Herbrechtingen In der Lehmgrube soll naturnah gebaut werden

Im Gemeinderat wurde die Forderung laut, beim Entwurf des Baugebiets Lehmgrube mehr auf die Natur zu achten.
Im Gemeinderat wurde die Forderung laut, beim Entwurf des Baugebiets Lehmgrube mehr auf die Natur zu achten. © Foto: Christian Thumm
Herbrechtingen / Günter Trittner 16.07.2018
Stadtrat Hof plädierte In der jüngsten Gemeinderatssitzung dafür, im neuen Baugebiet etwas für die Artenvielfalt zu tun. Auf die Verbindungsstraße zur Eselsburger Straße wird nicht verzichtet.

Angesichts des Artensterbens sollten die städtischen Betriebe nicht alles öffentliche Grün auf die Schnittlänge eines Rasens kürzen. Diese Anregung ging von Stadtrat Andreas Hof (Freie Wähler) aus, als im Gemeinderat über den Entwurfsbeschluss für das künftige Baugebiet Lehmgrube westlich der Alt-Ulmer Straße diskutiert wurde. 33 Einfamilienhäuser sollen hier entstehen, dazu fünf Mehrfamilienhäuser entlang der Langen Straße. Rund 230 Menschen werden hier wohnen.

„Je mehr Wildnis, desto mehr Insekten“, so die Gleichung von Hof, der meinte, dass die Verwaltung im neuen Baugebiet gleich von Beginn an in dieser Hinsicht Nägel mit Köpfen machen sollte. „Ich bin bei Ihnen“, signalisierte Dieter Frank, der Fachbereichsleiter Bau, wohl wissend, dass dann „die Leute sagen werden, wie sieht das denn aus!“.

Stadtrat Roland Smejkal (CDU) regte an, über den Bebauungsplan für Flachdächer eine Begrünung vorzuschreiben. „Das wäre eine sanfte Möglichkeit der Einwirkung“, meinte Frank. Stadträtin Annette Rabausch (Freie Wähler) hielt es dann aber eher für wahrscheinlich, dass kein Bauherr mehr ein Flachdach wählen werde.

Naturnahe Flächen

Der schließlich von Hof formulierte Antrag, dass in der Lehmgrube die städtischen Flächen möglichst naturnah bleiben sollen, wurde vom Gremium gutgeheißen. Frank stellte aber auch heraus, dass ein Baugebiet nicht nur Naturvernichtung ist. Von 27 000 Quadratmeter überbauter Fläche müssten 12 000 alternativ ausgeglichen werden.

Befasst war das Gremium auch mit Änderungswünschen von Bürgern und Anliegern. Die Befürchtung, dass Mehrfamilienhäuser auch an der unteren Kante des Baugebiets erlaubt sind, konnte Frank zerstreuen. Diese wird es nur entlang der Langen Straße geben. „Möglichst als Riegel, also dicht beieinander“, so Frank, damit diese als Schallschutz gegen die Landesstraße wirken.

Ein Anlieger muss zahlen

An der von Anliegern beanstandeten geplanten Verbindungsstraße zum neuen Wohngebiet Eselsburger Straße ließ die Verwaltung nicht rütteln, da sie der innerörtlichen Entlastung diene. Bestritten wird nicht, dass davon ein Landschaftsschutzgebiet leicht berührt wird. Dies könne aber ausgeglichen werden. Allerdings muss ein Anlieger im unteren Bereich in einen sauren Apfel beißen: Die schmale Straße hinüber ins Wohngebiet beschert ihm eine zweite Zufahrt, für die er laut Gesetz Erschließungsbeiträge zahlen muss. Da es ein Eckgrundstück ist, so Peter Wagner, der Fachmann für Liegenschaften, gebe es aber eine Ermäßigung.

Mit einer Einwohnerzahl von 61 je Hektar, so Frank, entspreche das Baugebiet der Wunschvorstellung des Regionalverbands nach einem verdichteten Bauen. Dessen Empfehlung liege zwischen 55 und 71 Einwohner.

Seit 2007 als Neubaugebiet im Blick

Weil das Baugebiet an der Eselsburger Straße bereits ausverkauft ist und es in Herbrechtingen sonst keine städtischen Bauplätze gibt, entsteht das in der Lehmgrube.

Bereits 2007 war es als potenzielles Baugebiet ins Auge gefasst worden. Über den Aufstellungsbeschluss kam das Bebauungsplanverfahren aber nicht hinaus. Das jetzige Verfahren ist schon einen Schritt weiter.

Nachdem Anregungen und Einwendungen abgearbeitet sind, ist jetzt der Auslegungsbeschluss ergangen. Wieder werden die Träger der öffentlichen Belange parallel am Verfahren beteiligt. Den Schlusspunkt setzt wieder der Gemeinderat mit dem Satzungsbeschluss.

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