Sontheim Sicherheit im Feuerwehrhaus: Neubau oder Sanierung?

Früher Kino, heute Feuerwehrgerätehaus – mit einigen Mängeln.
Früher Kino, heute Feuerwehrgerätehaus – mit einigen Mängeln. © Foto: Christian Thumm/Archiv
Sontheim / Laura Strahl 07.07.2018
Neubau oder Sanierung? Der Sontheimer Gemeinderat will im Herbst eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben – und dann entscheiden.

Sontheim, Hauptstraße 26. Wo einst ein Kino zu finden war, ist seit 1966 das Feuerwehrgerätehaus untergebracht. Seither wurde in und am Gebäude viel umgebaut und improvisiert. „Das Haus wurde ja nicht als Feuerwehrgerätehaus konzipiert und gebaut“, fasste Bürgermeister Matthias Kraut am Donnerstagabend in einer Vor-Ort-Sitzung des Gemeinderats zusammen.

Von Anfang an sei daher wohl klar gewesen: Man würde nie auf alle Bedürfnisse der Feuerwehrleute eingehen können. Geklappt hat bisher dennoch alles. Jetzt aber ist man an die Grenzen des Machbaren gestoßen. Improvisieren geht nicht mehr. Auch aus rechtlichen Gründen.

Das Feuerwehrgerätehaus nämlich entspricht in zehn Punkten nicht den im Dezember 2016 veröffentlichten Regeln der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Das hat die Gemeinde seit Juni 2017 schwarz auf weiß: Seither liegt der Bericht des von der Verwaltung beauftragten Diplom-Sicherheitsingenieurs Torsten Kissing der Münchner IAS Health & Safety GmbH vor, der das Gebäude im Mai 2017 begutachtet hat. Die Gemeinde muss also so schnell wie möglich tätig werden, um die Sicherheitsmängel zu beheben.

Und das will sie auch – die Frage ist nur: Wie kann das gelingen? Durch eine Sanierung des aktuellen Gebäudes? Oder durch einen Neubau? Und wenn Neubau, dann an gleicher Stelle? Oder an einem anderen Standort? Was kostet das alles? Und wäre eine Public Private Partnership, sprich die Zusammenarbeit mit einem privaten Investor, lohnenswert? Für diese Fragen interessierten sich neben Kommandant Jochen Schmid und Kreisbrandmeister Rainer Spahr am Donnerstag auch rund 30 Angehörige der Sontheimer Feuerwehr. Konkrete Antworten wurden allerdings noch nicht gefunden.

Kosten: 15 000 Euro

Als Entscheidungsgrundlage soll in einer Sitzung im Herbst, voraussichtlich im September oder Oktober, zunächst einmal eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden. Wie Hauptamtsleiter Martin Hofman erläuterte, habe man hierfür bereits Kontakt zu drei Architekturbüros aufgenommen, die Erfahrung in Bau und Sanierung von Feuerwehrgerätehäusern haben. Rund 15 000 Euro müsse man für die Erstellung der Machbarkeitsstudie einplanen, so Hofman weiter. Geld, das man im Haushaltsplan bereits eingestellt habe.

„Wir brauchen diese Untersuchung, um mit Fleisch am Skelett diskutieren zu können“, plädierte Kraut für die Erstellung der Studie. Auch als Grundlage für Anfragen bei Förderstellen werde die Untersuchung benötigt. Wirkliche Überzeugungsarbeit leisten musste der Bürgermeister allerdings nicht. Alle Fraktionen zeigten sich von der Vorgehensweise überzeugt. Man müsse die Rahmenbedingungen abstecken, brauche für die weitere Diskussion belastbare Zahlen.

„Es gibt hier Gefahrenstellen, die eigentlich undenkbar sind“, machte Kommandant Jochen Schmid die Dringlichkeit deutlich. Man habe Glück, dass bislang niemandem etwas Gravierendes passiert sei. Für den Fall, dass es doch einmal so weit kommen sollte, konnte ihm Sicherheitsingenieur Kissing eine Sorge nehmen: Die Verantwortung für die Sicherheit der Feuerwehrleute trage der Kommandant nur im Rahmen seiner Möglichkeiten. Hat er seine Kameraden und die Gemeinde also auf die Mängel hingewiesen, liegt die Verantwortung für die Schaffung sicherer Arbeitsplätze bzw. mögliche Schäden bei der Verwaltung und damit letztlich bei Bürgermeister Matthias Kraut.

Woran hapert's?

In zehn Punkten entspricht das Feuerwehrgerätehaus nicht den Sicherheitsstandards der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. So müssen die Feuerwehrmänner und -frauen bei einem Alarm den Fahrweg der Einsatzfahrzeuge kreuzen, um ins Gebäude zu gelangen. Dort müssen sie zwischen den dicht stehenden Fahrzeugen hindurch zu ihrer Einsatzkleidung eilen – über einen zumindest bei Nässe rutschigen Boden. Umkleidemöglichkeiten in einem separaten Raum sind nicht vorhanden. Daher müssen sich die Einsatzkräfte in der Fahrzeughalle umziehen – direkt im Abgasbereich der Fahrzeuge. Eine Absauganlage gibt es nicht, ebenso wenig Dusch- und Waschmöglichkeiten.

Bemängelt wird zudem, dass die Außenbeleuchtung von Hand eingeschaltet werden muss, die Stellplatzlänge bei zwei Fahrzeugen knapp bemessen ist, die Feuerwehrleute bei der Anfahrt den Fahrweg der Feuerwehrfahrzeuge kreuzen und die Hauptverkehrswege teilweise nicht die Mindestbreite von 1,2 Metern haben. Mit verschiedenen Maßnahmen, so heißt es im Bericht des Sicherheitsingenieurs, lasse sich die Sicherheit der Feuerwehrleute mittelfristig wesentlich verbessern. Eine vollständige Anpassung der baulichen Gegebenheiten an die Vorgaben sei ohne einen Neubau oder wesentlichen Umbau aber unmöglich.

Die Feuerwehr hat noch weitere Wünsche. Dazu zählen neben mehr Platz in der Fahrzeughalle auch bessere Lagermöglichkeiten und Umkleideräume für Mädchen der Jugendfeuerwehr (sie ziehen sich in einem mit Vorhang getrennten Teil der Kleiderkammer um). Bemängelt wird zudem, dass die Technik für die Funkanlage auf der Bühne einer von der Gemeinde vermieteten Wohnung steht. Weil daher Fremdpersonen Zugang haben, gibt es beim geplanten Aufbau des neuen Funksystems Schwierigkeiten. Ebenfalls problematisch ist der Standort des Servers. Durch die hohe Temperatur in dem kleinen Raum sei der Server bereits mehrfach ausgestiegen, beschrieb Kommandant Schmid.

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