Neresheim Klinik ist spezialisiert auf Schädel-Hirn-Traumata

Neresheim / Klaus Dammann 11.08.2018
Das auf neurologisch-neurochirurgische Frührehabilitation spezialisierte Krankenhaus in Neresheim vergrößert seine Patientenstationen durch einen Neubau aus Raummodulen.

Es ist ein ziemlich weiter Weg, den die klinische Patientenbetreuung in Neresheim zurückgelegt hat – vom einstigen Kreiskrankenhaus zur hochspezialisierten und modernen Fachklinik für Erwachsene mit schweren Hirnschädigungen. Möglich gemacht hat dies die Stiftung Rehabilitation Heidelberg, kurz SRH, die das stillgelegte Gebäude dem Ostalbkreis 1993 für eine symbolische D-Mark abkaufte. Unterstützt vom Land Baden-Württemberg wurden 11,7 Millionen Mark in Aus- und Umbau des Kreiskrankenhauses investiert und 1995 ging die „Rehabilitationsklinik Neresheim“ in Betrieb.

Damals verfügte das Haus über 20 Betten für Patienten: eine Zahl, die sich durch stetigen Ausbau und Investitionen in den vergangenen Jahrzehnten beständig erhöhte bis auf derzeit 50. Im Jahr 1999 kam darüber hinaus ein neurochirurgischer Operationsraum zur Ausstattung des Neresheimer SRH Fachkrankenhauses hinzu. Eine Besonderheit ist auch, dass das Haus die erste Fachklinik im Land war, die Intensivbetreuung mit beatmeten Patienten angeboten hat. Der ärztliche Direktor der Neresheimer Einrichtung, Dr. Bernd Eifert, dazu: „Wir haben damit begonnen. Inzwischen hat es sich durchgesetzt.“

Übers Jahr zu 97 Prozent belegt

Eifert schildert, dass das Einzugsgebiet der Patienten für Neresheim von Mannheim bis Augsburg und im Süden bis Tübingen reiche. Der Bedarf an Behandlungsplätzen sei groß. Von den 50 Betten zuzüglich vier Zusatzbetten in Neresheim sind 14 plus vier Intensivplätze. „Wir sind eine Klinik, die nahezu voll belegt ist übers Jahr“, sagt Marion Mielsch, die Leiterin der Verwaltung und des Pflegediensts. Der ärztliche Direktor ergänzt: „Wir schaffen 97 Prozent.“

Beim SRH Fachkrankenhaus ist man deshalb den nächsten Schritt angegangen. 2016 wurde die Ausweitung des Bebauungsplans genehmigt und im April 2018 erfolgte der Spatenstich für einen Erweiterungsbau der Klinik, bei dem die drei vorhandenen Stationen – zwei Rehabilitations- und eine Intensivstation – samt zwei Untergeschossen nach Süden verlängert werden. Gleichzeitig wird die Zufahrt für Krankentransporte von der östlichen Eingangsseite nach Westen an die B 466 verlegt. Dort gibt es dann direkt auch einen Patientenaufzug. Somit werde alles logistisch deutlich verbessert, bestätigt Eifert. Eine Fertigstellung wird für Ende Oktober erwartet. Anschließend ist die technische Modernisierung des bestehenden Klinikgebäudes beabsichtigt.

Es wird um 55 Betten erweitert

Der bislang genehmigte Ausbau lässt eine Erweiterung auf 55 reguläre Betten zu. Ein weiterer Antrag für 2019 auf insgesamt 60 plus vier Betten sei gestellt, so der ärztliche Direktor. Die Größe des Erweiterungsbaus berücksichtige dies bereits. Die Kapazitätsaufstockung würde statt 18 dann 24 Intensivplätze und 40 statt 36 in der Frührehabilitation bedeuten.

6,5 Millionen Euro werden hier investiert, etwas mehr als zwei Millionen Euro davon kommen als Fördermittel vom Land. Die Gesamtfläche der Erweiterung beträgt 2000 Quadratmeter. Erstellt wird diese durch 26 Raummodule der Neresheimer Firma ADK, von denen die größten 13 Meter lang, etwa sechs Meter breit und etwa 38 Tonnen schwer sind. Die Anlieferung mit Schwertransporten soll in der zweiten Augusthälfte erfolgen.

Besonders auf bewusstseinsgestörte Patienten spezialisiert

Zu den häufigsten Erkrankungen, die am SRH Fachkrankenhaus behandelt werden, gehören Schädel-Hirn-Traumata, Hirnblutungen und – in steigendem Maß – Schlaganfälle. Besonders spezialisiert ist man auf bewusstseinsgestörte Patienten. Im Sommer nehme die Zahl der Unfallopfer zu, schildert Eifert. Im Schnitt liege der Aufenthalt der Patienten bei 60 bis 70 Tagen. Als vorrangiges Ziel gilt in der Einrichtung die teilweise oder vollständige Rückkehr der Patienten in den Alltag. Eine Statistik für die Jahre 2015 bis 2017 zeigt auf, dass von insgesamt 756 Patienten 341 bei ihrer Aufnahme in Neresheim beatmet wurden. 82,1 Prozent davon konnten nach der Behandlung wieder selbstständig atmen.

Mehrteiliges Phasenkonzept

„Die Neurologie in der Rehabilitation ist durch ein Phasenkonzept aufgebaut“, erklärt der ärztliche Direktor. Die Phase A betreffe die akute medizinische Betreuung in einem Klinikum nach einem Vorfall. Das SRH Fachkrankenhaus in Neresheim gehöre zur anschließenden Phase B, der Frührehabilitation. Allerdings sei eine Phase-B-Klinik dazu verpflichtet, auch jene Leistungen vorzuhalten, die in der Phase A erforderlich sind. Es gelte, die Entwicklungsmöglichkeiten eines Patienten zu klären und die Behandlung entsprechend anzupassen. In der andernorts anschließenden Phase C sei schon Selbstständigkeit des Behandelten erforderlich. Eifert: „50 Prozent unserer Patienten schaffen das.“ Ein wesentlicher Aspekt für die Arbeit in der Neresheimer Klinik ist die moderne technische Ausstattung, unter anderem mit CT, Endoskopie, mobilem Röntgen sowie Robotik in der Bewegungstherapie.

183 Mitarbeiter, von denen einige auch aus dem Kreis Heidenheim kommen, sind auf etwa 120 Vollzeitstellen aufgeteilt am Fachkrankenhaus aktuell beschäftigt. Das ärztliche Personal umfasst davon zehn Ärzte bei 7,8 Vollzeitstellen. Mit der Eröffnung des Erweiterungsbaus soll auch eine Aufstockung bei den Mitarbeitern erfolgen. Ein Oberarzt wurde schon für den Intensivbereich eingestellt, ein weiterer soll Anfang 2019 für den Rehabereich hinzukommen. Und auch beim Pflegepersonal werde dann ein Ausbau nötig, so Eifert.

Die Stiftung Rehabilitation Heidelberg (SRH) als Unternehmen

Sitz der SRH ist Heidelberg. Es handelt sich um einen Anbieter von Bildungs- und Gesundheitsdienstleistungen, der als Verbund im Eigentum der SRH Holding steht. Dies ist eine 1966 gegründete gemeinnützige Stiftung des bürgerlichen Rechts.

Betrieben werden unter anderem in der SRH Higher Education GmbH neun private Hochschulen mit 13 000 Studenten, in der SRH Bildung GmbH Bildungszentren, Schulen und Fachschulen mit 25 000 Schülern bzw. Teilnehmern sowie in der SRH Kliniken GmbH zehn Krankenhäuser, sechs Rehakliniken und 28 medizinische Versorgungszentren mit zusammen 960 000 Patienten. Hinzu kommen einige weitere Gesellschaften mit 53 000 Kunden.

Die Mitarbeiterzahl liegt in 47 Unternehmen bei 13 277. Der Jahresumsatz beträgt 968,4 Millionen Euro bei durchschnittlich 100 Millionen Euro Investitionen jährlich. Der Jahresüberschuss wird mit 34,4 Millionen Euro angegeben.

Von der Bettenzahl in der Frührehabilitation her sei die SRH die zweitgrößte Klinikgruppe im Land, sagt der ärztliche Direktor des SRH Fachkrankenhauses Neresheim, Dr. Bernd Eifert. Die Stiftung verfüge über 140 Betten für die Betreuungsphase B an drei Standorten. Neben Neresheim sind das Karlsbad-Langensteinbach und das Kurpfalzkrankenhaus Heidelberg.

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