Herbrechtingen / Günter Trittner Mit der Maria-von-Linden-Schule in Heidenheim geht ein zweiter Anbieter einer praxisintegrierten Ausbildung im Erzieherberuf an den Markt. Gibt es dafür ausreichende Ausbildungsplätze in den Kitas?

Ergänzung oder Konkurrenz? Mit Ja oder Nein lässt sich für Beate Sorg-Pleitner diese Frage nicht beantworten. Im Jahr 2013 wurde an der von ihr geleiteten Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik die praxisorientierte Ausbildung im Erzieherberuf (Pia) eingeführt. Jetzt zieht in Heidenheim die Maria-von-Linden-Schule nach.

Auch an ihr kann man ab Herbst binnen dreier Jahre die staatliche Anerkennung erwerben, um als Erzieherin oder Erzieher zu arbeiten. Der Haken an der Sache: Die klassische Ausbildung im Erzieherberuf wird in Kitas, Horten und Heimen die ersten drei Jahre nicht bezahlt. Eine Entlohnung durch den Träger gibt es erst im vierten Praxisjahr.

Als Azubi eingestellt

Bei der Pia-Ausbildung dagegen stellen die Träger die angehenden Kräfte als Azubi ein und sie bezahlen ihnen über die ganzen drei Jahre eine Ausbildungsvergütung. Es war kein einfaches Unterfangen, erinnert sich Sorg-Pleitner, Einrichtungen zu gewinnen, die da mitmachen. Der Gedanke hinter Pia war, Quereinsteiger für diese Ausbildung zu gewinnen, die bereits in Lohn und Brot gestanden hatten. Mit 18 Schülern war Pia in der Herbrechtinger Fachschule gestartet, heute sind es 31.

Es fehlen immer noch Ausbildungsplätze

Doch immer noch mangelt es an Ausbildungsplätzen. Dabei anerkennt Sorg-Pleitner durchaus, dass sich viel getan hat. Aber ihr liegen derzeit eben auch an die 20 Anfragen von Interessenten an einer Pia-Ausbildung vor, die alle noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. „Ich freue mich über Heidenheim, aber wir bräuchten jetzt in der Region 20 plus x zusätzliche Pia-Ausbildungsplätze“, sagt die Direktorin, solle nicht der Fall eintreten, dass statt einer vollen Klasse dann in Heidenheim und Herbrechtingen nur je zwei halbe Klassen gebildet werden können. „Das kann nicht das Ziel sein.“ Solange es an Pia-Ausbildungsplätzen mangle, sehe sie die Heidenheimer Schule mit gemischten Gefühlen, gibt Sorg-Pleitner zu.

Weitere Konkurrenz am Markt

Heidenheim ist nicht der einzige Spieler, der diese Konkurrenzsituation um die Praxisplätze verschärft. Seit 2011, so Sorg-Pleitner, gebe es mittlerweile drei neue Schulen in Aalen und auch in Ehingen sei eine neu hinzugekommen. „Die Frage ist, wann der Markt gesättigt ist.“ Derzeit hat die Ausbildung im Erzieherberuf einen Lauf. „Wir starten heuer mit 95 neuen Schülern ins neue Schuljahr, vor fünf Jahren waren es 50.“ Zur Attraktivität des Berufs hat für Sorg-Pleitner auch die verbesserte Bezahlung beigetragen. „Das Gehalt kann sich heute sehen lassen. Da ist viel erreicht worden.“ Aufgebessert werde auch der Tarif für die Pia-Ausbildung. Seit dem Jahr 2013 gibt es einen Beschluss des Heidenheimer Kreistags zum Einstieg in die Erzieherausbildung. Diesen hat man ruhen lassen, um der Evangelischen Fachschule keine Konkurrenz zu machen.

600 neue Stellen sollen kommen

Sorg-Pleitner glaubt den Grund zu kennen, warum es jetzt anders gekommen ist. Die Kultusverwaltung wolle binnen zwei Jahren über Pia 600 Erzieherstellen schaffen. „Das geht nur über die staatlichen Schulen.“ Deswegen habe man jetzt wohl den Kreistagsbeschluss aktiviert. Sorg-Pleitner anerkennt auch, dass das Land bereit ist, Trägern Zuschüsse zu geben, wenn diese ihre Pia-Ausbildungsplätze um 25 Prozent erhöhen. „Ich will da nicht larmoyant erscheinen.“

Einiges auf der Habenseite

Schon deswegen auch nicht, weil die Evangelische Fachschule einiges auf der Habenseite stehen habe. „Wir haben einen Neubau, wir sind seit fast 75 Jahren am Ort, wir haben ein gutes Profil und ein gutes Konzept, wir müssen uns nicht verstecken.“ Geschätzt werde von den Schülern auch die persönliche Atmosphäre. „Und als kleine Schule sind wir auch frei für Experimente.“ Am Schulgeld sollte aus Sicht von Sorg-Pleitner auch die klassische Ausbildung nicht scheitern. Wenn jemand die 30 Euro pro Monat nicht aufbringen könne, dann gebe es auch karitative Fonds. Die klassische Ausbildung startet denn auch im kommenden Ausbildungsjahr in Herbrechtingen mit zwei vollen Klassen.

An der Maria-von-Linden-Schule wird ab dem kommenden Schuljahr eine praxisintegrierte Ausbildung für Erzieher angeboten.

Vier Schulen im Verbund

Die evangelische Fachschule für Sozialpädagogik ist Teil eines Verbunds von vier Schulen, welche alle vom Verein Evangelische Ausbildungsstätten für Sozialpädagogik getragen werden. Der Verein hat seinen Sitz in Stuttgart. Schulstandorte sind neben Heidenheim noch Reutlingen, Schwäbisch Hall und Stuttgart. Die Wurzeln des Vereins gehen bis ins Jahr 1862 zurück, wo erste Kindergärtnerinnen-Seminare begonnen wurden. Seit dem Jahr 1920 hat der Verein eine staatliche Anerkennung als Ausbilder. In Herbrechtingen kam es 1945 zur Schulgründung, nachdem die Stuttgarter Einrichtung in den Kriegswirren hatte aufgegeben werden müssen. In Herbrechtingen stand im Kloster ausreichend Platz zur Verfügung.