Hermaringen / Brigitte Malisi Obwohl die Hermaringer Gemeinderäte auf erneuerbare Energien setzen, haben sie jetzt einen Antrag auf Bau einer Photovoltaik-Anlage abgelehnt. In geheimer Abstimmung.

Wenn es um das Thema regenerative Energien geht, rennt man bei den Hermaringer Gemeinderäten offene Türen ein – normalerweise. Den Antrag auf eine Photovoltaik-Anlage im Gewann Hinter den Baumgärten lehnte das Gremium in seiner jüngsten Sitzung mit einer knappen Mehrheit ab. Und zwar in geheimer Abstimmung, was in Hermaringen ungewöhnlich, weil selten ist. Die Erklärung könnte darin liegen, dass offenbar die Familie von Gemeinderat Martin Gansloser hinter dem Vorhaben steht.

Die umstrittene Fläche liegt zwischen der Bahnlinie und der Brenz und grenzt auf einer Seite an das Gelände der Firma Husqvarna Logistics. Auf der anderen Seite der rund 0,9 Hektar großen Fläche beginnt aber unmittelbar die Brenzrenaturierung – und genau das bereitete den Räten Bauchmerzen. Dort nämlich ist ein Naherholungsgebiet entstanden, auf das man stolz ist, und auch der vielbefahrene Radweg führt unmittelbar vorbei.

Klar Position bezogen

Bürgermeister Jürgen Mailänder bekannte, dass in diesem Fall zwei Herzen in seiner Brust schlagen. Auf der einen Seite brauche man immer mehr Strom, störe sich dann aber an jedem Windrad und jeder PV-Anlage, argumentierte er. Allerdings handele es sich in diesem Fall eben um ein Naherholungsgebiet.

Klar Position bezogen Hans-Dieter Diebold, Robert Schmid und Stefan Czichon. Alle drei sind durchaus Befürworter von PV-Anlagen, aber an dieser Stelle hielten sie das Vorhaben für nicht vertretbar. Diebold störte sich zudem daran, dass auf der Sitzungsvorlage die Argumentationen des Planungsbüros Gansloser abgedruckt worden waren. Er bat darum, neutral zu bleiben.

Als Ackerfläche ungeeignet

Das Planungsbüro hatte ausgeführt, dass das Grundstück zur Ackerlandnutzung aufgrund der Bodenbeschaffenheit und der ungünstigen Erschließung durch einen Wirtschaftsweg schlecht geeignet sei. Diebold hielt dagegen, dass sich der Käufer für das Grundstück frei entschieden habe, aber womöglich bereits beim Erwerb eine PV-Anlage im Kopf gehabt habe. Die ebenfalls als Argument angeführte ökologische Nutzung durch die Aussaat von artenreichen Wiesen ließ Diebold ebenfalls nicht gelten. Unter den Modulen würden die Pflanzen oftmals verkümmern.

Robert Schmid bemängelte, dass das Land den Gemeinden zu wenig Freiheiten lasse, selbst geeignete Flächen für PV-Anlagen auszuarbeiten. Stattdessen werde pauschal davon ausgegangen, dass die Strecken entlang der Bahnlinien ohnehin unattraktiv sind. „Bei uns ist das hier aber eine kleine Oase“, betonte Schmid. Er führte zudem an, dass die Landwirte sonst immer dagegen seien, wenn Ackerfläche aus der Nutzung genommen werde.

Noch freie Dachflächen vorhanden

Auch Stefan Czichon wollte es sich nicht einfach machen mit der Entscheidung. Er habe sich deshalb das Gelände nochmals vor Ort angeschaut. Für ihn sei die Anlage an dieser Stelle einfach unpassend. Man mache schon viel in Hermaringen und es gebe durchaus noch freie Dachflächen die genutzt werden könnten, argumentierte er.

Karl Braun sah sich in einem Interessenkonflikt, tendierte aber zu einem Ja zur Anlage. Ute Laib erhoffte sich, im Verlauf der Diskussion noch das entscheidende Argument pro oder contra zu finden. Und Wolfgang Nothelfer bereitete der Angelegenheit mit seinem Antrag auf eine geheime Abstimmung schließlich ein Ende. Wohl keine Überraschung für die Verwaltung, sie hatte die Utensilien für eine geheime Abstimmung bereits vorbereitet.

Das Ergebnis hätte dann knapper nicht sein können: Bei fünf Ja-Stimmen, sechs Nein-Stimmen und einer Enthaltung wurde die PV Anlage bzw. der Aufstellungsbeschluss abgelehnt. Voraussetzung für die Anlage wäre nämlich die Aufstellung eines Bebauungsplans an dieser Stelle gewesen.