Hermaringen Naturkost im alten Wartesaal des Hermaringer Bahnhofs

Silvia Thran und Manfred Beck in ihrem neuen Laden im Bahnhofsgebäude.
Silvia Thran und Manfred Beck in ihrem neuen Laden im Bahnhofsgebäude. © Foto: Sabrina Balzer
Hermaringen / Brigitte Malisi 08.05.2018
Silvia Thran und Manfred Beck haben haben in dem historischen Gebäude in Hermaringen mit viel Eigeninitiative einen Laden eingerichtet

Der Leerstand des Hermaringer Bahnhofs ist schon lange vorbei. Dafür hat Silvia Thran schon 2014 gesorgt, als sie mit ihrer Weidenwerkstatt in das historische Gebäude eingezogen ist.

Dass es dort jetzt an manchen Tagen zugeht wie in einem Taubenschlag, das ist neu – und wieder ist dafür Silvia Thran verantwortlich: Im vergangenen Monat hat sie den Naturkostladen, den sie gemeinsam mit ihrem Mann Manfred Beck betreibt, ins Erdgeschoss des Bahnhofes verlegt.

Links, gleich neben dem Eingang, wo vor Jahrzehnten die Hermaringer am Schalter für Fahrkarten anstanden, stehen die Kunden jetzt vor einer gut gefüllten Käsetheke. Gleich daneben eine Auswahl an Obst und Gemüse. Und direkt geradeaus – im ehemaligen Wartesaal – stehen nun Regale mit Lebensmitteln.

Für ihren Traum vom Naturkostladen hatte Silvia Thran ihre Festanstellung als Landschaftsgärtnerin aufgegeben und den Hofladen von Bärbel Gansloser 2016 übernommen. Wohl wissend, dass es ohne diese Eingeninitiative künftig ein solches Angebot in Hermaringen nicht mehr gegeben hätte. Gute und regionale Lebensmittel gehören für Thran zur Lebenseinstellung und so wurde aus der Stammkundin die neue Landebesitzerin.

Und zwar eine mit Visionen: Schon damals träumte sie davon, vielleicht einmal mit ihrem Laden in den Bahnhof zu ziehen. Mehr Platz, mehr Publikum – aber dafür eben auch mehr Investitionen. Thran und Beck kannten die Verhältnisse des charmanten, aber zugigen Bahnhofsgebäudes ja bereits bestens. Losgelassen hat sie die Idee aber nicht, und nachdem man sich mit der Gemeinde hinsichtlich des Mietvertrages einig wurde, legte das Paar tatsächlich mit der Renovierung los. Die alten Parkettböden wurden abgeschliffen, Wände und Türen gestrichen und ein Elektriker zog eine ganze Menge neue Leitungen. Mit Anschlüssen und Lichtschaltern sah es im Eingangsbereich und auch im alten Wartesaal dürftig aus. Weil das ein öffentlicher Bereich gewesen sei, durften nämlich nur die Bahnbediensteten die spärliche Beleuchtung ein- und ausschalten, erklärt Silvia Thran. Jetzt stehen im Wartesaal Holzschränke und Regale mit einer großen Auswahl an allen Dingen, die man fürs tägliche Leben braucht und darüber hinaus. Alles Bio, versteht sich. Die Öffnungszeiten bleiben aber auch künftig beschränkt auf drei Nachmittage.

„Endlich mehr Platz“, freut sich auch Manfred Beck. Bei mehreren Kunden gleichzeitig sei es im alten Laden halt sehr eng hergegangen. Außerdem, so hofft Beck, traue sich so mancher Hermaringer jetzt vielleicht doch eher, auch mal ganz zwanglos vorbeizukommen.

An diesem Nachmittag hat es ein älteres Ehepaar zufällig zum ersten Mal in den Bahnhofs-Laden verschlagen. Die Käseauswahl hat es ihnen angetan und der Mann bekräftigt, dass er künftig den Einkauf hier mit einer kleinen Radtour verbinden werde. Der Joghurt ist ein Geheimtipp, wie gleich darauf eine Kundin beim gemeinsamen Anstehen an der Kasse sagt. Silvia Thran lächelt, es gefällt ihr, wenn die Menschen hier miteinander ins Gespräch kommen.

Kunstausstellung ab Donnerstag

Schließlich hat sie im Bahnhof deshalb auch schon einen regelmäßigen Büchertreff eingerichtet, bei dem Bücher getauscht werden können, aber wo man sich eben auch über das Gelesene austauscht.

Und außerdem laufen bereits wieder die Vorbereitungen für die nächste Kunstausstellung im Bahnhof auf Hochtouren: Am 10. Mai eröffnet „Kuba – Kunst im Bahnhof“ mit regionalen Künstlern, zu denen auch Manfred Beck selbst gehört.

Die Stunden, die das Ehepaar die letzten Wochen und Monate im Bahnhof mit Renovierungsarbeiten verbracht hat, lassen sich wohl kaum zählen. Der Erhalt des 1876 erbauten Gebäudes liegt den beiden am Herzen. Mit der Entwicklung des gesamten Quartiers bis hinunter an die Brenz mit einem Seniorenheim, zwei Wohngebäuden der Kreisbau, Seniorenbungalows und zwei weiteren Gebäuden, für die man sich eine Arztpraxis und eine Apotheke wünscht, dürfte der alte Bahnhof künftig verstärkt ins Blickfeld rücken.

Ehemalige Bewohner zu Besuch

Zu Besuch sind an diesem Nachmittag auch zwei, für die der Hermaringer Bahnhof 33 Jahre lang ihr Zuhause war: Herbert Nemela und seine Frau.

1961 zog der damalige Bahnbedienstete mit seiner Familie in den zweiten Stock des Bahnhofsgebäudes und wohnte dort bis 1994. Sogar nach ihrem Wegzug kümmerten sich die Nemelas jahrelang um die Blumenbeete- und kästen rund um den Bahnhof. Selbst Gemüse züchteten sie direkt neben dem Bahndamm. Auch wenn von seinem ehemaligen Gärtchen nichts mehr übrig ist, und sich das Gesicht rund um den Bahnhof verändert, freut sich Herbert Nemela, dass „sein“ Bahnhof nun wieder mit Leben gefüllt ist.

Auf ein „Bsüchle“ in seinem alten Zuhause schaut er immer noch gerne vorbei, auch wenn er gerade gesundheitlich angeschlagen ist. Ein Unfall, erzählt er, und: „Stellen Sie sich das mal vor - ausgerechnet bei einer Bahnfahrt“.