Hermaringen / Brigitte Malisi  Uhr
Am Hermaringer Mühlenhof soll eine Terrasse über der Brenz entstehen. Der Gemeinderat war zwiegespalten, stimmte aber mit großer Mehrheit zu. Die Johanniter übernehmen die Bewirtschaftung.

Herz oder Verstand, das schien die große Frage zu sein bei der letzten großen Entscheidung, die das Hermaringer Gemeinderatsgremium am Mittwoch noch in alter Besetzung zu treffen hatte. Konkret ging es um die Neugestaltung des Mühlenhofs. Den möchten natürlich alle so attraktiv wie möglich haben, aber es sollte auch nicht zu viel kosten. Seit Jahren schon taucht in Hermaringen immer mal wieder die Idee auf, an der Brenz eine Terrasse zu bauen, die über das Ufer hinausragt.

Auch im Rahmen ihrer Klausurtagung hatten die Ratsmitglieder dieses Thema diskutiert. Mindestens zwei Meter solle der Balkon über die Wasserfläche ragen, damit ein schwebender Eindruck entstehe.

Das Büro Gansloser wurde beauftragt, die voraussichtlichen Kosten zu ermitteln, die nun vorlagen: rund 225 500 Euro würde der Brenzbalkon kosten. Die Gemeinde erhält allerdings einen Zuschuss aus dem Landessanierungsprogramm, sodass nur rund 90 000 Euro selbst aufgebracht werden müssten.

Bürgermeister Jürgen Mailänder ließ in seinem Plädoyer keinen Zweifel daran, dass ihm der Brenzbalkon eine Herzensangelegenheit ist. Er sei der Meinung, dass man hier ein städtebauliches Highlight schaffen könne, das an dieser zentralen Stelle allen Hermaringern zugutekomme. Zumal die Betreiber des Seniorenzentrums bereits zugesagt hätten, dass sie die Außenbewirtschaftung übernehmen würden. Er befürchte, dass man es später einmal bereuen könnte, wenn man sich diese Chance entgehen lasse. Ein nachträglicher Bau sei praktisch unmöglich, schon allein wegen des fehlenden Zuschusses, aber auch weil man sich im Zeitplan mit den Bauarbeiten des Seniorenzentrums abstimmen müsse.

Alle Räte nahmen Stellung

Ihr Kopf sage, dass eine solche Investition nicht drin sei, aber ihr Herz würde den Brenzbalkon gerne haben wollen, eröffnet Ute Kölbel die Reihe der Beiträge. Ausnahmslos alle Räte nahmen in der Sache Stellung und etlichen ging es offensichtlich ebenso wie ihr: Sie waren hin- und hergerissen.

Auch Hans-Dieter Diebold gab zu, gespalten zu sein, betonte aber, dass die Attraktivität Hermaringens nicht an diesem Balkon hänge. Beim Treppenzugang zur Brenz beim Rathaus habe man sich auch mehr versprochen, als letztendlich daraus geworden sei. Und auch einen Seitenhieb auf den Brenzplatz konnte sich Diebold nicht verkneifen: Hier hätte man für wenig Geld die Brenz erlebbar machen können und habe es aus Kostengründen abgelehnt. Ute Laib gab zu, dass es ein Fehler gewesen sei, den Brenzplatz nicht herzurichten. Allerdings könne man hier auch noch nachträglich tätig werden, für den Balkon müsse man sich jetzt entscheiden.

Ernst Ortlieb argumentierte für den Balkon. Bei der Ufermauer habe man einiges an Geld einsparen können, das nun gut in den Balkon investiert werden könnte.

Das überzeugte Martin Ganzloser und Wolfgang Nothelfer nicht. „Sparen sieht für mich anders aus“, meinte Gansloser, der darauf verwies, dass man in der Haushaltsdebatte dann wieder nach jedem Tausender suche, den man einsparen könne. Er erinnert daran, dass die Gemeinde aktuell einen Kindergarten zu bauen habe und noch weitere Aufgaben anstünden.

Für eine Überraschung sorgte schließlich Hans Ott, der die Finanzen der Gemeinde immer kritisch im Blick hat und normalerweise jede aus seiner Sicht unnötige Ausgabe ablehnt. Er werde dem Brenzbalkon zustimmen, kündigte er an, auch wenn für ihn das einzige Argument sei, dass ihn der Bürgermeister so gerne haben möchte. Er wolle damit das große Engagement würdigen, mit dem Mailänder dieses unglaubliche Projekt erst möglich gemacht habe.

Bei zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung wurde beschlossen den Brenzbalkon zu bauen, und das Büro Gansloser mit der weiteren Planung beauftragt.