Itzelberg Neue Grabformen: weniger Aufwand für Hinterbliebene

Die Kriegsgräberanlage auf dem Friedhof Itzelberg zeigt sich unzugänglich, von einer massiv wirkenden Buchshecke eingewachsen. Durch die Neugestaltung soll das geändert und auch die in der linken Ecke angesiedelte Gedenkplatte für Georg Elser, „der den Krieg verhindern wollte“, künftig besser präsentiert werden – eher separat, abgerückt von den metallenen Kreuzen der anderen Kriegstoten.
Die Kriegsgräberanlage auf dem Friedhof Itzelberg zeigt sich unzugänglich, von einer massiv wirkenden Buchshecke eingewachsen. Durch die Neugestaltung soll das geändert und auch die in der linken Ecke angesiedelte Gedenkplatte für Georg Elser, „der den Krieg verhindern wollte“, künftig besser präsentiert werden – eher separat, abgerückt von den metallenen Kreuzen der anderen Kriegstoten. © Foto: Gerhard Stock
Itzelberg / Gerhard Stock 08.08.2018
Bei der Neugestaltung des Gottesackers in Itzelberg legt die Gemeinde Königsbronn viel Wert auf Entlastung bei der Grabpflege durch neue Bestattungsformen.

Die Bestattungskultur macht bei den Veränderungen in der Gesellschaft keine Ausnahme. Auch in Königsbronn werden auf dem zentralen Friedhof im Ortsteil Itzelberg längst hauptsächlich pflegeleichte Urnengräber nachgefragt, wie man an den neu entstandenen Urnenwänden sehen kann. Aufwendige Grabpflege, wie sie früher üblich war, können immer weniger Menschen leisten, Familienmitglieder und sonstige Angehörige leben oft weit entfernt. Hier setzt nun der Entwicklungsplan für den Friedhof an, den der Gemeinderat in seiner Sitzung vor der Sommerpause einstimmig verabschiedete.

Hinterbliebene werden entlastet

Im Mittelpunkt aller Überlegungen steht die Entlastung der Hinterbliebenen von der Grabpflege, die reduziert und künftig von der Gemeinde geleistet werden soll. Möglich machen sollen das neue Grab-Arten, die zusätzlich zu den bisher üblichen angeboten werden: Rasengräber für Sargbestattungen, Baum- und Partnergräber für Urnenbestattungen und auch Gräber für Muslime. Neben der Einführung dieser neuen Grab-Arten sieht der Plan kurzfristig vor, Kindergräber mit Platten einzufassen, das Anlegen einer Grabstätte für „Sternenkinder“ (Fehl- und Totgeborene) und die Reduzierung der Überdeckung bei Erdgräbern.

Erarbeitet hat die bis ins Detail durchdachte Konzeption Fachplaner und Friedhofsberater Diplomingenieur (FH) Joachim Ebinger aus Trossingen. „Die Leute warten auf die neuen Grab-Arten“, sieht Ebinger durchaus Notwendigkeit zu zügiger Umsetzung. Des geringen Aufwands wegen vergleichsweise schnell realisiert werden könnten zum Beispiel neue Baumgräber. Oberhalb der Aussegnungshalle seien bereits drei Bäume für diese Grab-Art gepflanzt worden.

Kapelle wird noch heuer fertig

Mittelfristig angegangen werden sollen die Sanierung der Aussegnungshalle inklusive Vorplatz, das Anbringen einer Auskunftstafel mit Infos zum Friedhof, die Entfernung von Kletterpflanzen an der Friedhofsmauer, behindertengerechte Zugänge zu den Gräbern, die Schaffung von Ruhezonen mit Bänken, die Neugestaltung einiger Wasserstellen mit Abfall- und Grüngutbehältern sowie die Optimierung der Friedhofsbepflanzung.

Eher im langfristigen Bereich sieht der Planer die Sanierung der historischen Friedhofskapelle, die Sanierung der Kriegsgräberanlage, die Optimierung des Hauptwegesystems im historischen Teil des Friedhofs und die Einführung weiterer Grab-Arten: Themengrabfelder für Urnenbestattungen wie zum Beispiel ein „Garten der Erinnerung“ oder etwa ein „Fluss der Zeit“.

Wobei Bürgermeister Michael Stütz erfreut aktualisierte, dass laut Ulrich Knöller, des Vorsitzenden des Kulturvereins, die Sanierung der Kapelle bereits bis Ende des Jahres bewerkstelligt sein werde. Die historische Kapelle soll künftig als Begegnungsstätte dienen, zudem in ihrem Umfeld ein „Bankplatz“ entstehen.

Kriegsgräber und Elser-Gedenkplatte zugewachsen

Durch eine üppige Buchshecke massiv eingewachsen ist über die Jahre die Kriegsgräberanlage inklusive der in der linken Ecke angesiedelten Elser-Gedenkplatte. Diese, so eine Anregung aus der Ratsrunde, solle bei der Neugestaltung der Anlage von den Metallkreuzen der anderen Kriegstoten deutlicher abgerückt und separat präsentiert werden.

Aus Planersicht ist die komplette Entfernung der Hecke geboten, da sie den Blick auf die Gräber und den Zugang zu ihnen einschränke. Außerdem empfehle sich die Restauration der verwitterten Kreuze und die Schaffung von Plattenwegen als neuer Zugang.

Gegen „Klingelschilder“

Für wesentlich dringender gehalten werden jedoch die neuen Grab-Arten, also die Rasengräber für Sargbestattungen, Urnenbestattungen unter Bäumen und gärtnergepflegte Urnengemeinschaftsgräber. Klar ist, dass diese für die Hinterbliebenen pflegefreien Grab-Arten auch Möglichkeiten zur Anbringung der Namen und weiterer Daten der Verstorbenen aufweisen müssen, etwa auf einer Stele, einem Grabstein oder einer Grabplatte. Was die Benennung betrifft, sprach sich das Gremium gegen die Verwendung von unangemessen und billig wirkenden „Klingelschildern“ aus und will stattdessen langlebigen Bronzeguss sehen. Auch eine Ablagefläche für Blumen und sonstige Trauerspenden sollen die neuen Grab-Arten bieten können.

Auch Gräber für Muslime

Für wichtig und geboten hält man zudem die Ausweisung eines Bereichs, auf dem Gräber für Muslime angelegt werden können. Königsbronn scheue sich nicht, Neuland zu betreten, betonte der Bürgermeister, der dabei auch auf Beratung eines sachkundigen Einwohners setzt. Auf der Erweiterungsfläche oberhalb der Urnenwände sind laut Planer nach Mekka ausgerichtete Gräber möglich, da hier noch keine Bestattungen stattgefunden haben. Wie in anderen Orten zu beobachten, nähere sich deren Gestaltung den Gräbern der Einheimischen an, trat Planer Ebinger eventuellen Bedenken entgegen.

Hinsichtlich der sonstigen Sargbestattungen sprach sich der Planer dafür aus, bei der erneuten Belegung von alten Grabfeldern nicht mehr so tief zu graben. Eine Erdüberdeckung von 70 statt bisher 90 Zentimetern reiche angesichts der schweren Böden aus. Ansonsten bestehe erfahrungsgemäß die Gefahr, „dass der Bereich der vorherigen Sargbestattung gestört wird“.

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