Turnier Mit Stöcken auf Stöcke schießen

Auernheim / Timo Landenberger 07.05.2013
An Absage war nicht zu denken. So stellten sich die Stockschützen des SV Auernheim dem trüben Wetter und veranstalteten ihr nunmehr viertes Frühlingsturnier. In diesem Jahr mit zugleich auch siegreichen Gästen aus Österreich.

Vier Jahre ist es her, dass es Georg Reichenbach senior zu bunt wurde, immer nach Nördlingen fahren zu müssen, um seinem Hobby nachgehen zu können. Denn bereits 1997 hat er dort mit dem Stockschießen angefangen. Schnell wurde daraus eine Leidenschaft, sodass dem 73-Jährigen die Idee kam, die Präzisionssportart auch im heimischen Auernheim zu etablieren. Freunde und Bekannte wurden überzeugt, nur der Vorstand des SV zeigte sich zunächst skeptisch. Die Finanzierungsfrage stand im Raum, doch die habe Reichenbach nicht beirren können: „Wir haben einfach im Ort gesammelt und hatten das Geld schnell zusammen“, erzählt der heutige Abteilungsleiter. Komplett in Eigenregie ging es 2009 an die bauliche Umsetzung. Zwei Monate später waren die beiden Bahnen aus präzise verlegten Pflastersteinen fertig und bespielbar.

Mittlerweile ist das Gelände weit mehr als „nur“ eine Sportstätte: Die beiden Sommerstockbahnen des SV Auernheim wurden zu einer Art Dorfmittelpunkt für Jung und Alt. Man trifft sich, tauscht sich aus, schießt mit „Stöcke“ genannten Sportgeräten auf ebensolche, und hin und wieder wird ein kleines Hobbyturnier veranstaltet.

„Es gibt auch eine offizielle Runde, aber für uns steht das gesellige Beisammensein im Vordergrund“, erklärt die Wettbewerbsleitung, bestehend aus Georg Reichenbach junior. „Seit die örtliche Wirtschaft nur noch einmal im Monat geöffnet hat, haben wir sogar unseren Stammtisch hier raus verlagert. Immer sonntags, zwischen Kirche und Mittagessen.“

Stockschießen erinnert irgendwie an Curling, entfernt auch an Boccia und hat doch seine ganz eigenen Regeln und Schwerpunkte. Aus 24,5 Metern gilt es, den sogenannten Stock vom Abspielpunkt aus möglichst nahe an eine Art Puck, die Daube, heranzustoßen. Nach sechs Durchgängen, im Fachjargon „Kehren“ genannt, gewinnt die Mannschaft, der das am häufigsten gelang. So manch einer schießt dabei auch schon mal über das Ziel hinaus.

Acht Mannschaften lieferten sich heuer beim Frühlingsturnier in Auernheim teils heiße Duelle bei kaltem Regen. „Aber solange es keine Mistgabeln regnet, müssen wir auch nicht abbrechen“, sagt Reichenbach trocken. Mit von der Partie waren diesmal die Vertreter der Königsbronner Partnergemeinde Reißeck aus Österreich. Mit zwei Punkten Vorsprung und damit insgesamt zwölf Zählern setzte sich diese Mannschaft am Ende durch und gewann das Turnier knapp vor der gemischten Auswahl der Gastgeber und dem SV Holzkirchen. Doch bei einem Hobbyturnier gibt es keine Verlierer und so wartete am Ende eine ganze Kiste Dosenwurst darauf, an sämtliche Teilnehmer verteilt zu werden.

„In Bayern ist Stock- und Eisstockschießen eine Traditionssportart“, weiß Reichenbach junior. Hierzulande hingegen kenne man es kaum. So stehe in Auernheim die erste und nach wie vor einzige Stockschießanlage im Kreis Heidenheim. 23 Mitglieder zählt die Abteilung, etwa 16 finden sich regelmäßig auf dem Gelände ein. Trainiert wird zweimal die Woche plus Stammtisch.

Auch abends gehen die Hobbyschützen auf die Jagd nach guten Ergebnissen, denn die Bahnen verfügen über eine Flutlichtanlage. „Auf Eis spielen wir aber selten“, sagt Reichenbach. „Das ist zu gefährlich.“ Im Winter werde die Spielstätte deshalb meist freigeräumt.

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