Niederstotzingen Römische Grabanlage stoppt neues Baugebiet

Der Bereich „Hinter der Mauer“ bei Oberstotzingen mit Blick zum Schloss: Auf diesem landwirtschaftlichen Areal würde die Stadt Niederstotzingen gerne Bauplätze ausweisen. Doch aufgrund neuer archäologischer Befunde ist das nicht so einfach.
Der Bereich „Hinter der Mauer“ bei Oberstotzingen mit Blick zum Schloss: Auf diesem landwirtschaftlichen Areal würde die Stadt Niederstotzingen gerne Bauplätze ausweisen. Doch aufgrund neuer archäologischer Befunde ist das nicht so einfach. © Foto: Sabrina Balzer
Niederstotzingen / Klaus Dammann 23.07.2018
Im Bereich hinter dem Oberstotzinger Schloss würde die Stadt Niederstotzingen gerne Bauplätze bereitstellen. Doch Untersuchungen ergaben, dass hier ein Bodendenkmal vorhanden ist.

Die Niederstotzinger Stadtverwaltung sieht aufgrund der aktuellen Bauplatzverkäufe die Notwendigkeit, neue Baugebiete zu erschließen. Weil möglichst in allen Ortsteilen ein Angebot bestehen soll, ist man für Oberstotzingen auf einen rechtskräftigen Bebauungsplan aus den sechziger Jahren zurückgekommen, der bislang nicht umgesetzt wurde. Im landwirtschaftlich genutzten Bereich „Hinter der Mauer“, der sich hinter dem Oberstotzinger Schloss befindet, sieht die Stadt „eine grundsätzlich bebaubare Fläche“.

Dennoch fand sich die Verwaltung jetzt genötigt, zur Planungssicherheit eine Untersuchung des Bereichs vornehmen zu lassen, da der Flächennutzungsplan auf eine „archäologische Verdachtsfläche“ in dem Gebiet hinweist. Das Landesamt für Denkmalpflege sei mit einer Sondage beauftragt worden, berichtete Bürgermeister Marcus Bremer in der Sitzung des Gemeinderats. Ziel sei gewesen, zu klären, ob es hier archäologische Befunde im Boden gibt oder nicht. Sollte es zu Funden kommen, werde eine umfangreiche Ausgrabung erforderlich, deren Kosten die Stadt übernehmen müsse.

„Es kam etwas heraus“

Mit der Aussage „Bei der Sondierung kam etwas heraus“ übergab Bremer das Wort an Dr. Andreas Thiel, den zuständigen Gebietsreferenten beim Denkmalamt. In dem Gebiet seien schon aus Luftbildern im Zusammenhang mit dem Flächennutzungsplan seltsame Strukturen im Boden zu erkennen gewesen, so Thiel. Da sich hier ein archäologisches Denkmal ergeben könnte, habe man im Mai das Gelände einer zweiwöchigen Prospektion unterzogen.

Gefunden worden seien gleich mehrere archäologische Denkmäler. Zum einen sei dies ein Mauergeviert, das als eine römische Grabanlage aus dem zweiten bis dritten Jahrhundert zu deuten sei. Zu einem schon bekannten römischen Hof gehöre möglicherweise ein entdecktes Gräberfeld. Darüber hinaus gebe es auch Befunde aus vorangehenden Phasen: aus der Eisenzeit (etwa 500 vor Christus) und der Bronzezeit (etwa 1000 vor Christus). Die Bereiche links und rechts der Sondagefläche – etwa 90 Prozent des rund 16 500 Quadratmeter großen Gebiets – habe man bislang nicht angerührt.

„Sie haben schon zwei Dutzend archäologischer Denkmäler auf der Markung und jetzt ist es noch eines mehr“, sagte Thiel. Und dieser neue Befund sei als Denkmal geschützt. Wenn der Bebauungsplan umgesetzt werden soll, müsse der Veranlasser – die Stadt – eine Ausgrabung vornehmen. „Wir raten Ihnen, dies vorher zu machen.“ Beauftragen solle man dafür eine archäologische Privatfirma. Thiel hatte aber auch Lob für die Stadtverwaltung parat: „Bislang haben Sie alles richtig gemacht.“

12 000 Euro habe die Stadt für die Sondage aufbringen müssen, so Bremer. Da etwa ein Zehntel der Fläche untersucht sei, könne man sich die Kosten für eine komplette Ausgrabung ausrechnen. Kosten, die sich auf die Bauplatzpreise niederschlagen würden.

Ob die Stadt nach einer Ausgrabung auch für die Bearbeitung der eventuellen Funde aufkommen müsste, fragte Stadträtin Sylvia Bader an. Thiel erläuterte, dass die Kosten für das Eintüten und den Transport der Funde tatsächlich anfallen würden. Danach trage die weiteren Kosten dann das Land Baden-Württemberg.

Vollständige Ausgrabung?

Manfred Roth wollte wissen, ob von der kompletten Fläche von rund 16 500 Quadratmeter auszugehen sei oder ob die relevante Fläche auch kleiner ausfallen könne. Thiel: „Ich befürchte, dass die Gesamtfläche zu machen ist.“

Für den Gemeinderat stand bei diesem Thema nur Kenntnisnahme von den Informationen dazu an, um sie als Grundlage für eine spätere Diskussion des Gremiums über ein mögliches Baugebiet „Hinter der Mauer“ in Oberstotzingen verwenden zu können.

Sondage und archäologische Befunde

1610 Quadratmeter der insgesamt 16 490 Quadratmeter großen Fläche des Gebiets für den Bebauungsplan „Hinter der Mauer“ in Oberstotzingen wurden bei der Sondage des Landesdenkmalamts untersucht. Insgesamt legten die Archäologen sechs Schnitte an, von denen nur zwei befundfrei waren.

20 archäologische Befunde aus Bronzezeit, Eisenzeit und römischer Epoche traten zutage. Im einen Fall wurde ein 4,7 mal 5,7 Meter großes Fundament entdeckt. Bei diesem Mauergeviert gehen die Ausgräber vom Denkmalamt von einer römischen Grabanlage aus. Gefunden wurden viele Teile römischer Keramik. Eine andere Grube stellte sich als römisches Urnengrab heraus. Weitere Gruben waren im Umfeld vorhanden, was zur Einschätzung eines Gräberfelds führte.

Aktuell ist auf der landwirtschaftlichen Fläche von den Untersuchungen nichts mehr erkennbar.

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