und diese über rechtliche und versicherungstechnische Themen informieren. Durch das Knüpfen eines Herbrechtinger Netzwerkes, so die Hoffnung von Kristin Bosch, werde es vielen Interessierten leichter fallen, solch eine familiäre Verbindung einzugehen.

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