Bolheim Neue Kiesbänke für mehr Natürlichkeit an der Brenz

Die Kiesbänke und das Totholz entlang des Ufers der Brenz zwischen Bolheim und Anhausen sind Teil der Gewässerstrukturmaßnahmen des Stuttgarter Regierungspräsidiums.
Die Kiesbänke und das Totholz entlang des Ufers der Brenz zwischen Bolheim und Anhausen sind Teil der Gewässerstrukturmaßnahmen des Stuttgarter Regierungspräsidiums. © Foto: Sabrina Balzer
Bolheim / Elena Kretschmer 26.05.2018
Zwischen Bolheim und Anhausen ist der Fluss nun wieder naturnah. Bisher wurde im und am Wasser gearbeitet, im Herbst wird das Ufer bepflanzt.

Die Brenz für Menschen und Tiere attraktiver machen – das will das Regierungspräsidium Stuttgart mit sogenannten Gewässerstrukturmaßnahmen erreichen. In diesem Fall bedeutet das, dass verschiedene Veränderungen am Flusslauf vorgenommen werden, die ihn wieder natürlicher machen. Solche Maßnahmen hat der Landesbetrieb Gewässer in den vergangenen Wochen auf einer Länge von rund 450 Metern zwischen Anhausen und Bolheim durchgeführt.

In den 60er Jahren hatte man die Brenz in diesem Abschnitt kanalartig ausgebaut und das Gewässerbett sehr gleichförmig gestaltet. Bisher floss das Wasser also schnurgerade das Flussbett hinunter. Außerdem sind die Uferbereiche auf beiden Seiten nur sehr spärlich bewachsen.

Mehr Lebensraum für Pflanzen und Tiere

Ziel ist es, das Gewässer wieder in einen naturnahen Zustand zu versetzen, wie es in der europäischen Wasserrahmenrichtlinie und im Wassergesetz vorgesehen ist. Um diesen Vorgaben gerecht zu werden, bedurfte es Verbesserungen im aquatischen und amphibischen Bereich. Als aquatischer Bereich wird bei einem Gewässerbett der Bereich bezeichnet, der fast ständig mit Wasser bedeckt ist. Darin haben beispielsweise Fische oder Flusskrebse ihren Lebensraum. Zudem ist er im Larvenstadium Siedlungsraum vieler Insekten und daher für viele Vögel eine Nahrungsgrundlage. Der amphibische Bereich liegt zwischen Mittel- und Niedrigwasser: Es fließt also nicht ständig Wasser in diesem Bereich, der Lebensraum einer Vielzahl geschützter Pflanzen und Tiere ist.

Um neue, verschiedenartige Lebensräume zu schaffen, wurden zahlreiche sogenannte Mittelwasserbuhnen in unterschiedlichster Ausführung modelliert. Das sind kurze Wälle vom Ufer in Richtung Flussmitte, die aus Wasserbausteinen errichtet werden. Sie tragen dazu bei, dass die Brenz in diesem Abschnitt nun mehr in Tiefe und Breite variiert und die Struktur der Uferzone verbessert wird. Zudem gibt es an verschiedenen Stellen Kiesbänke, um die Eigendynamik der Brenz zu fördern, sodass neue Kiessohlen und Flachwasserzonen entstehen. Neue Steilufer dienen künftig als potenzielle Brutmöglichkeit für den Eisvogel. Totholz soll als Fischunterstand fungieren.

Im Herbst wird das Ufer bepflanzt

Um die Maßnahmen zu vervollständigen, folgen im Herbst Uferbepflanzungen. Im Oktober oder November werden Gehölze wie Schwarzerle, Feldahorn und Pfaffenhütchen gepflanzt, die für mehr Schatten am Gewässer sorgen und den Randstreifen aufwerten sollen.

Der Fischereiverein Bolheim begrüßt die Veränderungen. Der stellvertretende Vorsitzende Friedrich Hötzsch erklärt: „Durch die Kurven ist das Wasser mal schneller und mal stiller. Die Artenvielfalt wird dadurch größer: Im Fließgewässer können sich Hechte besser ansiedeln, in den ruhigen Zonen Kleinfische.“ Dadurch, dass das Wasser besser fließt, gelange mehr Sauerstoff hinein und das steigere den Wert des Gewässers. Ohnehin sei es viel schöner anzusehen, wenn alles wie ein Forellenbach angelegt ist. Zudem seien die Uferzonen nun besser begehbar und könnten auch von Erholungssuchenden genutzt werden. „Und natürlich versprechen wir uns davon ein interessanteres Angeln.“