Wasserversorgung Dischingen und Trugenhofen erhalten neuen Wasserhochbehälter

Edelstahlbehälter, die es in sich haben: Der neue Hochbehälter Englischer Wald zur Wasserversorgung von Dischingen und Trugenhofen ist fertig.
Edelstahlbehälter, die es in sich haben: Der neue Hochbehälter Englischer Wald zur Wasserversorgung von Dischingen und Trugenhofen ist fertig. © Foto: Sabrina Balzer
Dischingen / Klaus Dammann 29.10.2017
Der jetzt eingeweihte Hochbehälter Englischer Wald kostete 1,6 Millionen Euro, ersetzt zwei andere und sichert langfristig die Versorgung in Dischingen und einem der Teilorte.

Lang war die Planungszeit, die hinter dem äußerlich unscheinbaren Holz-Bauwerk im Englischen Wald liegt: Bis ins Jahr 2001 reicht sie zurück. Hoher Sanierungsbedarf am Dischinger Wasserhochbehälter Spitziger Berg und Klagen aus dem Teilort Trugenhofen über mangelnden Wasserdruck führten damals zum Einstieg in Überlegungen für einen Neubau, der beide Probleme lösen sollte.

16 Jahre später ist der neue Hochbehälter Englischer Wald jetzt fertiggestellt und ersetzt sowohl den Sanierungsbedürftigen in Dischingen wie den alten für Trugenhofen Dienenden, der sich im Wald unmittelbar neben dem am Freitag eingeweihten Bauwerk in einem Hügel befindet.

Englischer Wald ist Kulturdenkmal

Bei der Feier im Neubau betonte Bürgermeister Alfons Jakl die gelungene Einbindung des Bauwerks in seine Umgebung: „Wir haben die zwei Behälter ganz gut in diesem Holzschuppen versteckt.“ Hintergrund dazu sei, dass der Standort Englischer Wald als Kulturdenkmal ausgewiesen und „als sehr sensibler Bereich eingestuft“ sei.

Ursprünglich habe der Zweckverband Wasserversorgung Egaugruppe als Auftraggeber fungieren sollen, doch habe dies dann der Eigenbetrieb Wasserversorgung der Gemeinde Dischingen übernommen, so Jakl. Die Planungs- und Baukosten bezifferte er auf rund 1,6 Millionen Euro. Möglich geworden sei der Neubau aber nur dank eines Landeszuschusses von 1,01 Millionen Euro, was einem Fördersatz von 76,1 Prozent der Nettokosten entspricht.

Förderung hat ihren Preis

„Die großzügige Unterstützung hatte aber ihren Preis“, rief der Bürgermeister in Erinnerung. Die Förderhöhe sei nur möglich geworden, weil Dischingen bei Wasser und Abwasser „satte Gebühren“ erhebt: 7,21 Euro je Kubikmeter. Somit werde den Gebührenzahlern einiges abverlangt.

Schon bei der Planung im Jahr 2001 hätten Kosten von 840 000 Euro im Raum gestanden – „jetzt sind wir fast beim Doppelten“, sagte Jakl. Und stets sei klar gewesen, dass der Neubau ohne Landesmittel unmöglich ist. Das Verfahren habe dann geruht und sei 2010 wieder aufgegriffen worden. Die weitere Planung übernahm dann der Steinheimer Ingenieur Helmut Kolb.

Jakl würdigte auch die Unterstützung des Vorhabens durch den Zweckverband Landeswasserversorgung (LW). So seien 2014 die Chancen auf einen Landeszuschuss als gering eingestuft worden, wenn kein Strukturgutachten vorliege. Hier habe sich die LW eingesetzt und wenige Wochen später lag das Gutachten vor.

Zustimmung durch Fürstenhaus Thurn und Taxis

Der Bürgermeister vergaß auch nicht, die Zustimmung des Fürstenhauses Thurn und Taxis als Grundstücksbesitzer sowie anderer Grundeigentümer für den notwendigen Leitungsbau hervorzuheben. Nach Trugenhofen seien Strom- und Gasleitung sowie Rohre zur Breitbandversorgung verlegt worden.

„Wir sitzen hier auf großen Grundwasservorkommen“, leitete Jakl seinen abschließenden Appell für finanziellen Ausgleich der durch Auflagen belasteten Gemeinde ein. Die LW zahle an das Land für die Wasserentnahme aus der Dischinger Buchbrunnenquelle fast 1,3 Millionen Euro. Die Gemeinde sehe von diesem Geld nichts: „Das darf nicht so sein.“

Bei den Kosten habe man eine „Punktlandung“ erzielt, sagte Ingenieur Helmut Kolb. Bis auf die Firma für die Elektrotechnik würden alle beteiligten Unternehmen aus der Gemeinde Dischingen stammen. Der Hochbehälter sei als Stahlbetonbau mit einem Holzaufbau in Holz-Ständer-Bauweise errichtet worden. Die Lärchenverschalung nach außen passe sich in das normale Landschaftsbild ein.

400 Kubikmeter Volumen

Vor Ort wurden die beiden je 200 Kubikmeter Wasser fassenden Edelstahlbehälter geschweisst. Es sei wartungsarmer bzw. -freier Betrieb möglich. Die Druck- und Fallleitung von bzw. nach Dischingen erstrecke sich über 1,2 Kilometer Länge. Es bestehe jetzt ein ausreichender Wasserdruck zur Versorgung von 600 Einwohnern in Dischingen und 170 in Trugenhofen.

Gebaut wurde am neuen Hochbehälter von Mai 2016 bis Juli 2017, die Inbetriebnahme erfolgte im August. Das Gebäude selbst misst 18,60 mal 11,10 Meter bei einer Höhe von 8,60 Meter, die beiden Behälter im Inneren haben einen Durchmesser von sieben Meter und eine Höhe von 6,30 Meter.

Die wesentliche Verbesserung der Versorgungssicherheit und -infrastruktur hob Prof. Dr. Frieder Haakh, der technische Geschäftsführer der LW, hervor. Die wesentlichen Daten der Behälter seien auch bei der LW im Wasserwerk Langenau abzulesen. Beim Neubau im Englischen Wald bestehe das „Top-Niveau des heute in der Wasserversorgung Möglichen“. Als Geschenk sicherte Haakh der Gemeinde eine Million Liter Wasser – quasi als „erste Füllung“ – zu.

Die kirchliche Weihe der neuen Einrichtung übernahm dann abschließend Pfarrer Dr. Dietmar Horst, der berichtete, dass die katholische Kirche auch eine spezielle Segnung für Wasserversorgungsanlagen vorsehe.

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