Fasching Mit dem Trabi ins Lonetal

Feiern bis zum Abwinken: Die große Playback-Show ist stets der Höhepunkt des Bissinger Faschings.
Feiern bis zum Abwinken: Die große Playback-Show ist stets der Höhepunkt des Bissinger Faschings.
Bissingen / MICHAEL BRENDEL 19.02.2014
Frohsinn ohne Ende: Zum 25. Mal lädt der Sportverein Bissingen zu seinem wahrhaft schon traditionellen Fasching. Das Lachen ist den Jecken vom Lonetal während dieser Zeit keine Sekunde lang vergangen. Ganz im Gegenteil.

Jeder fängt mal klein an. Leider geraten die ersten Schritte meist rasch in Vergessenheit, sobald das Kind auf eigenen Beinen durch die Gegend stapfen kann. Erspart bleibt dieses Schicksal dem Bissinger Fasching. Zwar bilden die Narren im Herbrechtinger Teilort (noch) keine eigene Abteilung des ausrichtenden Sportvereins, gleichwohl halten sie die Erinnerung an die etwas unbeholfenen Gehversuche aus der Anfangsphase vor einem Vierteljahrhundert hoch.

So wird selbstredend die eine oder andere Episode nochmals hervorgekramt, rückblickend manches vielleicht ein wenig verklärt, garantiert aber vieles unter großem Hallo zum Besten gegeben, wenn die Mehrzweckhalle am kommenden Samstag ab 20 Uhr nur einem Zweck dient: Schauplatz eines ausgelassenen Treibens zu sein.

„Venezianische Nacht“ ist die Großveranstaltung heuer überschrieben, deren Rahmenbedingungen eine vielköpfige Mannschaft seit einer Woche schafft. Bars wollen eingerichtet, Essens- und Getränkevorräte aufgefüllt, Wand- und Decken-Accessoires angebracht werden. Aufwendigstes Detail, bei dem es sich genau betrachtet um ein massives Schwergewicht handelt, ist das zum Thema passende Bühnenbild.

Schreiner, Polsterer, Airbrusher – die Bissinger müssen sich wieder einmal als Fachleute auf vielen verschiedenen Fachgebieten beweisen, und sie tun das mit einer Hingabe, die ihnen auf dem sportlichen Sektor zweifelsohne Meisterehren einbrächte. Noch halten sich die Macher bedeckt, was Details angeht, dem Vernehmen nach soll die aktuelle Kulisse aber das bisher Dagewesene in den Schatten stellen.

Es wäre zwar reichlich vermessen, wollte sich der Fasching in Bissinger mit dem Karneval in Venedig messen. Immerhin datiert die Premiere des Letzteren den Geschichtsbüchern zufolge bereits von 1094. Erst 895 Jahre später zog dann Bissingen nach, wobei der kleine Ort nicht auf historische Masken setzt, sondern auf die größte Playback-Show im weiten Umkreis. Und wo in Köln, Mainz und Düsseldorf komplette Straßenzüge als Staffage herhalten müssen, schaffen sich die Bissinger Jahr für Jahr in einer Turnhalle ihren närrischen Mikrokosmos.

Ganz groß raus kamen dort in der Vergangenheit unter anderem das gelbe U-Boot der Beatles, Marianne und Michael im volkstümlichen Gewand, kurz nach dem Mauerfall Gerti aus der DDR im Original-Trabi und eine über den Köpfen des Publikums pendelnde Riesen-Biene.

Oft kopiert – nie erreicht: Der Bissinger Fasching ist auch nach einem Vierteljahrhundert ein Unikat.

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