Fest Musikverein eine feste Größe in der Gemeinde

Steinheim / Klaus-Dieter Kirschner 24.05.2013
Der Countdown läuft. Die Musiker proben eifrig, die Vereinsverantwortlichen gehen die Checklisten durch. Vom 29. Mai bis 2. Juni feiert der Musikverein „Harmonie“ Sontheim seinen 90. Geburtstag.

Lange bevor anno 1923 der Musikverein aus der Taufe gehoben wurde, stand Blasmusik in Sontheim hoch im Kurs. So richtig aber lässt sich nicht mehr nachzuvollziehen, ob schon in einer Art Kapelle Musik gemacht wurde. In den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts existierte aber in Sontheim bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs eine Kapelle „Edelweiß“, in der Georg Nusser den Takt vorgab.

Zur Gründung des heutigen Musikvereins fanden sich am 31. Mai 1923, „16 musikliebende Burschen“ ein. Georg Pommerenke leitete die Zusammenkunft und stellte sich als Dirigent vor. Der Vorsitz des Vereins aber wurde dem damaligen „Rössle-Wirt“ Georg Häußler übertragen. Einen Lieferanten für die Instrumente hatte der Musikverein in der Firma Reisser aus Ulm.

Instrumente kosten eine Fuhre Weizen

Wie Peter Diepold als Vereinschronist herausfand, wurden die Instrumente mit einer Fuhre Weizen bezahlt. Außerdem steuerten Pferdehändler Matthäus Preiss, der „Bachhans“ Johannes Wöhrle und der Mühlenbesitzer Fritz Haug Geld bei. Zwei Monate nach der Vereinsgründung war die Kapelle soweit, dass sie in der evangelischen Georgskirche ihren ersten Auftritt hatte. Die Bezahlung der Musikstunden erfolgte in Naturalien: Eier, Mehl und Milch konnte man immer brauchen.

Es muss ein ehrgeiziger Haufen um Dirigent Pommerenke versammelt gewesen sein: Beim Bezirksmusikfest 1924 in Giengen wurde in der „Oberstufe“ ein silberner Pokal gewonnen.

Damals war schon Leistung gefragt und der Wettstreit nach Noten wichtig. Deshalb gibt es auch beim „90-Jährigen“ ein Wertungsspiel für die Mitgliedsvereine im Kreisverband Heidenheim des Blasmusikverbandes Baden-Württemberg.

Als „weiterer Meilenstein“ ist in der Chronik vermerkt, dass sich 1926 der Musikverein auch für passive Mitglieder öffnete. Man hatte erkannt, das Geld wichtig ist.

Passive Mitglieder sehr willkommen

Vor allem, wenn sich Gönner und Sponsoren finden. 1926 tauchte erstmals die Bezeichnung „Harmonie“ im Zusammenhang mit dem Musikverein auf.

Georg Pommerenke hörte 1925 als Dirigent auf, ihn beerbte Hans Dangel, der nur bis 1928 blieb. An seiner Stelle schlug bis ins Jahr 1931 Georg Golias den Takt. 1931 wurde Jakob Kuch Orchesterleiter. Am 30. November 1933 wurde dem Musikverein ein Streichorchester angegliedert, dem ein überraschend langes Leben beschieden war und das erst 1972 aufgelöst wurde.

Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war Maurermeister Schauz Dirigent, später (ab 1936) kümmerte sich Franz Bucher um die musikalische Arbeit. 1959 gab er dieses Amt auf.

Zum 25. Vereinsgeburtstag im Jahr 1948 kamen 1948 16 Kapellen mit über 300 Musikern. Die Vereinsmitglieder erwiesen sich als tolle Gastgeber und verköstigten die Musikanten. Über 3000 Menschen erfreuten sich an einem Massenchor der 16 Kapellen.

1958 kam zur Blaskapelle eine „Akkordeon-Schar“ dazu, die Erich Häußler leitete. Dieses Akkordeon-Ensemble hatte bis 1977 Bestand. Mit dem Tod von Dirigent Bucher im Frühjahr 1960 wurde Eugen Lederle als Nachfolger unter Vertrag genommen. Zwischen 1964 und 1968 leitete Martin Barthelmes die Kapelle und organisierte zusammen mit dem Musikverein Oggenhausen, der ebenfalls auf Barthelmes hörte, die erste große Konzertreise. Sie führte nach Wien und ins Burgenland.

1971 fand in der Chronik eine Notiz Eingang, dass unter den 23 Jugendlichen, die sich am Instrument ausbilden ließen, erstmals neun Mädchen waren.

Beim 50. Vereinsgeburtstag wurde das achte Bezirksmusikfest veranstaltet. 20 Kapellen stellten sich beim Wertungsspiel der Benotung. Der damalige Jugendleiter Eberhard Althammer übernahm 1977 zusätzlich das aktive Orchester. Unter dem Vorsitzenden Helmut Benz wurde 1983 der 60. Jahrestag der Vereinsgründung begangen. 1992 wurde Manfred Scholz als Vereinsvorsitzender gewählt. 1989 hatte Scholz die musikalische Früherziehung eingeführt. Kreisdirigent Matthias Hartmann übernahm 1984 die musikalische Leitung im Musikverein und führte die Serie der Gemeinschaftskonzerte ein.

Musikkapellen spielen gemeinsam

Zunächst war die Stadtkapelle Gundelfingen zu Gast, später kamen andere Kapellen aus der Region dazu. 1998 wurde Harald Wöhrle aus Oggenhausen Nachfolger von Matthias Hartmann, in dessen Ägide der Musikverein an acht Wertungsspielen und zahlreichen Gemeinschaftskonzerten seine Klasse bewiesen hatte.

1999 verlor der Musikverein seine letzten beiden (noch lebenden) Gründungsmitglieder: Melchior Mack war 95 und Ehrendirigent Jakob Kuch 93 Jahre alt geworden.

1998 weihte der Musikverein sein Musikerheim neben der Hermann-Eberhardt-Halle ein. 2002 gestaltete man die Tausend-Jahr-Feier der Gemeinde Sontheim mit. 2004 schied Manfred Scholz nach zwölf Jahren als Vorsitzender aus. Jürgen Nieß wurde sein Nachfolger, der bis 2009 blieb. Heute leitet Jens Papenfuß den Musikverein. Seit 2010 ist Norbert Hann als Dirigent zunächst der Jugendkapelle unter Vertrag. 2011 übernahm er den Taktstock von Harald Wöhrle bei der aktiven Kapelle.

An den kommenden Festtagen wird auch gefeiert, dass der Musikverein „Harmonie“ seit 40 Jahren rege Kontakte in die Schweiz zur Musikgesellschaft Messen unterhält. Dass die Schweizer aktiv den 90. Geburtstag mitfeiern, versteht sich von selbst.

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