Herbrechtingen Ex-Ministerin Tanja Gönner wirbt für Afrika-Hilfe

Sie berichteten in Herbrechtingen über die Entwicklungszusammenarbeit mit den Staaten in Afrika: GIZ-Chefin Tanja Gönner (links) und Europaabgeordnete Dr. Inge Gräßle.
Sie berichteten in Herbrechtingen über die Entwicklungszusammenarbeit mit den Staaten in Afrika: GIZ-Chefin Tanja Gönner (links) und Europaabgeordnete Dr. Inge Gräßle. © Foto: Sabrina Balzer
Herbrechtingen / Günter Trittner 22.10.2018
Für die CDU-Politikerin und Leiterin der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit geht es in Afrika um mehr als die Bekämpfung von Fluchtursachen.

Rund 1,2 Milliarden Menschen leben derzeit auf dem afrikanischen Kontinent, 2,5 Milliarden werden es 2050 sein. Seit sich Migranten zu tausenden ans Mittelmeer aufmachen, weil sie in Europa ihre Überlebenschance sehen, macht man sich hierzulande im politischen Raum vermehrt Gedanken, wie man Fluchtursachen bekämpfen könnte. Diese aktuelle Schlagwort ist auch Tanja Gönner nicht fremd. Doch die CDU-Politikerin, die in Baden-Württemberg in den Kabinetten Oettinger und Mappus Ministerin für Soziales, Umwelt und Verkehr war, betrachtet Afrika von einer anderen Warte. Sie ist Vorstandssprecherin der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), welche sich seit über 50 Jahren für nachhaltige Entwicklung und Bildung weltweit einsetzt. Und aus dieser Perspektive ist für Gönner Afrika schon immer ein Kontinent der Migranten gewesen – im Binnenbereich und nach außen.

Gerade aus Mali zurückgekehrt nahm sich Gönner dieser Tage im Karl-Saal des Herbrechtinger Klosters mehr als zwei Stunden Zeit, um zu verdeutlichen, dass ein Kontinent mit 54 Staaten, der dreimal so groß wie Europa ist, nicht in einer Momentaufnahme überblickt werden kann. „Man braucht einen langen Atem für die Zusammenarbeit“, meinte Gönner, „aber ich glaube es lohnt sich, hier Unterstützung zu leisten.“

Inge Gräßle: „Die EU ist der größte Geldgeber Afrikas“

Eingeladen zu diesem Abend hatte die Heidenheimer Europaabgeordnete Dr. Inge Gräßle. „Wir engagieren uns“ lautete dessen Titel, den die EU schon bisher wörtlich genommen hat. „Die EU ist der größte Geldgeber Afrikas.“ 21 von 76 Milliarden kommen aus Brüssel. „Afrika ist ein Zukunftskontinent“, betonte Gräßle, „aber über Geld politischen Einfluss zugunsten von Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit zu gewinnen, da kann man schon noch besser werden.“

Afrika ist eine Goldgrube, was seine Rohstoffe anbetrifft und es ist gleichzeitig eine Welt des Hungers und der Bürgerkriege. Es regieren Diktatoren und im Ansatz demokratische Gremien, 700 Millionen Handys sind dort registriert und noch immer wird in einigen Ländern die Frau nur nach der Zahl ihrer Söhne wertgeschätzt.

Korruption, Bürokratismus und die Nachlässigkeit bei Terminen und Regeln, waren an diesem Abend im Kloster ebenso Thema zwischen Gönner und den eifrig sich einschaltenden Besuchern wie das ganze Alphabet der Hilfen der GIZ, deren Beratungsleistung vom Agrarsektor bis hin zur Bildung wirtschaftlicher und politischer Strukturen reicht. Und die GIZ ist auch „geübt in Rückkehrhilfe.“ Gönner sprach von Rückkehrzentren in zehn Staaten, wo versucht werde Ausbildung zu organisieren und den Menschen ein Startchance in ein selbstständiges Leben zu ermöglichen. Und Gönner erzählte auch von Somalia, dem in unzähligen Kämpfen ausgebluteten Land, in das erstmals wieder Menschen zurückkehren – 30 000 nach Kenia Geflüchtete.

20 Millionen neue Jobs und dies Jahr für Jahr – so viele braucht es, damit alle nachwachsenden Jahrgänge in den afrikanischen Ländern ein Auskommen finden. „Das ist die Hauptaufgabe.“ Europa, so Gönner, sperre sich nicht gegen Importe. Nur entsprächen die Waren zumeist nicht den in Europa geltenden Standards. Wichtiger aus Gönners Perspektive wäre für Afrika, dass sich hier erst ein Binnenhandel entwickle. „Es gibt noch zu viele Zollschranken.“ Und die Afrikaner müssten die Wertschöpfungskette in ihren Ländern verlängern, indem sie die Rohstoffe selbst veredeln. „Europa hat erkannt, dass uns die Zukunft Afrikas nicht bedeutungslos sein kann.“

Intelligente Zusammenarbeit mit China

Dass China mittlerweile in großem Maß in Afrika investiert und diese Länder als verlängerte Werkbank ins Kalkül nimmt, lässt Gönner zwar auch von einem „Kampf der Systeme sprechen („freiheitliche Grundordnung versus autoritäres System“), doch angesichts der Aufgabe „brauchen wir eine intelligente Form der Zusammenarbeit mit China.“

Eine Tätigkeit der GIZ, von der sich Gönner viel verspricht, ist der Aufbau von Reformpartnerschaften. Gezielt will man Ländern eine Entwicklungszusammenarbeit anbieten, wo demokratische Strukturen angestrebt werden und Interesse an einer geordneten Wirtschaft besteht. Diese möchte man zu Leuchttürmen aufbauen, die weithin als Beispiel strahlen sollen „Die Erfolge werden auf sich warten lassen“, meinte Gönner. Unter zehn bis 15 Jahren werde es nicht gehen. „Ich bin da schon mit Realitätssinn unterwegs.“ Nicht vergessen bleiben bei der GIZ, die in 40 afrikanischen Ländern vertreten ist, die „kritischen Staaten“, wo man für die Grundversorgung der Menschen tätig ist.

In 120 Ländern mit 19 500 Mitarbeitern tätig

Die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterstützt die Bundesregierung dabei, ihre Ziele in der internationalen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Die GIZ befindet sich zu 100 Prozent im Besitz des Bundes.

Das Unternehmen ist mit rund 19 500 Mitarbeitern in etwa 120 Ländern weltweit aktiv. Es berät Industrieländer, aber auch deutsche Bundesländer, unterstützt Schwellen- und Entwicklungsländer und schafft Arbeitsplätze.

Im Jahr 2017 betrug das Geschäftsvolumen der GIZ rund 2,6 Milliarden Euro. Davon entfielen 2,5 Milliarden auf Bundesministerien und andere öffentliche Auftraggeber aus Deutschland.

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