Bildung Neubaugebiet soll Bissinger Schule sichern

Darauf geht die Hoffnung von Bürgermeister Dr. Bernd Sipple: Durch den Zuzug von Neubürgern soll die Grundschule in Bissingen stabilisiert werden. Ein Bauplatz im „alten“ Baugebiet Südlich des Stotzinger Wegs ist soeben verkauft worden.
Darauf geht die Hoffnung von Bürgermeister Dr. Bernd Sipple: Durch den Zuzug von Neubürgern soll die Grundschule in Bissingen stabilisiert werden. Ein Bauplatz im „alten“ Baugebiet Südlich des Stotzinger Wegs ist soeben verkauft worden. © Foto: Sabrina Balzer
Herbrechtingen / Günter Trittner 25.04.2017
Bürgermeister Dr. Bernd Sipple verspricht sich viel vom Bissinger Neubaugebiet. Syrische Kinder kommen nun doch nicht in die dortige Grundschule.

Der Gemeinderat hat sich im Frühsommer vergangenen Jahres für den Erhalt der Bissinger Grundschule ausgesprochen. Auch wenn dieser Beschluss hinter verschlossenen Türen getroffen wurde, so gilt er doch in aller Öffentlichkeit.

Eine Hoffnung, die auf 18 Schüler in vier Klassenstufen geschrumpfte Zwergschule wieder aufpäppeln zu können, ist inzwischen aber verflogen. Trotz anderer Auffassung des Staatlichen Schulamts hätte die Stadtverwaltung gern schulpflichtige Kinder syrischer Flüchtlinge in Bissingen unterrichten lassen wollen.

Die Beförderungskosten zum Teilort hätte die Stadtverwaltung übernommen, eine Betreuung der Kinder während der Fahrt war schon vorbereitet.

Familien müssen umziehen

Anders gekommen ist es, weil die Flüchtlingsfamilien inzwischen von der Landkreisverwaltung im Zuge der Anschlussunterbringung anderen Gemeinden zugewiesen worden sind. Von einem „Verschiebebahnhof“ spricht Bürgermeister Dr. Bernd Sipple in einem durchaus kritischen Sinn.

Auch die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer täten sich schwer zu verstehen, warum Familien, die während des laufenden Asylverfahrens in Herbrechtingen Fuß gefasst hätten, nun in der Phase der Anerkennung oder eines geduldeten Aufenthalts in andere Gemeinden umziehen müssten. „Uns bleiben dann nur die jungen Männer“, fürchtet Sipple für Herbrechtingen.

Nun setzt die Stadtverwaltung zum dauerhaften Erhalt der Grundschule in Bissingen auf den Zuzug von Neubürgern im gerade 600 Einwohner großen Dorf. Materielle Basis dafür ist die Erschließung eines neuen Wohngebiets Südlich des Stotzinger Wegs, das 21 zusätzliche Bauplätze bringen wird. Sipple hat es sich zudem zur Ausgabe gemacht, persönlich bei Bauinteressenten für eine Ansiedlung in Bissingen zu werben.

Gelungen ist ihm das jüngst bei einem Ehepaar, dass sich für Kauf des letzten freien Grundstücks an einer Stichstraße im bestehenden Baugebiet Südlich der Stotzinger Straße entschieden ist. Da die Familie ein Fertighaus errichten lassen will, ist ein Einzug noch in diesem Jahr realistisch.

Zwei Zuzügler mit zwei Kindern

„Das Ehepaar bringt zwei Kinder für die Grundschule mit“, freut sich Sipple, der auch darauf vertraut, dass die Devise der Landesregierung, Kleinstschulen am Leben zu halten, zumindest noch so lange gilt, bis auch aus dem künftigen Baugebiet die ersten Schulkinder ihren Schulweg zum Schulhaus an der Wilhelmstraße 36 einschlagen.

Grundsätzlich, so die Pressestelle des Regierungspräsidiums Stuttgart, entscheide nicht die Schulverwaltung, sondern der Schulträger darüber, ob eine Schule geschlossen werde oder nicht. Und der Träger sei in diesem Fall die Stadt Herbrechtingen. Das Gesetz zur regionalen Schulentwicklung sehe aber allgemein eine Mindestschülerzahl von 16 ab der fünften Klasse der weiterführenden Schulen vor. Diese Regelung sei aber für Grundschulen nicht einschlägig.

Wohnen am Unesco-Welterbe

Als Argument für den Wohnort Bissingen mag auch zählen, dass man hier, wenn die Unesco im Juli in Krakau positiv entscheidet, am Rande des Welterbes Lonetal leben wird. Zudem plant der Sportverein den Neubau eines Sportheims, das auch als Gemeindezentrum dienen könnte.

Gescheitert ist indes die im April 2014 gegründete Interessengemeinschaft Bissingen-Hausen, welche es sich zum Ziel gesetzt hatte, junge Familien für beide Teilorte zu gewinnen, um einer drohenden Überalterung und dem schleichenden Aus der dörflichen Infrastruktur zu begegnen.

Die IG hatte dazu eine Umfrage unter den 579 volljährigen Bissingern und Hausenern gestartet. Jeder Vierte nahm teil und sandte teils ausführliche Antworten zurück. Trotzdem löste sich die IG im Dezember 2015 aus Enttäuschung wieder auf.

Denn zur Vorstellung der Ergebnisse waren nur drei Bissinger Bürger und ein Stadtrat aus Herbrechtingen erschienen. Dabei hatte der IG-Sprecher Friedhelm Bühner neben den Bürgern sämtliche Vereine, Organisationen und kirchliche Einrichtungen eingeladen.