Königsbronn Mittwochs ist künftig Mädchen-Meeting

Der „Jugendcontainer“ auf dem Hof der Brenzschule in Königsbronn wird rege in Anspruch genommen und ist zwei Jahre nach seiner Eröffnung eigentlich schon zu klein. Der Wunsch nach mehr Platz für die offene Jugendarbeit hat nun auch den Gemeinderat erreicht.
Der „Jugendcontainer“ auf dem Hof der Brenzschule in Königsbronn wird rege in Anspruch genommen und ist zwei Jahre nach seiner Eröffnung eigentlich schon zu klein. Der Wunsch nach mehr Platz für die offene Jugendarbeit hat nun auch den Gemeinderat erreicht. © Foto: Archiv/Nadine Rau
Königsbronn / Gerhard Stock 01.06.2018
Der Container-Jugendtreff in Königsbronn kommt vor allem bei Jungs gut an. Auch in der Georg-Elser-Schule sind die Angebote der Caritas gefragt.

Nein, Königsbronn ist für Jugendliche keine ausschließlich heile Welt, aber es gibt hier auch keine außergewöhnlichen oder besonders schwerwiegenden Probleme: So das Fazit von Corina Reuß auf die Frage von Gemeinderat Michael Öxler (CDU), wo denn in Königsbronn hinsichtlich der Sozialarbeit der Schuh am meisten drücke.

Wie etwa in Oberkochen, Gerstetten, Giengen oder in Heidenheim machten manchen Jugendlichen auch hier alters- und gesellschaftstypische Probleme zu schaffen, so die Jugendhilfe-Leiterin der Caritas Ostwürttemberg. Sei es in der Schule wegen Leistungsdruck und Stress aufgrund schlechter Noten, wegen mangelnder Zuwendung und Aufmerksamkeit in der Familie, allgemeiner Orientierungslosigkeit oder Schwierigkeiten in einer Beziehung. Spezielle Königsbronner Probleme aber gebe es aus ihrer Sicht nicht.

Generell arbeite man bedarfsorientiert und in jedem Fall seien die Möglichkeiten und Zugangswege, sich kostenlose und vertrauliche Beratung holen zu können, sehr kurz. Das treffe insbesondere auch für den Bereich der Kindeswohlgefährdung zu. Komme man in einem Fall zu der Einschätzung, ein roter Bereich sei erreicht und „wir können auch in Kooperation mit den Eltern die Gefahr nicht abwenden, müssen wir zum Schutz des Kindes das Jugendamt verständigen“, erläuterte Reuß.

Effektive Zusammenarbeit

Mit diesem arbeite man vertrauensvoll und effektiv zusammen. Ob dieses nun überlastet sei oder nicht, so versicherte Reuß auf Nachfrage von Ratsmitglied Felix Kluge (Unabhängiger Wählerblock), werde das Jugendamt in jedem Fall reagieren, wenn es eine akute Gefährdung gemeldet bekomme. Neben Corina Reuß brachten auch die Fachfrauen Wencke Schuhmaier, Franziska Hafner und Isabell Walzhauer den Gemeinderat in der jüngsten Sitzung mit einem umfassenden Bericht sowohl über die offene Jugendarbeit als auch über die seit Beginn 2018 praktizierte Sozialarbeit an der Georg-Elser-Schule auf den neuesten Stand.

Demnach wurde der Jugendtreff in dem mit markantem Juze-Graffito dekorierten Container 2017 von insgesamt 2046 Kindern und Jugendlichen besucht, die Hälfte davon mit Migrationshintergrund. Das Altersspektrum der Besucher umfasste sechs bis 18 Jahre, schwerpunktmäßig vertreten waren jedoch die Zehn- bis Zwölfjährigen. Zwei Drittel der Juze-Besucher waren Jungs, nur ein Drittel Mädchen. Das soll heuer anders werden und zwar mit Hilfe eines wöchentlichen Mädchen-Nachmittags. Immer mittwochs, jeweils von 15 bis 18Uhr, sollen hier künftig Aktivitäten wie Malen, Basteln oder Tanzen „mädchenspezifisch“ stattfinden.

Die Verteilung der Geschlechter, so Corina Reuß, habe wohl auch mit dem Container und fehlenden Rückzugsmöglichkeiten zu tun. Je nachdem, welche Gruppe gerade da sei, blieben dann die anderen weg. Auch deswegen sei im Hinterkopf stets der Wunsch präsent, sich „räumlich zu vergrößern“.

Größter Erfolg im vergangenen Jahr war der Aktionstag Sucht mit fast 80 Besuchern in der Hammerschmiede, großen Widerhall fand zudem das Projekt „Kids leben Königsbronn und Oberkochen“. Auch heuer werde es wieder Programmangebote in den Ferien geben. Wobei das Spektrum vom Bollerwagenausflug zum Grillen über Minigolf, Höhlenbesuch und Wasserschlacht bis zu Cocktailnachmittagen reicht und als gemeinsame Aktionen mit den Jugendtreffs Oberkochen und Gerstetten auch Menschenkicker und ein Skater-Turnier einschließt.

Vertraut mit den Sozialarbeitern

Aufmerksam zur Kenntnis nahm das Gremium auch die umfangreichen Ausführungen der Sozialpädagoginnen zur Schulsozialarbeit mit den Schwerpunkten Beratung, Gruppenarbeit sowie Kooperation und Vernetzung, aufgezeigt anhand eines fiktiven Falls. Die Tatsache, „dass wir einfach zum Schullalltag dazu gehören und uns die Kinder und Jugendlichen kennen“, erleichtere generell den Zugang zu den Klienten. Da die eigenen Möglichkeiten an der Schule oft nicht ausreichten, sei man zusätzlich auf externe Partner angewiesen, „um auf die Bedarfe der Schüler angemessen reagieren zu können“.

Ein wichtiges Ziel der Gruppenarbeit mit Sozialtraining in den Klassen 5 und 6 sei die Installation eines Klassenrates. Dieser biete dann die Möglichkeit, sich wöchentlich über Themen auszutauschen, die ansonsten zu kurz kommen würden. Projektarbeit und Streitschlichterausbildung als AG für Achtklässler sind weitere fest installierte und verlässliche Angebote für interessierte Schüler.

Mehr Platz für den Jugendtreff

„Das ist jeden Euro wert“, zeigte sich der Gemeinderat beeindruckt von den engagierten und motivierten Jugendhilfe-Mitarbeiterinnen. Der Wunsch nach mehr Platz für den offenen Jugendtreff wurde ebenfalls gehört, wie Bürgermeister Michael Stütz deutlich machte. Dass der erst angeschaffte Container für die vielen Besucher schon zu klein sei, sehe er nicht negativ, sondern letztlich als vollen Erfolg der bisherigen Arbeit.

Eine Lösung des Platzproblems schwebt ihm rückblickend auf den Bürgerentscheid Grundschulstandorte bereits vor: „Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, müssen in der Brenzschule bald ja enorm viele Räume frei sein.“ Nichts halte er dagegen von der auch schon gehörten Überlegung „Jugendfeuerwehr raus und Jugendhaus rein“.

Eine Stelle, zwei Angestellte

Seit Jahresbeginn kümmern sich eigens dafür angestellte Sozialpädagoginnen der Caritas Ostwürttemberg in Königsbronn auch um die Sozialarbeit an der Georg-Elser-Schule. Bereits seit April 2016 gestalten sie erfolgreich offene Jugendarbeit im eigens dafür aufgestellten Juze-Container auf dem Hof der Brenzschule, gleich neben dem angestammten Domizil der Jugendfeuerwehr in Königsbronn.

Den Jugendtreff leitete bisher Franziska Hafner. Sie hat diese Aufgabe aber mittlerweile an Isabell Walzhauer abgegeben, die noch von einem Auszubildenden unterstützt wird. Hafner ist nun in der Schulsozialarbeit tätig und teilt sich hier im Rahmen eines Pilotprojektes der Caritas eine Stelle mit Wencke Schuhmaier im Verhältnis 50 zu 50

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