Herbrechtingen / Günter Trittner Zum ersten Mal wurden öffentlich Varianten vorgestellt, wie die Zukunft des Bibrisschulzentrums aussehen könnte. Die Bandbreite reicht von Anbauten an sanierte Gebäude bis zu einem kompletten Neubau.

Bislang hatte der Gemeinderat sich ausschließlich nicht öffentlich mit der Sanierung des Bibrisschulzentrums befasst. Am Donnerstagabend wurden nun erstmals die Karten aufgedeckt. Seitens der Verwaltung hatte man mit einem größeren Interesse der Öffentlichkeit an diesem Großprojekt gerechnet, doch die eigens aufgereihten Stühle blieben leer. Außer den Schulleitern, Elternvertretern und einer Handvoll Pädagogen war kaum jemand zur Sitzung gekommen.

Älteste Gebäude aus dem Jahr 1957

Seit gut zwei Jahren bereits wird intensiv an der Weiterentwicklung des Bibrisschulzentrums gearbeitet, dessen älteste Gebäude auf das Jahr 1957 datierten. Die jüngste Erweiterung in Form einer Aufstockung wurde 2004 vorgenommen. Erarbeitet worden waren an den Schulen pädagogische Konzepte, aus denen wiederum ein Raumprogramm abgeleitet wurde. Thorismuth Gaiser vom Büro Campus, der bereits als Architekt für die neue Bibrishalle verantwortlich zeichnet, stellte dem Gemeinderat sieben Varianten vor, wie die Zukunft der Schulen im Bibris aussehen könnte. Versionen gab es jeweils für eine Sanierung des Bestandes mit zusätzlichen Anbauten, eine Sanierung mit Teil­abriss und neuen Gebäudeteilen wie für einen kompletten Neubau.

Vier bis fünf Millionen Euro pro Jahr möglich

Von möglichen Baukosten, das sagten Dieter Frank, der Fachbereichsleiter Bau, und Gaiser vorab, sollte bei dieser Sitzung nicht die Rede sein. Beigeordneter Thomas Diem stellte aber bereits einen Finanzrahmen vor, innerhalb dessen sich die Stadt bewegen kann, ohne neue Schulden aufzubauen. Vier bis fünf Millionen Euro für die Schule pro Jahr seien denkbar. Die vorläufige Zeitplanung sieht vor, dass im Frühjahr 2021 mit dem Bauen begonnen wird.

Vorauswahl wurde getroffen

Aufgabe der Stadträte am Donnerstag war, unter den von ihnen bei der Strategietagung im August 2018 angeregten Varianten eine Vorauswahl zu treffen. Gaiser hatte dazu eine Bewertungsmatrix angelegt. Plus- und Minuspunkte gab es für die Kriterien städtebauliche Einbindung, eine mögliche Zerlegung in Bauabschnitte, Umsetzung des pä­dagogischen Konzepts, klare Gebäudestruktur, Erweiterungsmöglichkeiten, nötige Zwischenlösungen mit Container, Parkplätze, Anbindung Mensa und den Eingriff in den Stadtgarten. Schnell hatte sich in der Debatte herauskristallisiert, dass kein Stadtrat Gefallen an einer Sanierung und dem Anbau weiterer Räume fand. „Da stoßen wir überall an Grenzen und sind weit weg vom Optimalen“, meinte stellvertretend Martin Müller, der Sprecher der Freien Wähler. In Gaisers Matrix gab es zwei Favoriten: eine Sanierung mit Teilneubau und einen kompletten Neubau. Mit je sechs Pluspunkten lagen sie exakt gleichauf. Gaiser selbst hätte gerne die Variante tiefer untersucht, wo die neue Schule nördlich der Pistoriusschule direkt an der Brunnenstraße errichtet wird. Hier sahen aber etliche Stadträte die grüne Lunge Stadtgarten in Gefahr. Der Park hätte danach die Gestalt eines Schlauchs. Ihre Stimmung tendierte eher zu der Variante, bei der die neue Schule exakt an der Stelle des heutigen Bibrisschulzentrums errichtet wird. Auch die von Gaiser vorgeschlagene Variante Sanierung plus Teilneubau sieht die neue Schule exakt am Platz der alten vor. Es würde hierbei der neueste Gebäudeteil zur Brunnenstraße saniert und nur die älteren Trakte abgerissen.

Mehrere Lichthöfe

Die neue Schule wäre bei beiden Varianten ein geschlossener Baukörper mit zwei Geschossen und mehreren Innenhöfen. Stadtrat Peter Aufleger sah in einem Neubau die voraussichtlich günstigste Lösung und hatte wohl dabei den Hinweis von Gaiser im Kopf, dass derzeit mit einer jährlichen Steigerung der Baukosten von fünf Prozent zu rechnen sei. Thilo Eckermann (SPD) konnte sich ebenfalls mit einem Neubau anfreunden. Martin Müller fand wiederum einen Teilneubau sinnvoller, da man flexibler in der Handhabung bleibe. Ihm würde es auch gefallen, wenn der Campus-Charakter noch mehr betont werden könnte. Aber auch ein Neubau wäre für Müller in Ordnung, wenn er finanzierbar bleibe. Hermann Mader (Freie Wähler) war es wichtig, dass eine Realisierung abschnittsweise möglich ist. Gaiser konnte Mader bestätigen, dass der Gebäudebestand konstruktiv für eine Sanierung tauglich sei, sofern man nicht aufstocke. „Allerdings, wir wissen auch, dass wir die gesamte Haustechnik erneuern müssen. Wir greifen dann in alle Räume ein.“ Ein Teilneubau könne aber durchaus auch die richtige Lösung sein, meinte Gaiser. Für Petra Reiss (Freie Wähler) war es entscheidend, dass das pädagogische Konzept der Schulen erfolgreich umgesetzt werden kann. „Ein Neubau wäre das Nonplusultra.“ Peter Koptisch (Freie Wähler) plädierte wiederum für einen Teilneubau und –„wenn es das Geld hergibt“ – für einen Neubau.

Kosten werden im Juni genannt

Am 27. Juni wird der Gemeinderat zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Dann wird Gaiser vertiefte Darstellungen von Teilneubau und Neubau mit den jeweiligen Kosten vorstellen.

Schulzentrum wächst um ein Drittel

Ausgangslage für ein neues Schulzentrum im Bibris ist, dass die Schulen hier, um den heutigen pädagogischen Anforderungen zu genügen, einen Raumbedarf von zusätzlich 2420 Quadratmeter haben. Auf die Bibris-Gemeinschaftsschule entfallen davon 1808 Quadratmeter, auf das Buigen-Gymnasium 628 Quadratmeter. Insgesamt wachsen die Schulen rund um ein Drittel auf 9078 Quadratmeter.