Herbrechtingen / Günter Trittner Ende 2020 will die Stadt Herbrechtingen auf einen Schwung 2000 Lampen auf LED umstellen. Die Energiekosten fallen von rund 200 000 Euro auf 40 000 Euro.

Die betriebswirtschaftlichen Vorteile hatte Andreas Mosel den Stadträten schnell nahe gebracht. Bei der Umstellung der gesamten Straßenbeleuchtung in Herbrechtingen auf LED spart die Stadt mehr als 80 Prozent beim Energieverbrauch. In Euro und Cent umgerechnet müssen statt jährlich 207 000 nur noch 42 000 Euro an Stromkosten beglichen werden.

In 7,3 Jahren amortisiert

Trotz Anschaffungskosten von 1,2 Millionen Euro amortisiert sich die Investition in zeitgemäße Lichtquellen nach Mosels Rechnung in 7,3 Jahren. „Das ist ein Top-Wert“, versicherte der Lichtplaner Mosel den Mitgliedern des Ausschusses für Umwelt, Bauwesen und Verkehrsangelegenheiten. Doch nicht nur in Sachen Klimaschutz übertreffen die LED-Leuchten die bekannten Natrium- und Quecksilberdampflampen um ein vielfaches. Sie sind auch weniger reparaturanfällig und leuchten 100 000 und mehr Stunden. Die nächsten 20 bis 25 Jahre, so Mosel, werde man sich nicht mehr um die LED-Lampen kümmern müssen. Diese Vorteile noch mit eingerechnet, kam Stadtrat Peter Aufleger sogar auf eine Amortisationszeit zwischen zwei und drei Jahren.

Masterplan ist erstellt

Damit dies alles so kommt, müssen in Herbrechtingen noch über 2000 Lampen einen neuen Kopf bekommen oder in ihrer Gesamtheit gewechselt werden. „Das ist kein ganz so kleines Vorhaben“, meinte Mosel, der derzeit auch in Oberkochen einschlägig als Lichtplaner tätig ist. Für Herbrechtingen hat Mosel mittlerweile alle Lampenstandorte und Lampentypen erfasst und einen Masterplan für den Umstieg auf LED erstellte. Der Zufall wollte es, dass just zur Sitzung des Gremiums ein Zwischenzusage für eine Förderung seitens des Bundesumweltministerums einging. Erwartet wird ein Zuschuss von 200 000 Euro.

Lampen geben mehr Sicherheit, wenn Geh- und Fahrweg nachts deutlich zu erkennen sind und sie verstärken auch das Sicherheitsgefühl, weil die Furcht vor dem Dunklen sinkt. Hinsichtlich der Verkehrssicherungspflicht erläuterte Mosel den Stadträten, sei die Stadt nur verpflichtet, Konfliktzonen zu beleuchten. Die Bürger erwarteten aber deutlich mehr Helligkeit. Die LED-Lampen, so Mosel, würden all diesen Anforderungen gerecht. „Das ist der richtige Weg.“ LED-Lampen, so Amsel, helfen sogar, Insekten zu schützen. Ihr Licht zieht sie nicht an. Und es strahlt nicht richtungslos in die Nacht hinein. Es gibt also auch weniger Licht-Smog.

Einige Modelle zur Auswahl

Lampen sind aber auch ein ästhetisches Erzeugnis. Man kann sie schön oder nicht schön finden. Das gilt im Besonderen für sogenannten Deko-Lampen, die über ihren Nutzen als Lichtspender hinaus in die Umgebung wirken wollen. Vor allem an öffentlichen Plätze findet man solche Lampen. In Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung hat Amsel für die gesamte Straßenbeleuchtung aus der Fülle der Modelle einige ausgefiltert, unter denen die Stadträte die am besten geeigneten bei einer der nächsten Sitzungen aussuchen sollen. Anschauen mit der Frage, ob sich das lohnt, will Mosel noch Lampen mit Bewegungsmeldern, welche ihr Licht bis zu 20 Prozent abdimmen, wenn niemand unterwegs ist.

Austausch binnen sechs Wochen

Die Vergabe des Auftrags soll im Herbst erfolgen. Ab Ende 2020 soll dann die gesamte Umstellung binnen maximal sechs Wochen erfolgen. Auch ein mittelständischer Betrieb, so Mosel, könne sich für den Auftrag bewerben. „Ein Elektriker mit Bockleiter wird es aber nicht schaffen.“

Wo eine Beleuchtungspflicht gilt

Die aus dem Paragraf 823 Bürgerliches Gesetzbuch (Schadensersatz) abgeleitete Straßen-Verkehrssicherungspflicht umfasst auch eine Beleuchtungspflicht. Sie ist aber im Prinzip begrenzt auf geschlossene Ortslagen und gefährliche Straßenabschnitte wie Kreuzungen, Einmündungen, Engpässe, scharfe Kurven, Gefälle und gekennzeichnete Fußgängerüberwege. Dazu zählen auch Straßen, die Bauschäden aufweisen oder aufgrund ihrer Anlage Gefahren auslösen können. pm