Wasser Neuabgrenzung Wasserschutzgebiet steht

Die jetzt beschlossene Neuabgrenzung des Wasserschutzgebiets Donauried-Hürbe betrifft auch einen großen Teil des Landkreises Heidenheim. Ausweitungen der höheren Schutzzone gibt es vor allem im Bereich Niederstotzingen.
Die jetzt beschlossene Neuabgrenzung des Wasserschutzgebiets Donauried-Hürbe betrifft auch einen großen Teil des Landkreises Heidenheim. Ausweitungen der höheren Schutzzone gibt es vor allem im Bereich Niederstotzingen.
Niederstotzingen / KLAUS DAMMANN 08.05.2015
Qualitativ gutes Trinkwasser ist ein hohes Gut, das es durch Schutzgebiete angemessen zu sichern gilt. Mit dem jetzt erfolgten Beschluss zur Neufestsetzung des Wasserschutzgebiets Donauried-Hürbe kommt das Regierungspräsidium Tübingen diesem Ziel nach. Für die im Gebiet liegende Stadt Niederstotzingen bringt die neue Abgrenzung aber auch Nachteile.

Wie das Regierungspräsidium (RP) darlegt, ist das Wasserschutzgebiet Donauried-Hürbe mit einer Fläche von 502 Quadratkilometern das größte in Baden- Württemberg. Nach acht Jahren Vorbereitungszeit habe man das Verfahren für eine neue Wasserschutzgebietsverordnung für die Wasserfassungen im Donauried und Hürbetal nun abgeschlossen. Der Zweckverband Landeswasserversorgung (LW) entnehme hier jährlich etwa 40 Millionen Kubikmeter Grundwasser bester Qualität und versorge damit rund drei Millionen Einwohner im Nordosten Baden-Württembergs.

Die bislang geltende Rechtsverordnung zur Abgrenzung des Schutzgebiets datiert aus dem Jahr 1967. Damals gab es nur wenige allgemeine Regelungen zu Verboten innerhalb des Wasserschutzgebiets. Neuere hydrogeologische Erkenntnisse zum Fließverhalten des Grundwassers waren nun Anlass für eine Überarbeitung, die allerdings zahlreiche Einschränkungen und Verbote bei der Flächennutzung mit sich bringt.

Wie berichtet war ein Ergebnis der Untersuchungen zwar, dass die engere Wasserschutzzone von 5400 auf 4000 Hektar reduziert werden konnte, doch im Fall Niederstotzingen etwa 50 Hektar hinzukamen. Die Stadt hatte mit einer ganzen Reihe von Eckpunkten Einfluss auf die Neuabgrenzung zu nehmen versucht. Ein zentraler Aspekt war die geplante Ausweitung der engeren Zone über die Bahnlinie hinaus, die bisher die Nordgrenze darstellte.

Hierzu sagte Niederstotzingens Bürgermeister Gerhard Kieninger, dass die erfolgten hydrogeologischen Messungen im Bereich Breite Straße/Bahnlinie als Grundlage der Ausweitung korrekt seien. Insofern sei der Wunsch nach Beibehalten der Bahnlinie als Schutzgebietsgrenze nicht zu erreichen gewesen. Die Stadt habe aber einen Kompromiss erzielt, dass die neue Nordgrenze weniger weit in die bebauten Gebiete hineinreicht.

Er gehe davon aus, dass sich Niederstotzingen in einigen eher marginalen Punkten behaupten konnte, so Kieninger. Nicht durchgesetzt habe man sich beim Wunsch auf Eigenentnahme von Wasser. Eine genaue Beurteilung werde erst nach einer umfassenden Prüfung der zur Rechtsverordnung gehörenden Pläne in den nächsten Wochen möglich sein. Zusammen mit dem Wortlaut der Verordnung werden sie vom 15. Mai bis einschließlich 1. Juni unter anderem im Landratsamt Heidenheim während der Sprechzeiten zur kostenlosen Einsicht öffentlich ausgelegt.

Um als Fassungsgemeinde mit den Belastungen durch das Wasserschutzgebiet nicht alleine dazustehen, wird seitens Niederstotzingen nach wie vor auf einen Ausgleich durch das Land oder die anderen Nutzer der Verbesserungen bei der Trinkwassergewinnung gedrängt.

Das RP Tübingen betont in seiner Erklärung zur Neuabgrenzung des Gebiets Donauried-Hürbe, dass „ein solcher Wasserschatz vor jeglicher Verunreinigung geschützt werden“ muss. Für das Gebiet, das sich über weite Bereiche der Ulmer und Heidenheimer Alb und das Donauried zwischen Langenau und Sontheim erstreckt, hätten „die Schutzbestimmungen auf den heute üblichen Standard gebracht“ werden müssen, „um alle denkbaren Gefährdungen abzudecken“.

Vor allem Änderungen an den Grenzen der engeren Schutzzone (Zone II) im Donauried würden auch zu neuen Belastungen für Bürger und Gemeinden führen, so das Regierungspräsidium. Deshalb habe man als verfahrensführende Behörde bereits frühzeitig das Gespräch vor Ort gesucht. „Mit dieser heute in aller Munde geführten frühzeitigen Bürgerbeteiligung konnten wir bereits im Vorfeld besondere Belastungen erkennen und zum großen Teil auf ein erträgliches Maß abmildern. Der Aufwand war nicht unerheblich, aber das Ergebnis ist für uns aller Mühe wert“, so Regierungspräsident Hermann Strampfer.

Wasserschutzzonen in Baden-Württemberg

Der Wasserbedarf der öffentlichen Wasserversorgung in Baden-Württemberg wird zu rund 75 Prozent aus Grund- und Quellwasser und zu rund 25 Prozent aus Oberflächenwasser gedeckt, so das Regierungspräsidium Tübingen. Um das Grund-, Quell- und Oberflächenwasser gegen Verunreinigungen zu schützen, werden im Einzugsbereich der Wasserfassungen Wasserschutzgebiete festgesetzt.

Aufgrund der geologischen, hydrologischen und topographischen Verhältnisse werden die Schutzgebiete in drei Zonen eingeteilt: Fassungsbereich (I), Engere Schutzzone (II) und Weitere Schutzzone (III). In den einzelnen Zonen sind jeweils bestimmte Nutzungen und Einrichtungen untersagt.

In Baden-Württemberg sind derzeit etwa 2300 Wasserschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von rund 9500 Quadratkilometer festgesetzt. Dies entspricht einem Viertel der Landesfläche.

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