Herbrechtingen Christine Kalbantner lebt die schwäbische Kultur

Christine Kalbantner ist Feuer und Flamme für ihre Arbeit im Kulturrat des Schwäbischen Albvereins. Vor allem die Arbeit mit Kindern macht ihr große Freude.
Christine Kalbantner ist Feuer und Flamme für ihre Arbeit im Kulturrat des Schwäbischen Albvereins. Vor allem die Arbeit mit Kindern macht ihr große Freude. © Foto: Sabrina Balzer
Herbrechtingen / Elena Kretschmer 29.06.2018
Die 61-Jährige engagiert sich im Kulturrat des schwäbischen Albvereins besonders dafür, Kindern Traditionen zu vermitteln. Für ihre Arbeit hat sie jüngst eine Auszeichnung erhalten.

Wenn es Christine Kalbantner packt, schnappt sie sich ihren schwäbischen Dudelsack, setzt sich auf einen Stein im Eselsburger Tal und spielt einfach. Denn Musik, so sagt die 61-Jährige, ist das, was sich wie ein roter Faden durch ihr Leben zieht. Von klein auf begleitete sie eine doch sehr traditionelle Form der Musik: „Mein Vater hat im Musikverein Herbrechtingen die Tuba gespielt und da war ich immer dabei. Die Melodien, die da gespielt werden, setzen sich so fest. Das prägt einen unglaublich.“ Durch ihr Traditionsbewusstsein und ihre Heimatverbundenheit kam die Erzieherin 1987 zum schwäbischen Albverein und damit auch zu ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit im Bereich Kinder- und Jugendarbeit, für die sie unlängst ausgezeichnet wurde.

Fasziniert vom Dudelsack

Kalbantners große Leidenschaft ist der schwäbische Dudelsack und genau betrachtet markiert er auch den Beginn ihrer Kulturarbeit. „Eigentlich komme ich aus dem Volkstanz“, erklärt sie. „1987 bin ich dann durch die Volkstanzgruppe Bartholomä, in der ich damals war, ins Haus der Volkskunst nach Balingen zum Tanzen gekommen. Als dort von einem Musikantentreffen die Rede war, bin ich hellhörig geworden. Ich habe vorbeigeschaut und bin da zum ersten Mal mit dem schwäbischen Dudelsack in Berührung gekommen.“ Die Musik mit dem Instrument habe sie so fasziniert, dass sie dabei geblieben ist.

Das erwähnte Haus der Volkskunst ist das musisch-kulturelle Bildungszentrum des schwäbischen Albvereins. Als Kalbantner 1987 dort eintrat, wurde gerade der Kulturrat gegründet und die Herbrechtingerin schon bald hineingewählt. „Der Kulturrat setzt sich für den Erhalt der schwäbischen Kultur ein und bietet auch entsprechende Seminare an“, so ihre Erklärung. „Ich habe dann irgendwann zum Vorsitzenden gesagt, wir sollten auch mal was für die Kinder machen.“ So brachte die 61-Jährige, die im Haus der Volkskunst seit 25 Jahren zudem als Referentin tätig ist, damals den Stein ins Rollen. Gemeinsam mit zwei engagierten Freundinnen entwickelte sie ein Kulturwochenende für Kinder, aus dem irgendwann eine ganze Kulturwoche wurde: „Es ist eine Mischung aus Tanz, Theater und Musik. Wir greifen immer bestimmte Themen auf und schöpfen dabei aus unserem Repertoire aus Liedern, Tänzen und Märchen.“ Ziel ist es, den Kindern spielerisch zu vermitteln, was die schwäbische Kultur ist.

„Wenn die Kinder einmal dabei waren, bleiben sie oft hängen – sei es beim Tanz oder bei der Musik“, erzählt Kalbantner. Der Volkstanz, so sagt sie, verbindet einfach: „Ich sehe das in meiner täglichen Arbeit als Erzieherin. Für die Kinder sind die Tänze einfach und verständlich und sie sind stolz drauf, wenn sie Trachten tragen dürfen.“ Außerdem werde das Tanzen im Jugendalter aufgrund der Berührungen auch spannend. Und wer es ins Jugendtanzleiterensemble schafft, darf sogar mit auf Reisen gehen: „Wir waren erst vor Kurzem mit 25 Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 23 für zwölf Tage auf großer Chinareise.“

Ehrung aus heiterem Himmel

Für all ihre Bemühungen um die schwäbische Kultur und diese Kindern und Jugendlichen näher zu bringen, wurde Kalbantner im April auch vom Arbeitskreis Heimatpflege mit der Ehrennadel ausgezeichnet. „Das kam sehr überraschend. Ich habe einen Brief vom Regierungspräsidium bekommen mit der Frage, ob ich die Ehrung für meine langjährige ehrenamtliche Tätigkeit annehmen möchte.“ Die „Übeltäterin“, die sie dafür vorgeschlagen hatte, kenne sie. Und natürlich habe sie sich sehr gefreut, schließlich „ist das auch eine gewisse Wertschätzung“ für ihre Arbeit, die für sie eigentlich gar keine ist: „Das gibt mir selber so viel. Es ist einfach ein unheimlich schönes, befriedigendes Hobby.“

Ein Treffpunkt für die Kultur: Das Haus der Volkskunst in Balingen

Hier lebt die schwäbische Kultur in allen Facetten – mit diesem Slogan wirbt das Haus der Volkskunst für sich selbst. Es gehört dem 100 000 Mitglieder starken schwäbischen Albverein und ist sein musisch-kulturelles Bildungszentrum.

Dort finden viele Seminare zur schwäbischen Kultur statt, die der Kulturrat des schwäbischen Albvereins organisiert. Außerdem bietet das Haus mit 90 Betten in 26 Zimmern und vielen Übungsräumen genug Platz für Tagungen und Feiern von Vereinen, Schulen und Firmen.

Eigentlich besteht das Haus aus zwei Gebäuden, die die Volkstanzgruppe Frommern ab 1979 in 21 000 unentgeltlich geleisteten Arbeitsstunden zum Vereinsheim und zur musischen Bildungsstätte um- und ausgebaut hat. Darin befinden sich auch das schwäbische Kulturarchiv, die Volkstanzberatungsstelle, das Kurt-Wager-Volkstanzarchiv und eine Instrumentenbau-Werkstatt. Weitere Infos gibt es unter www.schwaben-kultur.de

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