Verstoß Ohrberg-Windräder liefen mehrmals unrechtmäßig

Viele Fleinheimer Bürger haben sich inzwischen bereits über den Lärm durch den Windpark Ohrberg beschwert. Unabhängig davon hat das Landratsamt in mehreren Fällen festgestellt, dass die Windräder in Hinsicht auf den Naturschutz unrechtmäßig gelaufen sind.
Viele Fleinheimer Bürger haben sich inzwischen bereits über den Lärm durch den Windpark Ohrberg beschwert. Unabhängig davon hat das Landratsamt in mehreren Fällen festgestellt, dass die Windräder in Hinsicht auf den Naturschutz unrechtmäßig gelaufen sind. © Foto: Sabrina Balzer
Joelle Reimer 29.08.2016
Wie das Landratsamt bestätigt, liefen die Windräder am Ohrberg mehrmals unrechtmäßig. Zudem häufen sich Lärmbeschwerden.

Dass in Fleinheim so manch einer seine Probleme mit dem erst kürzlich eingeweihten Dischinger Windpark Ohrberg hat, ist spätestens seit der jüngsten Ortschaftsratsitzung bekannt. Da nämlich hatten sich etliche Bürger über Schlafprobleme und die zu hohe Lärmbelästigung durch die Windräder beklagt – doch das waren längst nicht die ersten Beschwerden.

„Bereits beim Kinderfest haben mich bestimmt acht oder neun Leute darauf angesprochen, und dann kamen immer wieder neue Beschwerden dazu“, sagt Fleinheims Ortsvorsteher Wolfgang Hetzel. Fast die Hälfte aller Fleinheimer Haushalte, so schätzt Hetzel, hätten sich inzwischen über Probleme mit dem Windpark geäußert. Und zwar nicht nur gegenüber dem Ortsvorsteher, sondern auch direkt beim Landratsamt.

Lärm-Level wurde zweimal gemessen

Nachdem bei der ersten orientierenden Schallmessung, die das Landratsamt in Auernheim durchführen hat lassen, keine Überschreitung des zugelassenen Immissionsrichtwertes von 40 Dezibel festgestellt wurde, hat man nun auch zwei Mal in Fleinheim gemessen.

Doch auch hier: Die Lärmbelästigung lag unter 40 Dezibel, informiert Rainer Hinkelmann, Leiter des Bereiches Bau, Umwelt und Gewerbeaufsicht beim Landratsamt. „Zum Zeitpunkt der Messung liefen aber meines Wissens nach nicht alle Windräder und die auch nicht in Volllast“, so Hetzel. Die enorme Lärmbelästigung jedoch entstehe meist bei einer bestimmten Windrichtung und wenn mehrere oder alle Räder laufen.

Dass die Windräder allerdings bereits mehrmals zu Unrecht gelaufen sind, wird inzwischen auch seitens des Landratsamtes bestätigt. Hierbei geht es um die naturschutzrechtlichen Vorgaben, nach denen die Windräder zum Schutz der Fledermaus von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang abgeschaltet werden müssen, wenn es wärmer als fünf Grad ist, kein Regen und kein Nebel besteht und die Windgeschwindigkeit unter sechs Meter pro Sekunde liegt.

Windräder liefen außerhalb der Betriebszeiten

„Ich habe den Betrieb der Räder stichpunktartig beobachtet und alles notiert. Dass die Räder vielfach gelaufen sind, obwohl sie eigentlich nicht hätten laufen dürfen, deutet auf einen dauerhaften Verstoß hin“, so Hetzel. Und leider sei für ihn bisher keinerlei Handlung des Landratsamtes ersichtlich, um dies zu unterbinden. „Manchmal ist es auch so, dass die Räder abends still stehen und erst um Mitternacht oder später anlaufen“, sagt Hetzel. Doch genau dieser nächtliche Betrieb sei es eben, der nicht nur gefährlich für die Fledermauspopulation sei, sondern auch den Schlaf der Bürger störe.

„Aufgrund der Beschwerden haben wir die Betriebsdaten des Betreibers angefordert und konnten sehen, dass die Räder zu Zeiten gelaufen sind, in denen sie nicht hätten laufen sollen“, bestätigt Hinkelmann den Auflagenverstoß. An den Rädern gebe es Sensoren, die die Anlage bei gewissen Windgeschwindigkeiten oder bei Feuchtigkeit automatisch abstellen sollten, doch genau dies sei nun mehrmals nicht erfolgt. „Wir wissen allerdings noch nicht, ob es ein technischer Defekt ist oder ob die Sensoren falsch eingestellt sind. Das wird momentan geprüft“, so Hinkelmann.

Deswegen gab es bislang auch noch keine Konsequenzen für die Betreiberfirma Vensol. Aktuell laufe eine Anhörung des Betreibers, in der er zu den Vorwürfen Stellung nehmen muss. „Ein mögliches Bußgeld- oder Ordnungswidrigkeitsverfahren wird erst dann eingeleitet, wenn man weiß, ob der Betreiber wissentlich und somit schuldhaft gegen die Auflagen verstoßen hat“, erklärt Hinkelmann.

Keine Leuchten an den Rotoren

Darüber hinaus habe sich zusätzlich ein Problem mit der Beleuchtung der Anlagen ergeben: „Zwei bis drei Mal haben die Lichter außen an den Rotorblättern nicht funktioniert. Das wurde zwar gleich repariert, doch danach ist wieder eins ausgefallen. Das dürfte so eigentlich nicht vorkommen“, sagt Hinkelmann.

Wie bisher schon sammelt der Fleinheimer Ortsvorsteher Hetzel auch weiterhin stichpunktartig Daten und notiert, wann die Windräder gegen die Genehmigung verstoßen. Zusätzlich wurde an die Fleinheimer Einwohner ein Fragebogen verteilt, mit dem sie selbst die Lärmbelästigung erfassen können.

„Den Bogen gibt es auch in den Gasthäusern in Fleinheim und Auernheim und auf der Homepage der Gemeinde Nattheim“, so Hetzel. Darin können Beobachtungsort, Datum, Uhrzeit, Windrichtung, Windstärke, Witterung und die geschätzte Lärmstärke notiert werden. Auch Vogelbeobachtungen werden erfasst.

Unabhängig davon, so die Information vom Landratsamt, müssen im Rahmen der Genehmigung weitere Messungen eines zertifizierten Instituts innerhalb eines Jahres vom Anlagenbetreiber durchgeführt werden. Dabei würden nochmals Lärmmessungen sowohl in Auernheim, als auch in Fleinheim durchgeführt werden.