Standort Nur drei Fünftklässler: Aus für die Hauptschule in Nattheim

Aus den Reihen der rund 160 Zuhörer gab es bei der Bürgerversammlung keine Fragen oder Einwände zum Thema Wiesbühlschule. Wohl aber zum Thema Windkraft.
Aus den Reihen der rund 160 Zuhörer gab es bei der Bürgerversammlung keine Fragen oder Einwände zum Thema Wiesbühlschule. Wohl aber zum Thema Windkraft. © Foto: Foto: Oliver Vogel
Nattheim / Christine Weinschenk 14.05.2013
Die Wiesbühlschule wird ihren Hauptschulstatus verlieren. Das räumte Bürgermeister Norbert Bereska bei der Bürgerversammlung am Montagabend schweren Herzens ein. Der Zeitpunkt steht allerdings noch nicht fest.

Zweckoptimistisch war Bürgermeister Norbert Bereska bisher immer, wenn es um das Sorgenkind Wiesbühlschule ging. Bei der Bürgerversammlung am Montagabend in der Gemeindehalle redete er aber Klartext: „Auf kurz oder lang wird Nattheim nur noch eine Grundschule haben.“ Die Gründe liegen auf der Hand. Nur drei Fünftklässler wurden für das kommende Schuljahr angemeldet. Genauso viele Fünftklässler sind es im laufenden Schuljahr. „So kann man keine Sekundarstufe weiterführen“, sagte Bereska. Zu viele Schüler verliere man an Schulen in Heidenheim oder Neresheim. „Das hat sich jahrelang so eingespielt und dieser Zug lässt sich schwer stoppen.“ Bessere Busverbindungen etwa von Steinweiler nach Neresheim seien ein Grund. „Außerdem hat Neresheim ein ganzes Schulpaket vor der Haustür.“

Schon länger hatte sich die Frage gestellt, wie es mit dem Schulstandort weitergeht. Im laufenden Schuljahr war eine Kombi-Klasse eingerichtet worden – Fünft- und Sechstklässler werden gemeinsam unterrichtet. Der Antrag auf Gemeinschaftsschule war eben wegen der niedrigen Schülerzahlen jüngst abgelehnt worden. Auch dazu äußerte sich Bereska: Am Montag sei Kultusminister Andreas Stoch (SPD) in Nattheim gewesen. „Es sieht so aus, als würden einige Schulen, die bereits eine Zusage hatten, ihren Gemeinschaftsschulstatus wieder verlieren.“ Denn die Schulen müssten auf Dauer und nicht nur kurzfristig Zweizügigkeit nachweisen können.

An drei Windrädern verdienen

Offenbar haben sich die meisten Nattheimer bereits damit abgefunden, dass die Wiesbühlschule ihren Hauptschulstatus verlieren wird. Denn aus den Reihen der rund 160 Zuhörer gab es keine Fragen oder Einwände zum Thema. Mehr Reaktionen gab es dagegen zum Thema Windkraft.

Martin Seemann erläuterte als Vertreter der Stadt Heidenheim zunächst den aktuellen Stand. Durch den aufgestellten Teilflächennutzungsplan habe die Verwaltungsgemeinschaft Heidenheim-Nattheim die möglichen Windkraft-Standorte eingegrenzt. Sinnvoll sei der Betrieb von Windrädern am Zitterberg und bei Steinweiler am Schnepfenberg. Zudem auf einem gemeinsamen Areal mit der Stadt Heidenheim östlich der A 7 bei Großkuchen. „Das wird aber alles noch abgeklopft und artenschutzrechtlich untersucht“, sagte Seemann. „Es werden nicht überall Windräder gebaut. Und vor 2014 wird sich nirgends eines drehen.“

Rund 20 Anlagen mit einer Nabenhöhe von 160 Metern könnten rund um Nattheim aufgestellt werden, davon sechs zwischen Nattheim und Steinweiler (Zitter- und Schnepfenberg). Drei dieser Anlagen stünden auf fürstlichem Besitz, die drei weiterem auf Gemeindegebiet. Nur hier könnte die Gemeinde gut mit der Windkraft verdienen. Pro Windrad rechnet Bereska mit 35 000 bis 50 000 Euro an jährlichen Pachteinnahmen.

Aber genau diese Flächen scheinen manchem Nattheimer ein Dorn im Auge zu sein. „Dann sieht man in einem Winkel von 180 Grad nur noch Windräder. Das kann ich nicht gut heißen“, war eine Wortmeldung. „Wieso sollen die alle bei uns stehen? Andere Gemeinden können doch auch welche nehmen“, war eine andere. Bürgermeister Bereska verwies mehrmals auf die Notwendigkeit der Windkraft. Man müsse aus der Atomstromproduktion aussteigen. „Der Atommüll im Zwischenlager in Gundremmingen strahlt schließlich für 100 000 Jahre.“ Und allein mit den acht Windrädern in Zöschingen würden 10 000 Haushalte mit Strom versorgt. „Wenn ich aus dem Fenster sehe, sehe ich auch die Windräder in Zöschingen. Aber ich schaue sie nicht die ganze Zeit an.“

Barrierefreies Wohnen

Außerdem ging es bei der Bürgerversammlung um Wohnprojekte in der Nattheimer Ortsmitte. Das sogenannte Heilemann-Areal, auf dem die alte Esso-Tankstelle sowie Anbauten stehen, wurde von der Gemeinde erworben. Der Gebäudekomplex soll abgerissen werden. Mit dem danebenliegenden Blanz-Areal hat die Gemeinde rund 3000 Quadratmeter zur Verfügung. Dort sollen barrierefreie Wohnungen entstehen. Auch für die 6000 Quadratmeter großen Krautgärten hinter der Neuapostolischen Kirche gibt es ähnliche Pläne. Bereska betonte: Bei den barrierefreien Wohnungen soll es sich nicht um seniorengerechten Wohnraum oder gar ein Seniorenzentrum handeln. Die Wohnungen in der Ortsmitte sollen für Alt und Jung interessant sein. Wie viele Häuser mit wie vielen Wohnungen entstehen, ist noch unklar.

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